Die wichtigsten Fragen und Antworten

Terrormiliz ISIS: Das will der Islamische Staat

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Kämpfer der Terrormiliz ISIS, die sich Islamischer Staat nennt.

Die islamistische Terrormiliz ISIS oder Islamischer Staat (IS) sorgt weltweit für Aufsehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur mächtigsten Terror-Organisation der Welt.

Die Terror-Organisation ISIS - auch Islamischer Staat (IS) genannt - kontrolliert seit 2014 große Gebiete in Syrien und im Irak. Aktuell sorgt der Islamische Staat mit den Terroranschlägen von Paris für Aufsehen. Was will die ISIS? Was bedeuten die Begriffe Islamischer Staat, ISIS und ISIL? Welche Ideologie vertritt die Terrorgruppe? Wer ist der Anführer von ISIS? Auf diese und andere Fragen finden Sie hier Antworten.

Der Ex-CDU-Abgeordneten und Autor Jürgen Todenhöfer hat ISIS aus nächster Nähe erlebt - er sagt im Interview, wie der Islamische Staat besiegt werden könnte. Eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Islamischen Staat spielt außerdem die Türkei und deren Grenze zu Syrien.

Widerspruch zu Todenhöfers Thesen kommt vom Historiker Prof. Michael Wolffsohn. Er sieht im Kampf gegen den Islamischen Staat andere Prioritäten. Mehr erfahren Sie im IS-Interview mit Prof. Michael Wolffsohn.

Für Aufsehen sorgt ein Lied von Xavier Naidoo gegen den Syrien-Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen den Islamischen Staat, das Jürgen Todenhöfer veröffentlicht hat. Kontrovers diskutiert wird Naidoos abstruse Behauptung in dem Song: "Muslime sind die neuen Juden." 

Was will ISIS?

Der Islamische Staat (IS) ist eine islamistische Terror-Organisation im Nahen Osten. Bevor die Organisation unter dem Namen Islamischer Staat auftrat, nannte sie sich auch ISIS (Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und in Syrien") oder ISIL (Abk. f. "Islamischer Staat im Irak und in der Levante"). Eine Einheitliche Benennung der Terrormiliz hat sich international bislang nicht durchgesetzt. Das Weiße Haus spricht von ISIL, die renommierte Zeitung "New York Times" verwendet den Namen ISIS, die französische Regierung nennt die Islamisten "Daech" und in deutschen Medien ist häufig vom "Islamischen Staat" zu lesen.

Hinter den zahlreichen Etiketten steht die Terrorgruppe selbst, die mehrfach ihren Namen verändert hat. Wichtig ist: ISIS und Islamischer Staat bedeuten ein und dasselbe. Dahinter stehen Extremisten der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam, die vorwiegend aus Syrien und dem Irak kommen. Zahlreiche Islamisten aus Deutschland und Europa haben sich ISIS, die in Syrien und im Irak einen Gottesstaat errichten wollen, angeschlossen. Laut Verfassungsschutz sind bisher bereits mehr als 400 junge Männer von Deutschland aus in den Irak oder nach Syrien gegangen, um für ISIS zu kämpfen.

Hinter der aktuellen Bezeichnung Islamischer Staat (IS), den ISIS verwendet, steht ein politisches Ziel: ISIS will einen islamistischen Gottesstaat: Ein sogenanntes Kalifat, in dem ein Kalif herrscht. Dieser Begriff ist uns in Deutschland hauptsächlich aus arabischen Märchenerzählungen bekannt. Tatsächlich steckt dahinter der Anspruch eines sowohl weltlichen als auch religiösen Führers der gesamten islamischen Welt. Der Titel "Kalif" wird im Koran mit "Statthalter Gottes" oder "Nachfolger" übersetzt und wurde von mehreren Nachfolgern des Religionsstifter Mohammed verwendet.

ISIS-Anführer Abu Bakr Al-Baghdadi bezeichnet sich selbst als Kalif des Islamischen Staates.

Am 29. Juni 2014 rief ISIS-Anführer Ibrahim Award Ibrahim, genannt Abu Bakr al-Baghdadi, ein Kalifat im Irak und in Syrien aus. Sich selbst bezeichnete der gebürtige Iraker als Kalifen des Islamischen Staates. Der Begriff Kalif stellt auch eine Abgrenzung von der Herrschern der Golfstaaten dar, die sich oft als "Emir" oder "Sultan" bezeichnen. In der Sichtweise von ISIS sind diese Herrscher Verräter am Islam, die keine religiöse Legitimität besitzen und zudem mit den USA paktieren.

Das Nahziel von ISIS beschreibt die konservative US-Denkfabrik  "Heritage Foundation" folgendermaßen: "ISIS will die Regierungen im Irak, Syrien, Libanon und Jordanien stürzen und einen islamischen Staat mit einer rauen und brutalen Auslegung des islamischen Rechts errichten."

Von diesem Kalifat aus, will ISIS später die ganze Welt mit einem Terrorkrieg überziehen: "Langfristig will ISIS einen Dschihad gegen den westlichen Einfluss im Nahen Osten führen, Israel zerstören und zum Kern eines weltweiten islamischen Reiches werden. Die Gruppe ist entschlossen, ihre totalitäre islamistische Ideologie über alle Muslime zu verhängen; Abtrünnige zu töten (so werden von ISIS alle Musilme definiert, die ihre Version des Islam nicht anerkennen) und alle Nicht-Muslime zu unterjochen."

Wo kommt ISIS her?

Nach Ansicht von Matthew Olsen, Direktor der US-Anti-Terror-Zentrale (NCTC), reichen die Wurzeln von ISIS zehn Jahre zurück. Im Jahr 2004 gründete der sunnitische Terrorist Abu Musab al-Zarqawi die Organisation "Al-Qaida im Irak" und gelobte Terrorfürst Osama Bin Laden seine Gefolgschaft. Diese Terror-Organisation wollte die amerikanischen Besatzungstruppen und deren Verbündete aus dem Irak herausdrängen. Dazu überzogen al-Zarqawi und seine Terroristen das Land mit Selbstmordattentaten und Autobomben, die sich gleichermaßen gegen Soldaten und Zivilisten richteten. Schon damals richteten die ISIS-Vorgänger zahlreiche Menschen hin. Laut Olsen erwarb sich "Al-Qaida im Irak" einen "Ruf für Brutalität und Tyrannei".

Al-Zarqawi wurde 2006 bei einem US-Luftschlag getötet. Anschließend wurde seine Organisation, die sich mittlerweile "Islamischer Staat im Irak" (ISI) nannte, durch gezielte Militärschlägen der Amerikaner nahezu ausgerottet. Aber: Nach dem von US-Präsident Obama befohlenen Abzug der US-Truppen aus dem Irak im Jahr 2011 erlebte die Gruppe ein Comeback. US-Autor Joe Kirkland beschriebt in der kürzlich erschienenen Studie "A Short Introdcution to the Islamic State" ("Eine kurze Einführung in den Islamischen Staat"), dass der irakische Terrorist (und jetzige "Kalif" des "Islamischen Staates") Abu Bakral-Baghdadi im August 2011  erstmals Kämpfer aus dem Irak nach Syrien schickte. Dort verbanden die irakischen Dschihadisten sich mit extremistischen Rebellen, die gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad kämpften.

Im April 2013 verkündete al-Baghdadi die Vereinigung mit der syrischen Terrormiliz "Al-Nusra", die als syrischer Arm der Al Kaida aufgetreten war. Syrien werde dem Islamischen Staat eingegliedert, verkündete al-Baghdadi. Die neue Bezeichnung der gemeinsamen Gruppierung sei von nun an "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS). Diese Entscheidung traf al-Baghdadi offensichtlich ohne Absprach mit Al Kaida. Zahlreiche Dschihadisten von "Al-Nusra" distanzierten sich von ISIS und gelobten Al Kaida ihre Treue. Al-Kaida-Anführer Aiman az-Zawahiri sprach sich öffentlich gegen diese Vereinigung aus.

Dabei ging es auch um konkrete politische Ziele: al-Nusra wollte vorrangig Syriens Machthaber bezwingen. ISIS wollte vor allem die Kontrolle über die eroberten Gebiete festigen und dort eine islamistische Staatsordnung errichten. 

Über ein Jahr lang kam es zu Kämpfen zwischen Al-Nusra -Anhängern und ISIS-Kämpfern, bis Aiman az-Zawahiri im Mai 2014 alle Angriffe auf ISIS-Kämpfer untersagte. In der Folge wurde "Al-Nusra" laut "Kalif" al-Baghdadi komplett ISIS eingegliedert. Al Kaida erklärte mittlerweile jegliche Zusammenarbeit mit ISIS wegen der Brutalität der Organisation für beendet. 

Autor Kirkland schätzt, dass die Zahl der ISIS-Kämpfer im Irak und Syrien zwischen 2011 und Mitte 2014 von 4.000 auf 80.000 anwuchs.

Islamischer Staat: ISIS steckt hinter Terror von Paris

Die Islamische Staat droht Frankreich nach einer spektakulären Terror-Serie mit weiteren Anschlägen. „Dieser Überfall ist nur der erste Tropfen Regen und eine Warnung“, hieß es in einer am 14. November im Internet kursierenden Botschaft im Namen des IS. Bei der Serie von Attentaten waren am späten Freitagabend in Paris mindestens 128 Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

„Frankreich und jene, die seinem Pfad folgen, wissen, dass sie ganz oben auf der Liste der Ziele des Islamischen Staates stehen und dass der Geruch des Todes ihre Nasen nicht verlassen wird, solange sie ihren Kreuzzug fortführen, es wagen, unseren Propheten zu beleidigen (...), stolz darauf sind, gegen den Islam Krieg zu führen und die Muslime im Land des Kalifats mit ihren Flugzeugen anzugreifen“, heißt es in dem Text, der in arabisch und französisch vorliegt.

Die Echtheit und der Inhalt des Bekennerschreibens konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Die Wortwahl erinnert jedoch an frühere Bekennerschreiben des IS. Frankreichs Präsident François Hollande hatte bereits am Samstagvormittag die Terrormiliz für die Anschläge verantwortlich gemacht und von einem „Kriegsakt“ gesprochen.

In dem Schreiben heißt es, eine „treue Gruppe Gläubiger der Armee des Kalifats“ habe die „Hauptstadt der Unzucht und Laster“ angegriffen, um Terror „in die Herzen der Kreuzzügler in ihrer eigenen Heimat“ zu bringen: „Sie ließen ihre (Sprengstoff-)Gürtel in den Massen von Ungläubigen explodieren, nachdem ihnen die Munition ausgegangen war.“ Die Anschlagsorte seien „sorgfältig ausgewählt“ worden, darunter auch das Stade de France während des Fußballspiels „der Mannschaften von Frankreich und Deutschland im Beisein des französischen Wahnsinnigen François Hollande“.

Sollten die Angriffe in Paris tatsächlich auf das Konto des Islamischen Staates gehen, wäre dies die erste koordinierte Attacke der Terrormiliz in der westlichen Welt. Die französische Luftwaffe fliegt seit dem 27. September 2015 Luftangriffe auf IS-Einrichtungen in Syrien.

In Frankreich hatte ein Attentäter im Januar kurz nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ eine Polizistin sowie vier Juden in Paris getötet - in einem Internetvideo hatte er dem Anführer des Islamischer Staates, Abu Bakr al-Bagdadi, einen Treueeid geschworen.

ISIS: Die Chronolgie des Terrors 2014

Vor allem im Jahr 2014 hat ISIS mit zahlreichen spektakulären Eroberungen und Enthauptungen weltweit für Aufsehen gesorgt. Wir zeigen die wichtigsten Entwicklungen des Jahres. 

Januar 2014: ISIS-Kämpfer erstürmen die irakischen Städte Ramadi sowie Falludscha, die Hauptstadt der westirakischen Provinz Al-Anbar. Nach einigen Tagen werden die ISIS-Kämpfer wieder vertrieben.

10. Juni 2014:  ISIS-Kämpfer nehmen die irakische Metropole Mossul ein. Rund 500.000 der knapp drei Millionen Einwohner fliehen aus Mossul.

12. Juni 2014: 3000 Soldaten der irakischen Armee verlassen den Luftwaffenstützpunkt Camp Speicher nahe Tikrit, um sich zu ergeben. Die ISIS-Kämpfer teilen die Gefangenen in Sunniten und Schiiten auf. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden bis zu 770 Schiiten ermordet.

22. Juni 2014: ISIS-Kämpfer nehmen die Stadt Rutba auf der Straße von Bagdad nach Amman (Jordanien) und einen strategisch wichtigen Grenzübergang nach Jordanien ein.

29. Juni 2014: Zu Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan ändert ISIS den Namen in Islamischer Staat. Abu Bakr al-Baghdadi ruft ein Kalifat im Irak und in Syrien aus und ernennt sich selbst zum Kalifen.

Juli 2014: ISIS-Kämpfer zerstören in den irakischen Städten Mossul und Tal Afar schiitische und sufistische Moscheen und Heiligtümer.

8. August 2014: Die USA fliegen erste Luftangriffe gegen die IS. Ein Völkermord an Christen und Jesiden müsse verhindert werden, sagt US-Präsident Obama.

19. August 2014: ISIS veröffentlicht im Internet ein Video, in dem der entführte amerikanische Fotojournalist James Foley enthauptet wird. ISIS erklärt die Enthauptung als Reaktion auf die US-Luftschläge gegen die Terrormiliz.

24. August 2014: IS-Kämpfer nehmen den Militärflughafen al Tabqa syrischer Regierungstruppen in Al-Tabka ein.

September 2014: ISIS-Anhänger greifen die syrische Kurden-Stadt Kobanê an der Grenze zur Türkei an. Die Kämpfe dauern seither an.

2. September 2014: Neues Enthauptungsvideo: ISIS veröffentlicht Aufnahmen der Hinrichtung des US-Journalisten Steven Sotloff

10. September: Die USA weiten ihre Angriffe gegen die Extremisten vom Irak auf Syrien aus, kündigt Obama in seiner Rede an die Nation an.

13. September 2014: ISIS veröffentlicht ein Video der Enthauptung des britischen Flüchtlingshelfers David Haines. Die Tötung sei eine Reaktion auf die Beteiligung der Briten an den Luftschlägen gegen ISIS.

3. Oktober 2014: ISIS veröffentlicht ein weiteres Enthauptungs-Video. Auf diesem wird der Brite Alan Henning enthauptet. Der ehemalige Taxifahrer Henning hatte sich 2013 einem Hilfskonvoi für syrische Flüchtlinge angeschlossen. Am 26. Dezember 2013 war der Brite in die Hände der ISIS-Terroristen gefallen. Der britische Premierminister David Cameron erklärt: "Wir werden alles tun, um diese Mörder zu jagen und sie zur Rechenschaft zu ziehen."

Oktober 2014: Die Schlacht um Kobanê dauert an.

1. bis 4. November: ISIS ermordet im Irak mehrere hundert Menschen des sunnitischen Stammes Albu Nimr. Über die Zahl der Toten gibt es verschiedene Aussagen: Ein Stammesführer spricht von 540 Ermordeten. Die irakische Regierung nennt die Zahl von 322 Opfern. Der Stamm Albu Nimr gehört zu den Verbündeten der irakischen Regierung im Kampf gegen ISIS. Obwohl selbst sunnitisch, unterstützt Albu Nimr auch schiitische Milizen. Die sunnitisch- extremistische ISIS-Terrormiliz verfolgt den Stamm mit besonderer Härte.

16. November 2014: ISIS veröffentlicht ein neues Tötungsvideo. Dieses zeigt die Enthauptung des US-Bürgers Peter Kassig sowie eine brutale Massenhinrichtung gefangener Soldaten. Die USA bestätigen die Echtheit des Videos. Der 26-Jährige Ex-Elitesoldat Kassig arbeitete nach Angaben seiner Eltern als Entwicklungshelfer in Syrien, als er am 1. Oktober 2013 in Dair as-Saur im Osten des Landes entführt wurde.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

5. September: US-Außenminister John Kerry äußert sich in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow besorgt über Berichte, nach denen Moskau planen könnte, seine militärische Unterstützung für das Assad-Regime stark auszuweiten.

30. September: Nachdem der russische Föderationsrat einen Militäreinsatz genehmigt, beginnen russische Kampfflugzeuge wenige Stunden später in einer ersten Welle Ziele in Syrien anzugreifen. Seither führt Russlands Präsident Wladimir Putin Krieg gegen den IS. Mit den Luftangriffen soll nach Angaben des Kremls der Islamische Staat bekämpft werden. Der Westen und syrische Aktivisten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime des Verbündeten Präsidenten Baschar al-Assad zu unterstützen. Die Allianz mit Assad bietet für Russland die Möglichkeit der Einflussnahme im Nahen Osten.

Die Ideologie der ISIS

Wie viele andere Extremistengruppen erwuchs die Ideologie der ISIS beziehungsweise des Islamischen Staates aus der Muslimbruderschaft, die in den 1920er Jahren in Ägypten gegründet wurde. Aus der Muslimbruderschaft leitet sich auch die heutige Ideologie der ISIS ab, die eine Rückkehr zum Ur-Islam des Mittelalters fordert. Das will ISIS im Einzelnen:

  • ISIS vertritt eine extrem anti-westliche Ausprägung des sunnitischen Islamismus und fordert Gewalt gegen die Kräfte im Westen (vor allem gegen die USA).
  • ISIS fordert eine religiöse Verfolgung aller Menschen, deren Glauben von der Koran-Interpretation der Terrormiliz abweicht. Bislang hat ISIS zehntausende Christen, Jesiden und schiitische Muslime umgebracht.
  • Sogar andere islamistische Gruppen wie die palästinensische Hamas gelten der ISIS als Abweichler vom richtigen Weg des Islam. Hamas wird das Recht zum Dschihad abgesprochen. 

Nach der Eroberung der irakischen Stadt Mossul im Juni veröffentlichte ISIS einen Reihe von Vorschriften, die fortan für alle Einwohner gelten sollten:

  • Der Konsum von Drogen, Alkohol und Zigaretten ist verboten.
  • Versammlungen sind verboten.
  • Das sichtbare Tragen von Waffen ist verboten.
  • Dieben wird die Hand abgehackt.
  • Frauen müssen weite Kleidung tragen und dürfen ihre Häuser nur verlassen, wenn es absolut notwendig ist.
  • Alle Einwohner müssen fünfmal täglich ihr Gebet verrichten. 

Woher kommt das Geld der ISIS?

Der renommierte US-amerikanische Think Tank "Council on Foreign Relations" (CFR) sieht die Ölförderung als wichtigste Einnahmequelle des Islamischen Staates. Laut CFR produziert der IS 44.000 Barrel pro Tag aus syrischen Ölquellen und 4.000 Barrel pro Tag aus den irakischen Quellen. Durch den Verkauf des Öls sollen jeden Tag zwischen 1 Million und 3 Millionen US-Dollar in die Kassen des IS fließen. Damit wäre ISIS die reichste Terrororganisation der Welt. Möglicherweise kaufen sogar die Feinde der Terrormiliz das IS-Öl: Das Assad-Regime, die Türkei sowie irakische Kurden. 

Daneben verfügt ISIS laut Autor Joe Kirkland über weitere Geldquellen:

  • Das Ausrauben von Lastwagen und Geschäften in ihrem Einflussbereich.
  • Spenden aus den öl-reichen Golfstaaten. Die iranische Führung und der irakische Premierminister prangern die Länder Saudi Arabien und Katar als maßgebliche Geldgeber von ISIS an.
  • Einnahmen aus Steuern und Zöllen. 

    Hohe Summen erzielt der IS aus dem Verkauf geplünderter Antiquitäten und Schätze des Altertums. US-Vertreter erklärten dem „Wall Street Journal“, damit nehme der IS 100 Millionen Dollar im Jahr ein. Mehrere Dutzend Millionen sollen Lösegelderpressungen jährlich einbringen.

Ist Obama Schuld am Erfolg von ISIS?

Fakt ist: US-Präsident Barack Obama steht wegen seiner ISIS-Strategie zunehmend in der Kritik. Dass von konservativer Seite gegen den US-Präsidenten geschossen wird, verwundert wenig. Zumal vor den anstehenden Kongresswahlen. So warf der den Republikanern nahestehende Militärexperte Ralph Peters Obama im Sender Fox News vor, dass die von ihm im August gestarteten Luftschläge gegen ISIS völlig wirkungslos geblieben seien. "Obama will keine Terroristen verletzen", giftete Peters. Der republikanische Senator John McCain (der Obama im Präsidentschaftswahlkampf 2008 unterlag) warnte im Nachrichtensender CNN vor einem bevorstehenden Sieg von ISIS im Irak und Syrien. Als letztes Mittel gegen einen Triumph der Terrorgruppe forderte McCain den Einsatz von Bodentruppen - was Obama aber bislang kategorisch ablehnt.

Kritik an Obama kommt mittlerweile nicht allein von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen. Allen voran von Leon Panetta, der Obama vormals als CIA-Direktor und später als Verteidigungsminister diente. Panetta gilt als engagierter Anti-Terrorismus-Kämpfer, der etwa die Mission zur Tötung von Osama bin Laden persönlich überwachte. In seinen kürzlich veröffentlichten Memoiren "Worthy Fights" ("Würdige Kämpfe") wirft er Obama vor, er habe dem Aufstieg von ISIS nachdem Abzug aus dem Irak - trotz Warnungen - tatenlos zugesehen. "Es war für mich und viele andere klar, dass der Abzug aller unserer Kräfte die zerbrechliche Stabilität gefährden würde, die den Irak damals kaum zusammengehalten hat." Der von Obama angeordnete komplette US-Abzug sei gegen den Willen der irakischen Führung erfolgt: "Die verschiedenen Führungsgruppen im Irak haben in vertraulichen Gesprächen alle wissen lassen, dass sie einige US-Kräfte als Bollwerk gegen Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen behalten wollten." Obamas Regierung, so urteilt Panetta, schien vor allem darauf erpicht gewesen zu sein, "den Irak loszuwerden".

Kritik kam auch von Obamas früherer Außenministerin Hillary Clinton. Sie kritisierte den Präsidenten in einem Gespräch mit der US-Zeitschrift "The Atlantic" recht unverhüllt: Weil die USA die syrischen Rebellen im Kampf gegen Machthaber Assad nicht entschlossener unterstützt hätten, hätten die ISIS-Terroristen das Machtvakuum in Land füllen können.

Damit nicht genug: Sogar der frühere demokratische US-Präsident Jimmy Carter hielt Obama Tatenlosigkeit vor: "Wir haben zu lange gewartet", kritisierte er gegenüber dem "Fort Worth Star-Telegram"  "Wir ließen zu, dass der Islamische Staat sein Vermögen aufbaute, seine Fähigkeiten und seine Stäre, als er noch in Syrien war. Als ISIS dann im Irak einmarschierte, waren die sunnitischen Muslime nicht gegen ihre Anwesenheit und bald darauf wurde ein Drittel des Irak aufgegeben." Sogar der Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter hält den Einsatz von Bodentruppen gegen ISIS mittlerweile für unumgänglich.

Welche Länder kämpfen gegen den Islamischen Staat?

  • USA: Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den Islamischen Staat an der Spitze eines Militärbündnisses westlicher und arabischer Staaten an. Mit der Bombardierung von Stellungen der Extremisten in Syrien und im Irak seit über einem Jahr will Washington kurdische Milizen in Syrien und die irakischen Sicherheitskräfte in ihrem Kampf gegen den IS unterstützen. Ein Trainingsprogramm für gemäßigte syrische Rebellen floppte allerdings, brachte nur eine Handvoll Kämpfer hervor und wurde gestoppt.
  • FRANKREICH: Die französische Luftwaffe bombardiert seit Ende September IS-Stellungen in Syrien. Premierminister Manuel Valls hatte die völkerrechtlich umstrittenen Angriffe als „Selbstverteidigung“ gerechtfertigt. Sie richteten sich gegen Terroristen, die Frankreich ins Visier genommen hätten. Bereits seit Oktober 2014 hatte Frankreich sich an Luftangriffen des US-geführten Bündnisses im Irak beteiligt.
  • RUSSLAND: Moskaus fliegt ebenfalls seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Damit soll nach Angaben des Kremls der Islamische Staat bekämpft werden. Der Westen und syrische Aktivisten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime des Verbündeten Präsidenten Baschar al-Assad zu unterstützen. Die Allianz mit Assad bietet für Russland die Möglichkeit der Einflussnahme im Nahen Osten.
  • IRAN: Der Iran ist neben Russland wichtigster Unterstützer Assads und hat Militärberater in die Region entsandt. Zugleich ist die schiitisch geprägte Islamische Republik Iran an einem erfolgreichen Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz interessiert.
  • DEUTSCHLAND: Deutschland liefert für den Kampf gegen den IS seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.
  • ARABISCHE STAATEN: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

fro

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