Peter Prevc
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Peter Prevc ist zur Zeit das Maß aller Dinge.

Vierschanzentournee in Innsbruck

Freund hinter Prevc - Schuster greift Veranstalter an

Innsbruck - Peter Prevc ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und ließ auch in Innsbruck die Konkurrenz hinter sich. Severin Freund flog auf Rang zwei. Kritik gab es von Bundestrainer Schuster.

Severin Freund bestieg lächelnd zum ersten Mal in seiner Karriere das Podest am Bergisel, doch auch dieses Mal musste Deutschlands Topspringer zu seinem überragenden Rivalen Peter Prevc aufblicken. Mit einer grandiosen Flugshow feierte der Slowene am Sonntag in Innsbruck vor Freund seinen zweiten Sieg bei der 64. Vierschanzentournee und geht mit einem satten Polster von fast 20 Punkten auf den Weltmeister in das Finale in Bischofshofen.

Schuster zu Freund-Sturz: „Hang nicht ausreichend präpariert“

Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster hat eine mangelhaft präparierte Schanze für den Sturz von Severin Freund in Innsbruck mitverantwortlich gemacht. „Ich habe die Präparierung als nicht ausreichend für einen Weltcup empfunden. Das muss man auch mal sagen dürfen, weil das in dieser Saison nicht zum ersten Mal vorkommt“, sagte der Österreicher nach dem dritten Springen der Vierschanzentournee am Sonntag.

Freund hatte im Probedurchgang nach einem starken Sprung auf 129, 0 m das Gleichgewicht verloren, bei dem Sturz zog er sich leichte Prellungen zu. „Dafür, wie der Sturz ausgesehen hat, geht es mir noch wahnsinnig gut. Morgen werde ich den einen oder anderen blauen Fleck haben, aber das hätte noch viel blöder ausgehen können“, sagte der Weltmeister.

Schuster machte für den Sturz auch eine Querrille im Hang verantwortlich: „Eigentlich ist es hier fast eine Treppe. Severin ist in dieses Loch mit Neuschnee gekommen, und dann hat es den Ski gefressen. Da muss man den Hang besser präparieren und den Skispringern ein bisschen mehr Sicherheit geben“, sagte Schuster, der aber auch betonte: „Wir haben in Walter Hofer einen sehr guten Renndirektor, der für so etwas ein offenes Ohr hat.“

Freund lobt Prevc: "Er macht das souverän"

„Er macht das schon extrem souverän und ist im Moment einen Tick besser“, lobte Freund nach einem erneut dramatischen Duell seinen Rivalen. „Um die Tournee zu gewinnen, braucht es jetzt ein Wunder. Oder ein Unglück. Aber das wünsche ich keinem“, sagte der Bayer.

Auch die Statistik spricht für Prevc 

Nicht nur der Vorsprung, sondern auch die Statistik spricht vor dem letzten Wettbewerb an diesem Mittwoch für den überragenden Slowenen: In den vergangenen zehn Jahren triumphierte der Führende nach drei Wettbewerben auch am Ende. „Ich denke, ich kann auf diesem Level weitermachen“, sagte der Weltcup-Spitzenreiter. „Aber es wird hart in Bischofshofen.“

Nach Sprüngen auf 122,5 und 128 Meter lag Freund 11,1 Punkte hinter Prevc, der auf 125 und 132 Meter kam. „Es gibt im Moment einfach einen besseren Springer als Severin - das ist Prevc. Er ist ein fantastischer Sportler“, lobte Bundestrainer Werner Schuster.

Der erlebte einmal mehr eine geschlossene Teamleistung. Andreas Wellinger kam als Sechster zu seinem besten Saisonergebnis. Andreas Wank auf Platz neun und Richard Freitag als Zehnter komplettierten das gute Abschneiden.

Der Tag begann für Freund mit einer Schrecksekunde. Nach seinem Probesprung auf 129 Meter verkantete er bei der Landung den linken Ski und knallte heftig auf den Hang. Bei dem Sturz zog sich der Bayer Prellungen zu, gab aber umgehend Entwarnung. „Das hätte böse enden können. Ich bin sehr stolz auf ihn, wie er die Situation danach gemeistert hat“, sagte Schuster.

„Ich hatte gar nicht viel Zeit, darüber nachzudenken“, berichtete Freund. Doch auch sein großer Gegenspieler Prevc zeigte in der Probe Nerven. Er wurde mit einem verpatzten Versuch nur 24. „Da war ich schon etwas in Sorge“, erzählte er.

Severin Freund erhält Extralob von Schuster

Als es darauf ankam, lieferten die beiden Schanzenstars aber wieder Gala-Vorstellungen ab. Freund legte bei heftigem Rückenwind im ersten Versuch 122,5 Meter vor und erhielt dafür ein Extralob von Schuster. „Er hat sich gut geschlagen. In Anbetracht der Vorgeschichte war das gigantisch. Nach solch einem Sturz gleich wieder so eine Telemark-Landung hinzulegen, ist nicht selbstverständlich“, sagte der Coach.

Prevc ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Der 23-Jährige bewies Nervenstärke und segelte sogar auf 125 Meter. „Es ist beeindruckend, wie beide bei diesen Verhältnissen solche Sprünge herauszaubern“, meinte Altmeister Michael Neumayer bewundernd.

Im Finale flog der Halbzeit-Dritte Freund ganz nach vorn, doch Prevc lieferte wieder eine krachende Antwort. „Severin kann trotzdem stolz sein“, sagte Schuster.

Freund hinter Prevc: Bilder vom Springen in Innsbruck 

Freund hinter Prevc: Bilder vom Springen in Innsbruck

Für Vorjahressieger Freitag erfüllten sich die Hoffnungen auf den ersten Podestplatz bei dieser Tournee dagegen nicht. 117,5 und 123 Meter reichten nur zu Rang zehn. „Die Sprünge haben nicht gepasst. Ich war ein bisschen zu verkrampft“, sagte Freitag. Im Gesamtklassement behauptete er zumindest den neunten Rang.

Direkt dahinter rangieren die Team-Olympiasieger Andreas Wank und Andreas Wellinger, der mit 122,5 und 120 Meter seinen besten Wettkampf in diesem Winter ablieferte. „Ich spüre meinen Körper wieder besser“, sagte der 20-Jährige.

dpa

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