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Schweine mit großen Wunden, blutig gebissene Schwänze und stark verschmutzte Ställe. Solche Bilder wollen Tierschützer heimlich in Ställen von Bauernfunktionären gefilmt haben. Foto: Rolf Vennenbernd

Das Elend der Schweine

Agrarfunktionäre geben Tierschutzverstöße zu

Schockierende Bilder aus Schweinemastbetrieben in Deutschland gibt es viele. Ungewöhnlich an nun veröffentlichten Aufnahmen sind nun aber die Namen der Landwirte, aus deren Ställen die Videos stammen.

Berlin (dpa) - Verwesende Puten, am Boden zerschmetterte Ferkel und Schweine, die sich gegenseitig auffressen: Hochrangige Vertreter landwirtschaftlicher Verbände haben Verstöße gegen den Tierschutz in ihren Betrieben eingeräumt.

Nach der Veröffentlichung von geheimen Videoaufnahmen der Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" erklärte der Präsident des Bauernverbands Thüringen, Helmut Gumpert, seine Mitarbeiter hätten nicht überlebensfähige Ferkel "nicht gesetzeskonform" getötet. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie eine Frau ein Ferkel auf den Boden schlägt und dann liegen lässt, obwohl es noch zappelt.

Über die Anschuldigungen, die sich gegen insgesamt zwölf führende Agrarfunktionäre richten, hatten zuerst NDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demzufolge haben unabhängige Tierschutzexperten auf einigen der Aufnahmen eindeutige Gesetzesverstöße erkannt.

Gumpert sprach von einem Einzelfall. Die Aufnahmen lägen eineinhalb Jahre zurück. Mittlerweile würden seine Mitarbeiter im korrekten Töten von Ferkeln geschult. Das für Gumperts Betrieb zuständige Landratsamt hat angekündigt, den Fall zu prüfen. Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) warnte davor, von wenigen Betrieben auf alle zu schließen. "Ein Generalverdacht ist nicht angebracht." Sie gehe davon aus, dass sich das Gros der Thüringer Schweinezüchter an geltende Tierschutzvorschriften halte.

Betroffen ist auch der Vorsitzende des Zentralverbands der deutschen Schweineproduktion (ZDS), Paul Hegemann. Die Videoaufnahmen der Aktivisten von seinem Hof in Nordrhein-Westfalen zeigen Schweine mit Geschwüren oder entzündeten Augen; außerdem fressen sich die Tiere gegenseitig. Hegemann erklärte, sein Betrieb habe den akuten Kannibalismus durch zusätzliches Beschäftigungsmaterial zu verhindern versucht. "Leider hat die Behandlung nicht zu dem erhofften Erfolg geführt."

Die auf den Bildern erkennbaren Verschmutzungen resultierten aus der Verfütterung von Nebenprodukten der Backwarenindustrie, sagte Hegemann weiter. Zwischenzeitlich sei das Futter in der Zusammensetzung angepasst worden, um die Verschmutzung zu reduzieren. Hegemanns Verband unterstützt die "Initiative Tierwohl", die sich für eine nachhaltige Fleischerzeugung unter Berücksichtigung der Tiergesundheit und des Tierschutzes einsetzt.

Auch der Vize-Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gab zu, dass die Aufnahmen aus seinem Betrieb in Brandenburg stimmen. Die Verantwortung für teils dahinsiechende und sterbende Puten habe aber bei seinen Mitarbeitern gelegen, die seine Anweisungen missachtet hätten, sagte Thomas Storck. Die betreffenden Tierbetreuer habe er Anfang des Jahres entlassen.

Für Erasmus Schmitz von "Animal Rights Watch" sind die Erklärungen der Landwirte eine Unverschämtheit. "Dass die Branchenvertreter die Verantwortung auf ihre Mitarbeiter schieben, ist doppelt moralisch verwerflich", sagte Schmitz. Aus seiner Sicht sind die Verfehlungen systemimmanent. Die Bilder charakterisierten die Zustände in vielen Mastbetrieben in Deutschland.

Die Aufnahmen von Storcks Hof zeigen Puten etwa mit Entzündungen oder teils handtellergroßen blutenden Wunden, die auf einem dicken Stroh-Kot-Gemisch stehen. Einige Tiere sind bereits tot. "Es sind aus Sicht eines Putenhalters schlimme Bilder", sagte Storck.

Der Bauernbund Brandenburg reagierte empört auf die Aufnahmen. Es sei zu einer medialen Unsitte geworden, mit der Zurschaustellung kranker Tiere verallgemeinernd die landwirtschaftliche Tierhaltung zu verunglimpfen, erklärte Präsident Karsten Jennerjahn. "Krankheiten und Verletzungen gibt es auch bei Menschen, das sind auch keine schönen Bilder, trotzdem sind sie nicht repräsentativ für den Zustand unserer Gesellschaft."

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