Anne Will
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Moderatorin Anne Will führt durch den Sonntagstalk im Ersten.

Unsere Nachtkritik

Anne Will: So lief ihr Comeback in der ARD

München - Bei ihrem ersten TV-Talk auf dem begehrten Sendeplatz um 21.45 Uhr am Sonntagabend geht es bei Anne Will darum, welche Lehren wir aus Köln ziehen können. Lohnte sich das Einschalten?

„Freu’ mich über diesen netten Empfang“, sagt Anne Will in den herzlichen Beifall im Studio hinein, aber sie genießt ihn nicht, sie redet weiter. Zeit ist knapp, sie hat jetzt 15 Minuten weniger als auf dem alten Sendeplatz. Die verbliebene Zeit will sie mit Inhalt fühlen und nicht mit Klatschen. Das spricht schon mal für Anne Will.

Die 49-Jährige ist wieder zurück auf dem begehrten Sendeplatz um 21.45 Uhr am Sonntagabend nach dem ARD-Krimi. Sie tritt die Nachfolge von Günther Jauch an, der sich aus dem Ersten zurückgezogen hat. Von 2007 bis 2011 talkte sie hier schon, wich dann auf den Mittwoch aus. Ihr Comeback läuft recht munter, wenn auch nicht extrem spannend. Will spricht über die Lehren aus Köln, über Zuwanderung und Kriminalität.

Den Kanzleramtsminister haben ihre Leute eingeladen, den wie immer etwas buddhaesk dasitzenden Peter Altmaier (CDU). Seine gemütliche Figur täuscht. Er hat die Merkel-Politik zu verteidigen, macht das tapfer und bei Bedarf auch über Wills Zwischenfragen hinweg. Flammend preist er die „Führungsverantwortung“ der Bundesregierung und ihr soziales Gewissen. So leidenschaftlich, dass sie auf Twitter schon schreiben, der dicke CDUler sei „der einzige Linke in der Sendung“. Altmaier greift sich immer wieder das Wort und mag es dann auch nicht gern wieder hergeben.

Leichter hat sie es mit den anderen Gästen: Journalist Stefan Aust, der nach 25 Minuten oberlehrerhaft einen Zettel aus dem Sakko zieht, aber Altmaier schwungvoll widerspricht, Politologin Gesine Schwan (SPD) und Psychologe Ahmad Mansour. Ihm fährt die Talkmasterin schon bei seinem ersten Satz über den Mund, weil er ausschweifend auf irgendwas zu antworten versucht, jedenfalls nicht ihre Frage. Gut so. Bei Schwan ist es schon schwieriger. In einem recht munteren Redefluss verlangt die frühere Bundespräsidenten-Kandidatin erst, Deutschland müsse sich „als Einwanderungsland kapieren“; dann, dass das ungemütlich werde, und schließlich, dass „wir schon eine ganz andere Gesellschaft“ seien. Jedenfalls: „Wir müssen uns öffnen.“

Das muss Will selbst auch: Sie ist anfangs hörbar angespannt, verspricht sich schon in der Anmoderation dreimal. Ihre Stimme vibriert, was in diesem Fall mal ganz menschlich wirkt. Sie hat die Sendung in der Summe trotzdem einigermaßen im Griff. Wie immer also. Einmal nur reden alle wild durcheinander. „Kurze Ruhe“, sagt sie in die Runde, und die Runde ruht gehorsam kurz. Eines allerdings kann auch Will nicht verhindern: Dass am Ende der Talkshow der Zuschauer nett unterhalten wurde, aber auch nicht recht klüger ist als vorher.

Christian Deutschländer

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