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Der mutmaßliche Münchner Amokläufer Ali David S. (l.) schlug am fünften Jahrestag des Massenmords von Anders Behring Breivik (r.) zu.

Ermittler sehen Zusammenhang

War Breiviks Massaker das Vorbild für Münchner Amoklauf?

München - Genau am Tag, als Norwegen der 77 Toten von Oslo und Utøya gedachte, schlug der mutmaßliche Amokläufer von München zu und tötete am und im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen.

Als die ersten Meldungen über die Schüsse in München bekannt wurden, glaubten viele noch, es könnte sich um islamistischen Terror handeln. Doch am Tag danach sind sich die Ermittler sicher, dass es sich bei der Bluttat um einen Amoklauf eines Einzeltäters handelte. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit den Morden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren. 

Der mutmaßliche Täter Ali David S. (18) hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung „aus dem depressiven Formenkreis“. „Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag. 

Waffe mit ausgefräster Seriennummer

Ali David S. führte eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Der 18-Jährige habe über 300 Schuss Munition bei sich gehabt, sagte LKA-Präsident Robert Heimberger. Im Magazin habe sich noch Munition befunden. Woher die Waffe herstammt, sei noch nicht geklärt.

Der Amok-Schütze war Schüler, er ist in München geboren und aufgewachsen. Die Ermittler haben in seiner Wohnung Bücher über Amokläufe gefunden. Eines hieß: „Amok im Kopf. Warum Schüler töten“. Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst. Die Verbindung zu Breivik „liegt auf der Hand“, sagte Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Fast nur junge Opfer, Täter spielte Ballerspiele

Der norwegische Massenmörder hatte auf der Insel Utøya Jugendliche eines Feriencamps erschossen. Auch der Amokläufer von München war mit seiner Pistole bis auf eine Ausnahme auf junge Opfer losgegangen. Zudem soll sich Ali S. viel mit Computer-„Ballerspielen“ beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

Ein Abschiedsbrief wurde bisher nicht gefunden worden. Das könne sich aber noch ändern. Ali David S. hat möglicherweise einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken. Die Polizei zählte am Freitag zwischen 18 und 24 Uhr 4310 Notrufe - das Vierfache eines normalen Tages, sagte Andrä.

Polizei rekonstruiert zeitlichen Ablauf

Der Ablauf der Tat lässt sich den Angaben zufolge noch nicht abschließend erkennen. Die zeitliche Abfolge werde nun auch mit Hilfe von Videoaufnahmen ermittelt. Der Tatort am Olympia-Einkaufszentrum bleibt zunächst abgesperrt. Zur Zeit sind noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen müssten in München nach Angaben Andräs jedoch keine Veranstaltungen abgesagt werden.

Nach seiner Ansicht war der zeitweise als „akute Terrorlage“ bezeichnete massive Polizeieinsatz in München gerechtfertigt. Es sei angesichts der vielen Hinweise auf weitere Schauplätze absolut „richtig und notwendig gewesen“, in dieser Stufe einzusteigen, sagte er. Ähnlich äußerten sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Herrmann (beide CSU).

Bilder: Amoklauf am Münchner OEZ

mm/dpa

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