Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens tragen im bayerischen Rothenburg ob der Tauber einen Sarg in das Jobcenter. Foto: Daniel Karmann
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Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens tragen im bayerischen Rothenburg ob der Tauber einen Sarg in das Jobcenter.

Messerattacke

Angreifer ersticht Mitarbeiter eines Jobcenters

Rothenburg - Das Entsetzen ist groß: Wieder einmal ist in einem Jobcenter ein Mensch gewaltsam ums Leben gekommen. Der 61-Jährige hatte in Rothenburg nicht den Hauch einer Chance.

Bei einer Messerattacke im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber ist am Mittwoch ein Gutachter ums Leben gekommen. Der 61-Jährige starb noch am Tatort an seinen schweren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen war das Opfer um kurz vor 12.00 Uhr von einem 28 Jahre alten Mann attackiert worden. Sofort herbeigeeilte Mitarbeiter des Jobcenters konnten den Angreifer zwar noch überwältigen. Für den 61-Jährigen kam aber jede Hilfe zu spät. Auch ein Notarzt konnte ihn nicht wiederbeleben.

Angreifer noch nicht vernehmungsfähig

Das Motiv für den Angriff blieb zunächst offen. Bei dem Gutachter handelte es sich nicht um einen festen Mitarbeiter der Behörde in Mittelfranken, er wurde er in bestimmten Einzelfällen hinzugezogen. Seine genauen Aufgaben seien aber noch unklar, berichteten die Ermittler. Inoffizielle Informationen, wonach es sich um einen Psychologen handelte, wollten sie nicht bestätigen. Die Leiche des Mannes sollte am Donnerstag obduziert werden.

Den Angreifer konnten die Ermittler noch nicht ausführlich vernehmen: Er wurde schwer an der Hand verletzt und für eine Operation ins Klinikum Würzburg gebracht. Daher ist auch noch unklar, ob er mit dem Vorsatz, sein Opfer umzubringen, ins Jobcenter gekommen war oder sich spontan zu der Bluttat hinreißen ließ. Nach derzeitigem Stand geht der zuständige Staatsanwalt vom Tatbestand des Mordes aus.

„Wir sind absolut betroffen und bestürzt“, sagte der Landrat des Kreises Ansbach, Jürgen Ludwig (CSU). Um die sieben Beschäftigten des Jobcenters habe sich sogleich ein Notfall-Seelsorger gekümmert. „Die Mitarbeiter sind eng zusammengerückt und geben sich Halt“, schilderte Ludwig.

Vorübergehend geschlossen

Die Einrichtung soll nun zunächst geschlossen bleiben, Kunden werden an andere Dienststellen verwiesen. Jobcenter sind für die Vermittlung von Arbeitslosen zuständig und übernehmen auch die Abwicklung der Grundsicherung, die als Hartz IV bekannt ist und unter anderem Langzeitarbeitslosen ausgezahlt wird.

In deutschen Behörden war es in den vergangenen Jahren wiederholt zu schweren Vorfällen gekommen, bei denen Angreifer urplötzlich auf Mitarbeiter losgingen und diese schwer verletzten. Auch in Jobcentern gab es bereits sogar tödliche Attacken.

So stürmte im September 2012 ein 52 Jahre alter Mann in das Jobcenter im rheinischen Neuss und erstach eine Mitarbeiterin mit einem Fleischermesser. In einem Frankfurter Jobcenter wurde im Mai 2011 eine Angreiferin durch eine Polizeikugel getötet. Die Frau hatte zuvor einen Beamten mit einem Messer verletzt.

 dpa

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