Peter Lustig Löwenzahn tot
+
TV-Legende Peter Lustig (78) ist tot. Der langjährige Löwenzahn-Moderator starb laut ZDF am Dienstag.

Am Dienstag gestorben

Löwenzahn-Moderator Peter Lustig ist tot: Er prägte eine TV-Generation

Husum - TV-Legende Peter Lustig (78) ist tot. Der langjährige Löwenzahn-Moderator starb laut ZDF-Mitteilung am Dienstag.

Eine TV-Generation trauert um eine Fernseh-Legende der 80er Jahre: Peter Lustig ist tot. Die blaue Latzhose war sein Markenzeichen - ebenso wie seine Aufforderung, den Fernseher gleich wieder auszuschalten: Millionen von deutschen TV-Zuschauern wurden mit Peter Lustig erwachsen. Am gestrigen Dienstag ist der langjährige "Löwenzahn"-Moderator im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum (Schleswig-Holstein) im Kreise seiner Familie gestorben. Das teilt das ZDF am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit. Lustig war verheiratet, hatte vier Kinder und neun Enkel.

Peter Lustig ist tot: "Löwenzahn" gehörte zum deutschen TV der 80er Jahre wie Captain Future und Colt Seavers

Alle Kinder, die in den 80er Jahren in Westdeutschland aufwuchsen, können die "Löwenzahn"-Titelmelodie vermutlich aus dem Stegreif pfeifen. Die Melodie - im Intro mit Gitarre, Klavier und Tambourin gespielt - dürfte ebenso kultig sein, wie die Titelsongs aus "Captain Future" und "Ein Colt für alle Fälle. Im Gegensatz zum Weltraum-Helden und zum Hollywood-Stuntman stand Peter Lustig für damals neuartige, grüne Trends: Öko-Bewusstsein, Naturschutz und gesunde Ernährung standen bei "Löwenzahn" im Mittelpunkt.  

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler würdigt den Kult-Moderator: "Tüfteln, Forschen, Entdecken - das war die Welt von Peter Lustig. Über 25 Jahre war er eine Institution im deutschen Kinderfernsehen und das Gesicht der ZDF-Kultsendung 'Löwenzahn'. Peter Lustig erzählte den Kindern allwöchentlich spannende Geschichten, erklärte interessante Experimente und kam zu außergewöhnlichen Erkenntnissen - ohne sich je bei den Kindern anzubiedern. Wir werden den Mann, der Kinder und Erwachsene immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen geführt hat, in lebendiger Erinnerung behalten."

Peter Lustig ist tot: Ex-Minister Rösler trauert auf Twitter

Sogar der frühere FDP-Gesundheitsminister äußerte sich am Mittwoch via Twitter zum Tod von Peter Lustig: "Hero of my childhood. Thank you. Rest in peace #peterlustig #loewenzahn". Auf Deutsch: "Held meiner Kindheit. Danke. Ruhe in Frieden." Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kondolierte via Twitter: "Er erklärte uns die erneuerbaren Energien schon lange bevor es die #Energiewende gab: Wir gedenken #PeterLustig #Löwenzahn #RIP" 

Aber nicht nur die Politik neigt ihr Haupt vor Peter lustig. Sogar der harte Deutsch-Rapper Fler trauert auf seinem Twitter Account um den Löwenzahn-Moderator. "Rip Peter Lustig!" Auch Ex-DSDS-Juror und Culcha-Candela-Mitglied twittert traurig: "rest in peace, peter! #PeterLustig #Loewenzahn"

Das konnte sich nur Peter Lustig erlauben: "Jetzt aber Abschalten!"

Peter Lustig erlaubte sich etwas, das in deutschen TV ein absolutes Unikum war und bleibt: Am Ende einer jeden "Löwenzahn"-Folge forderte er die jungen Zuschauer auf, das TV-Gerät auszuschalten. So auch in der ersten Folge im Jahr 1981 (das Video finden Sie unten): Im Gartenstuhl sitzend sprach er in die Kamera: "Und Ihr? Ihr sitzt ja immer noch vor dem Fernseher in der Stube. Ihr solltet lieber rausgehen. Heute kommt sowieso nichts mehr." Ab der zweiten Folge hieß es dann: "Ja, und ihr, ihr könnt jetzt … genau … Abschalten." Heute würde ein TV-Moderator, der die Zuschauer zum Ausschalten auffordert angesichts des Quotendrucks vermutlich umgehend gefeuert werden. Übrigens: Die Aufforderung zum Abschalten waren auch seine letzten Worte bei Löwenzahn. In seiner finalen Sendung verabschiedete sich Peter Lustig mit der Feststellung, dass die (Zeit-)Reise jetzt zu Ende sei. "Ihr könntet also ruhig abschalten." 

Das perfekte Gegenstück zu Peter Lustig in "Löwenzahn" wurde sein Nachbar "Herr Paschulke", dargestellt von Helmut Krauss. Herr Paschulke, dessen Vorname übrigens Hermann lautet, ist der Inbegriff des deutschen Spießers: Eine Ordnungsfanatiker und Besserwisser, der gerne mal Sandalen mit Socken trägt. Herr Paschulke wirkte auch nach dem Ausscheiden von Peter Lustig weiter bei "Löwenzahn" mit.

In seinem blauen Bauwagen moderierte Peter Lustig 24 Jahre lang "Löwenzahn". 2006 wurde Guido Hammesfahr als "Fritz Fuchs" das neue Gesicht der Kinderserie. Die Sendung galt zwar als ökologisches TV-Format. wie Peter Lustig im Interview mit "Einestages" betonte, sah er sich selbst nicht auf grüner Mission: "Das Grüne habe ich eigentlich nie als Fahne vor mir hergetragen. Ich wollte auch keine politische Richtung propagieren. Nur, dass Kinder auch Respekt vor der Natur haben." Der kultige blaue Bauwagen aus "Löwenzahn" mit der Dachterrasse und der sprechenden Türklingel steht heute übrigens im Filmpark Babelsberg bei Berlin

Peter Lustig: Stationen seines Lebens

Peter Lustig wurde 1937 in Breslau geboren. Der gelernte Rundfunkmechaniker und studierte Elektrotechniker übte verschiedene Berufe aus. Als Techniker beim Sender der US-Besatzungsmacht "American Forces Network" (AFN)  war er verantwortlich für die Aufnahme der berühmten Kennedy-Rede mit dem Zitat "Ich bin ein Berliner". Später wechselte er als Tonmeister vom SFB auf den Mainzer Lerchenberg. Für die Kindersendereihe "Pusteblume" holte das ZDF Peter Lustig 1979 vor die Kamera. 1980 in "Löwenzahn" umbenannt wurde die Sendung zum Dauerbrenner im deutschen Fernsehen. Mit Latzhose und Nickelbrille, im blauen Bauwagen im imaginären Bärstadt lebend, erklärte Peter Lustig Generationen von Kindern die Welt und beantwortete Fragen aus Natur, Technik und Umwelt.

Peter Lustig war in zweiter Ehe mit der Kinderbuch- und Hörspiel-Autorin Elfie Donnelly ("Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen") verheiratet. Mit seiner dritten Frau Astrid Berge lebte Peter Lustig in Berlin und auf dem "Fresenhof" in Bohmstedt, in der Nähe von Husum (Schleswig-Holstein). 1984 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Die Ärzte gaben ihm damals noch fünf Jahre zu leben. Ihm sollten noch über 30 Jahre bleiben.

Peter Lustig: Seine wichtigsten Sendungen neben "Löwenzahn"

Der verstorbene Peter Lustig war nicht nur "Löwenzahn"-Protagonist, sondern von Anfang an auch Autor und Texter der Sendung. Neben "Löwenzahn" erforschte Peter Lustig im ZDF auch in der Sendereihe "mittendrin" (1993-1997) die Umwelt, erklärte und synchronisierte in der Reihe "Raumschiff Erde" (1998) das Weltall und lieh einem Naturforscher in "Mammutland" (2004) seine Stimme. Der Grimme-Preisträger (1980 und 1982) schrieb außerdem Kinderbücher und Fachbücher.

Nach seinem Abschied vom Bildschirm nach 25 Jahren "Löwenzahn" im Herbst 2005 wurde Peter Lustig im Jahr 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Zum Tod von Peter Lustig: ZDF plant "Löwenzahn"-Nacht

Das ZDF würdigt Peter Lustig am Sonntagmorgen, 28. Februar 2016, in seiner Kinderprogrammstrecke sowie mit einer Löwenzahn-Nacht von Samstag, 27. Februar, auf Sonntag, 28. Februar 2016.

Peter Lustig ist tot: Trauer auf Twitter

Peter Lustig ist tot: Die erste Löwenzahn-Sendung als Video 

Hier sehen Sie die erste Löwenzahn-Folge mit Peter Lustig aus dem Jahr 1981:

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

Google+

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Waldi Hartmann: Endlich ist der Fußball-Fluch besiegt

Köln - Zur "WWM"-Jubiläumsshow trat Waldemar Hartmann wieder als Joker an. Anders als bei seiner Blamage 2013 überzeugte er diesmal mit Experten-Wissen. Einer Kandidatin …
Waldi Hartmann: Endlich ist der Fußball-Fluch besiegt

Petra Schmidt-Schaller: „Ich würde ein Kind mit Downsyndrom nicht abtreiben"

München - Petra Schmidt-Schaller über Präimplantationsdiagnostik und die Frage, was man fürs Elternglück riskieren sollte.
Petra Schmidt-Schaller: „Ich würde ein Kind mit Downsyndrom nicht abtreiben"

Neues Team in Magdeburg: Guter Bulle, böser Bulle

So war die erste "Polizeiruf 110"-Folge mit Matthias Matschke.
Neues Team in Magdeburg: Guter Bulle, böser Bulle

Im Kinderprogramm: ZDF sendet aus Versehen Horrorfilm

Mainz - Das ZDF hat sich am Sonntag im Programm vertan und statt einer Kindersendung einen Horrorfilm gesendet. Gegen sechs Uhr morgens lief "Halloween - Die Nacht des …
Im Kinderprogramm: ZDF sendet aus Versehen Horrorfilm

Kommentare