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Anders Jacobsen

Vierschanzentournee in Garmisch

Norweger Jacobsen siegt beim Neujahrsspringen

Garmisch-Partenkirchen - Anders Jacobsen hat das Neujahrsspringen der diesjährigen Vierschanzentournee gewonnen. Die deutschen Springer steigerten sich im Vergleich zum ersten Stopp der Tour.

Severin Freund versuchte im Auslauf schon das neuerliche Debakel der deutschen Skispringer zu erklären, als Anders Jacobsen hoch oben zu seinem furiosen Siegsprung ansetzte. „Es war nicht meine letzte Tournee. Deswegen werde ich es nächstes Jahr wieder probieren“, sagte der vor einer Woche noch als Mitfavorit gehandelte Freund. Nach seinem erneut enttäuschenden zehnten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen hakte er die Vierschanzentournee schon zur Halbzeit ab.

„Ich habe mir sicher mehr vorgenommen, aber das ist halt die Tournee und kein Kasperle-Springen“, sagte Skiflug-Weltmeister Freund. Da auch der ebenfalls hoch gehandelte Teamkollege Richard Freitag nicht über Rang neun hinaus kam, war wie schon drei Tage zuvor in Oberstdorf das Podest für die DSV-Adler deutlich außer Reichweite. In der Gesamtwertung sieht es noch düsterer aus.

Wie es geht, zeigte Jacobsen: Vor 20.000 Zuschauern flog der Norweger auf 135,5 und 136,5 Meter und feierte mit 286,0 Punkten seinen zehnten Weltcupsieg, davon vier bei der Tournee. Zweiter wurde der beim Auftakt noch gestürzte Simon Ammann (Schweiz/279,4 Punkte) vor dem Slowenen Peter Prevc (276,9). Oberstdorf-Sieger Stefan Kraft (270,0) musste sich mit dem sechsten Platz begnügen, behauptete aber seine Führung in der Gesamtwertung.

Dort liegen die deutschen Springer ebenfalls weit zurück: Der Niederbayer Freund ist Zwölfter, einen Platz dahinter folgt Freitag. Der Rückstand auf Kraft beträgt mehr als 45 Punkte - viel zu viel, um den erhofften ersten deutschen Sieg seit 13 Jahren noch zu realisieren. Da der 21-jährige Kraft mit insgesamt 561,9 Zählern denkbar knapp vor Prevc (560,8) und Michael Hayböck (Österreich/554, 8) liegt, verspricht zumindest der Kampf um den goldenen Adler noch viel Spannung.

„Mit unseren beiden Topleuten ist es ein bisschen verhext. Sie kämpfen, sie gehen aufs Ganze, aber es reicht nicht. Das war kein berauschendes Ergebnis, wenn man die nackten Zahlen sieht“, sagte Bundestrainer Werner Schuster: „Der erste Durchgang ist leider in die Hose gegangen, der zweite war für die Moral aber ganz wichtig. Ich bleibe bei meiner Zielsetzung: Mit der Mannschaft ist mehr drin. `

Zumindest in der Breite gab es aber einen kleinen Aufwärtstrend zu verzeichnen: Team-Olympiasieger Marinus Kraus (Oberaudorf) landete auf dem 13. Rang, Stephan Leyhe (Willingen) verbuchte als 16. das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere. Ebenfalls in die Punkte schafften es Michael Neumayer (Oberstdorf) und Andreas Wank (Hinterzarten) auf den Rängen 23 und 30. `Ich habe mehr Positives als Negatives gesehen“, sagte Bundestrainer Schuster, der Team-Olympiasieger Wank allerdings aus seinem Aufgebot für die Springen in Österreich strich.

Einen Rückschlag musste Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch verkraften. Der erst bei der Tournee in die Saison gestartete Pole, in Oberstdorf noch Vierter, belegte nur den 15. Rang. Tournee-Titelverteidiger Thomas Diethart (Österreich), dessen Stern im vergangenen Jahr mit dem Sieg in Garmisch aufgegangen war, enttäuschte gar als 25. Besser lief es für Superstar Gregor Schlierenzauer (Österreich) auf Rang vier.

Für Freund und Co. gilt es nun nur noch darum, die Tournee anständig zu beenden. Nach einem Ruhetag steht am Samstag (14.00 Uhr/ZDF und Eurosport) die Qualifikation für das Bergisel-Springen in Innsbruck an. „Wir wollen das Gute von hier mitnehmen“, sagte Freund und gab die Hoffnung auf ein Einzel-Podest noch nicht auf: „Innsbruck liegt uns als Mannschaft wirklich sehr gut.“

Größter Gewinner aus deutscher Sicht war in Garmisch allerdings Sven Hannawald: Der 40-Jährige bleibt dank des Erfolges von Jacobsen mindestens für ein weiteres Jahr der einzige Skispringer mit Siegen auf allen vier Schanzen.

Bilder: Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

Bilder: Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

dpa/sid

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