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Das als Asylunterkunft geplante Gebäude in Vorra brannte im Dezember 2015.

Täter legten falsche Spur

Asyl-Anschlag in Vorra: Baufirma wollte Mängel vertuschen

Nürnberg - Sie sollen das Asylbewerberheim in Vorra angezündet haben, um Pfusch am Bau zu vertuschen: Zwei Mitarbeiter einer Baufirma sitzen jetzt in U-Haft.

Um ihre Firma vor dem drohenden Bankrott zu retten, sollen zwei Mitarbeiter einer Baufirma im Dezember 2014 das Asylbewerberheim im mittelfränkischen Vorra angezündet und mit ausländerfeindlichen Schmierereien besprüht haben. Der 50 Jahre alte Firmenchef und ein 42 Jahre alte Bauarbeiter sitzen nun wegen vorsätzlicher Brandstiftung, Sachbeschädigung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Untersuchungshaft, wie Polizeipräsident Johann Rast am Freitag mitteilte. Die Männer streiten die Vorwürfe ab. „Es läuft deshalb vermutlich auf einen Indizienprozess hinaus“, sagte Rast.

Die Polizei hatte die Männer am Donnerstagvormittag festgenommen und danach mitgeteilt, dass es keine fremdenfeindlichen Motive für die Tat gebe. Am Freitag erläuterten die Ermittler nun, dass der Auslöser Mängel am Brandschutz gewesen seien, die bei einer Begehung der als Asylbewerberheim geplanten Gebäude im Landkreis Nürnberger Land Ende November/Anfang Dezember 2014 festgestellt worden waren. Bereits im Januar 2015 sollten die ersten Asylbewerber dort einziehen. Das Landratsamt setzte der Firma deshalb eine Frist bis Dezember 2014.

Nach Berechnungen der Sonderkommission „Vorra“ wären für die Baufirma Nachbesserungen in Höhe von mehreren 100 000 Euro in kürzester Zeit angefallen. Den Ermittlungen zufolge schrieb die Firma aber ohnehin schon rote Zahlen. Außerdem hatte sie den Umbau der drei Gebäude in Vorra sehr knapp kalkuliert. „Durch die Nachbesserungen am Brandschutz wäre die Firma wohl ruiniert gewesen“, sagte der stellvertretende Leiter der Soko, Norbert Ditzel.

In der Nacht zum 12. Dezember 2014 hatten die Täter den umgebauten Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand gesteckt. Auf ein Nebengebäude sprühten sie Hakenkreuze und eine ausländerfeindliche Parole. „Mit den Schmierereien sollten wir auf eine falsche Spur gelockt werden“, sagte der Kriminalhauptkommissar.

Zunächst ging der Plan auch auf: Bei Vorra gibt es ein Grundstück, das Rechtsextreme des inzwischen verbotenen Zusammenschlusses „Freies Netz Süd“ für Feiern nutzten. Nach dem Brandanschlag durchsuchte die Polizei das Gelände, fand aber keinerlei Hinweise auf die Tat. Auch andere regional bekannte Rechtsextreme wurden ergebnislos überprüft.

Insgesamt führte die Polizei in 18 Monaten 1300 Vernehmungen durch und ging 120 Spuren nach. Sechs Wochen lang bezog ein Polizeibeamter im Rathaus von Vorra ein Büro und sammelte Hinweise aus der Bevölkerung. Von Mitte 2015 an sei dann das Motiv „wirtschaftliche Erwägungen“ immer mehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt, berichtete Ditzel. Es meldete sich ein Zeuge, der kurz vor Ausbruch des Brandes einen Mann am Tatort gesehen hatte. Die Beschreibung des Mannes passe auf den Bauarbeiter, sagte Polizeipräsident Rast.

Den Brandschaden in Höhe von rund einer Million Euro an den Gebäuden bezahlte die Versicherung. Der Eigentümer der Immobilien beauftragte mit diesem Geld die für den Brandschutz zuständige Firma, um die Schäden zu beseitigen. Derzeit gebe es keine Hinweise, dass der Eigentümer in die Tat verwickelt sei, betonte Rast. Seit einigen Monaten leben Flüchtlinge in dem sanierten Gebäudekomplex.

dpa

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