Boston Marathon
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Das FBI jagt diesen Verdächtigen. Er ist 19 Jahre alt, kommt aus Tschetschenien und lebt seit mehreren Jahren in den USA

19-Jähriger noch auf der Flucht

Boston: Jagd auf zweiten Verdächtigen

Boston - Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon hat das FBI Fotos zweier Verdächtiger veröffentlicht. Einer von ihnen wurde bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet. Sein Bruder ist noch auf der Flucht.

Der gesuchte mutmaßliche Bombenleger von Boston ist nach Polizeiangaben weiterhin nicht gefunden worden.

Bisher keine Festnahme 

Es seien Fortschritte bei der Suche gemacht worden, aber es gebe bisher „keine Festnahme“, sagte Polizeioffizier Timothy Alben bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag (Ortszeit). Die Suche in Watertown werde von Haus zu Haus und Tür zu Tür fortgesetzt. Bisher seien rund 60 Prozent der Gegend durchkämmt worden, in der der Verdächtige vermutet wird.

Alben kündigte für den Nachmittag eine „kontrollierte Sprengung“ in einer Straße im Vorort Cambridge an, wo die Brüder die gelebt hätten. Die Bürger in Boston sollten weiterhin in ihren Häusern bleiben, sagte Gouverneur Deval Patrick.

Drei Tage nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon hat die Polizei Fotos zweier verdächtiger Männer veröffentlicht. Die Bilder seien kurz vor den beiden Detonationen am Montag am Tatort aufgenommen worden. Sie zeigen zwei junge Männer in dunkler Kleidung mit Rucksäcken. Bei den Bombenexplosionen waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 170 verletzt worden.

Karte zeigt die Jagd nach den Boston-Attentätern

Dieser Verdächtige wurde bei einem Feuergefecht mit der Polizei offenbar getötet.

Der Boston Globe berichtete am Freitagmorgen unter Berufung auf Ermittler, dass offenbar einer der Verdächtigen festgenommen wurde. Edward Davis, ein Kommissar der Polizei in Boston, gab kurze Zeit später via Twitter bekannt, dass der Hauptverdächtige der beiden mutmaßlichen Attentäter getötet wurde. Er war von der Polizei angeschossen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Zuvor hatten der später als 26 Jahre alter Tamerlan Tsarnaev identifizierte Mann und sein Bruder, Dzhokhar Tsarnaev, sich eine Schießerei mit der Polizei geliefert und die Beamten mit Sprengsätzen und Handgranaten beworfen - 20 Polizisten wurden verletzt. Einer der behandelnden Ärzte der Klinik sagte in einer Pressekonferenz, die Zahl der Einschüsse bei dem Hauptverdächtigen sei "nicht zu zählen gewesen". Außerdem ist wohl ein Sprengsatz, den der 26-Jährige am Körper trug, explodiert, denn der Patient sei über und über mit Granatsplittern versehrt gewesen, so der Arzt.

Watertown: FBI jagt zweiten Boston-Attentäter

FBI fasst zweiten Attentäter - Jubel in Boston

Terrorist, der gekommen ist, "um Menschen zu töten"

Diesen Verdächtigen sucht die Polizei noch. Er ist derjenige, der auf den Fahndungsfotos eine weiße Baseballkappe trägt.

Dem 19 Jahre alten Dzhokhar Tsarnaev, der ebenso wie sein getöteter Bruder aus der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien stammt und seit mehreren Jahren legal in den USA lebt, gelang nach einem Feuergefecht mit der Polizei die Flucht. Berichten zufolge soll der 19-Jährige seinen angeschossenen Bruder mit einem Fluchtauto überfahren haben, um den Beamten zu entkommen. Später flüchtete er offenbar zu Fuß weiter. Seit Stunden durchkämmen deshalb mehrere Tausend Einsatzkräfte der Polizei, des FBI und des Militärs Watertown und Boston, um ihn zu finden.

Die Polizei warnt: Auch er könnte Sprengsätze am Körper tragen. Ein Sprecher sagte außerdem über Dzhokhar Tsarnaev: "Wir glauben, er ist ein Terrorist", der gekommen sei, "um Menschen zu töten". Der 19-Jährige sei eine Bedrohung für jeden, der sich ihm nähere, hieß es. Inzwischen suchen die Beamten zusätzlich nach einem dritten Verdächtigen. Er soll ein Komplize des jüngeren Bruders sein.

Video von der Schießerei mit der Polizei in Watertown

Boston und Umgebung komplett lahmgelegt

Die Region rund um Boston liegt derweil lahm: Beamte haben den Bereich schon am Morgen großräumig abgesperrt. Kein Fahrzeug darf Watertown, einen Vorort rund 15 Kilometer westlich von Boston, verlassen oder in den Vorort hineinfahren. Auch Boston ist von den großräumigen Absperrungen betroffen. Anwohner berichten via Twitter, dass die Stadt nahezu komplett still stehe. Der öffentliche Nahverkehr wurde unterbrochen. Die Stadt Boston twitterte, die Menschen sollten sich nicht an Haltestellen versammeln, sondern nach Hause gehen. Auch der Luftraum über Boston wurde gesperrt. Die Polizei hat außerdem den Befehl gegeben, dass alle Geschäfte geschlossen bleiben. Auch das MIT, die Havard-Universität sowie zahlreiche Colleges ließen am Freitag Vorlesungen und Unterrichtsstunden ausfallen und empfahlen ihren Studenten und Schülern, daheim zu bleiben.

In einer Pressekonferenz gab ein Sprecher gegen Freitagmittag bekannt, dass die Jagd nach dem Verdächtigen und seinem mutmaßlichen Komplizen unter Umständen noch Stunden dauern könne. Am Nachmittag umstellten Einsatzkräfte schließlich ein Haus, in dem sich der 19-Jährige und aufhalten sollen. Das FBI plant offenbar, das Appartment irgendwann am späten Nachmittag oder frühen Abend (MEZ) zu stürmen. Ob der Verdächtige sich aber tatsächlich dort verschanzt, bleibt unklar. Sein Komplize soll nach Informationen des Nachrichtensenders NBC einen Zug nach Conneticut genommen haben.

Zusammenhang mit Bomben bei Boston-Marathon

Nach ersten Spekulationen hatten die Ermittler außerdem bestätigt, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon und den tödlichen Schüssen auf dem Campus der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie den Schüssen und Explosionen in Watertown gibt. Von Seiten der Behörden hieß es am Freitag, es gebe eine Verbindung zwischen den Vorfällen.

Boston-Opfer half bei Identifizierung von Verdächtigem

Einem Bericht der britischen Daily Mail zufolge hat eines der Bomben-Opfer von Boston bei der Identifizierung eines Verdächtigen geholfen. Jeff Baumann, der bei einer der Explosionen an der Zielgeraden des Marathons beide Beine verlor, soll sofort nach Zettel und Stift verlangt haben, als er im Krankenhaus aufwachte.

Mitschnitte der Polizei-Funksprüche von Watertown

Jeff Baumann half dem FBI einen der Verdächtigen zu identifizieren, als er im Krankenhaus aufwachte

"Er ist aufgewacht - völlig zugedröhnt mit Schmerzmitteln - und hat nach Papier und Stift verlangt und geschrieben 'Tasche, hab den Typen gesehen, er hat mir direkt in die Augen geschaut'", sagte Baumanns Bruder gegenüber den Medien. Nachdem er wieder mehr bei Sinnen war, habe er dem FBI eine detaillierte Beschreibung von einem der mutmaßlichen Attentäter geben können. Diese sei dann bei der Sichtung des Foto- und Video-Materials genutzt worden, um den Verdächtigen ausfindig zu machen.

Das sind die Verdächtigen des Boston-Terrors

Bomben-Anschlag: Das sind die Verdächtigen

Gedenkfeier: Amerika trauert um Terror-Opfer

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Bei der Explosion der Bomben in Boston waren ein achtjähriger Junge, eine 29 Jahre alte Amerikanerin und eine Studentin aus China getötet worden. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt, vielen mussten Gliedmaßen amputiert werden. Aus den Krankenhäusern der Stadt verlautete, es würden wohl alle Verletzten überleben. Bei vielen könnte die Genesung aber viele Jahre dauern.

Bombenanschlag beim Boston-Marathon

Bomben-Anschlag beim Boston Marathon

pie/dpa/AP

Andrea Pientka

Andrea Pientka

E-Mail:andrea.pientka@merkur.de

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