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Francesco Friedrich und Anschieber Thorsten Margis fahren zum Sieg bei der WM in Winterberg.

WM-Gold und Silber

Deutsche feiern Doppelsieg in Winterberg

Winterberg - Angeführt von Titelverteidiger Francesco Friedrich haben die deutschen Bobfahrer bei ihrer Heim-WM in Winterberg einen Doppelerfolg gefeiert.

Nach dem Doppelsieg bei der Heim-WM schien das historische Olympia-Debakel Lichtjahre entfernt. Der alte und neue Weltmeister Francesco Friedrich sprang jubelnd aus seinem Zweierbob und ließ sich von den Fans feiern, „der Franz, der kann“s„-Sprechchöre schallten minutenlang von den Tribünen in Winterberg, und der Trainerstab lag sich in den Armen. Gut 12 Monate nach den medaillenlosen Spielen von Sotschi haben die deutschen Schlitten ein beeindruckendes Comeback hingelegt.

`Was für ein geiler Tag. Danke an alle, die uns unterstützt haben“, sagte Triumphator Friedrich, „mit dieser Dominanz hätte ich nie gerechnet. Ich hatte eine Hundertstelsentscheidung erwartet.“ Stattdessen wurde die Titelverteidigung zur Machtdemonstration.

Friedrich übertraf die hohen Erwartungen mit vier Laufbestzeiten und über einer Sekunde Vorsprung auf den WM-Debütanten Johannes Lochner (Stuttgart), der zeitgleich mit Gesamtweltcupsieger Oskars Melbardis (Lettland) Zweiter wurde - es war der erste deutsche Doppelsieg seit 2008 (Andre Lange/Thomas Florschütz).

„Das war sensationell, ich bin sprachlos“, sagte Bundestrainer Christoph Langen im ZDF. Nach zwei WM-Entscheidungen standen die deutschen Bobs nun plötzlich mit vier Medaillen da. Schon am Samstag hatten Anja Schneiderheinze (Erfurt) und Cathleen Martini (Oberbärenburg) Silber und Bronze bei den Frauen geholt.

Zudem feierten die deutschen Mannschaften am Sonntagnachmittag noch einen Doppelsieg im nicht-olympischen Teamwettbewerb, in dem Bob- und Skeletonpiloten gemeinsam antreten. Und auch für die große Entscheidung im Viererbob am kommenden Sonntag scheinen die Aussichten auf einmal blendend, auch wegen Lochner.

„Der hat einen echten Blitzstart hingelegt“, sagte Thomas Schwab, Sportdirektor des deutschen Verbandes BSD, dem SID: „Wir hatten vor ein paar Monaten überlegt, ob Johannes hier schon gut mitfahren kann, aber Silber war nicht zu erwarten.“ Junioren-Weltmeister Richard Oelsner wurde Neunter direkt vor Nico Walther (beide Riesa).

Friedrich, 2013 in St. Moritz jüngster Weltmeister der Geschichte, ließ auf der vertrauten Bahn im Hochsauerland dem favorisierten Melbardis von Beginn an keine Chance. Schon nach zwei Läufen am verschneiten Freitag betrug der Vorsprung fast eine halbe Sekunde, am Sonntag legte der frühere Leichtathlet im dritten Durchgang mit Streckenrekord gleich nach.

„Der dritte Lauf ist das Zünglein an der Waage, der ist bei einer WM ganz entscheidend. Da haben wir die anderen richtig geschockt“, sagte Friedrich, der den Vorsprung im vierten Lauf noch einmal vergrößerte. Nach dem Zieleinlauf entblößten Friedrich und Anschieber Thorsten Margis zudem zwei Batman-Shirts unter den Rennanzügen („Wir sind beide Batman“) und sorgten für weitere Heiterkeit.

Auch in Winterberg zeigte Friedrich damit wieder alle Stärken, die auch in Zukunft für die großen Erfolge sorgen könnten. Am Start gehört er zu den schnellsten Piloten der Welt, an den Lenkseilen wird Friedrich immer präziser, und Nerven zeigte der 24-Jährige bei den entscheidenden Läufen erneut nicht.

Seine WM-Form hatte er zwar erst spät in dieser Weltcup-Saison gefunden, in den Wochen vor Winterberg zeigte der Trend jedoch steil nach oben. Insgesamt drei Weltcup-Siege fuhr er ein. Ein Jahr nach den ersten Spielen ohne deutsche Bob-Medaille seit 50 Jahren ist der Doppelsieg nun eine wichtige Bestätigung für den deutschen Verband.

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