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Papst Franziskus wird in Havanna begeistert gefeiert. Foto: Alejandro Erbesto

Papst in Kuba: Ideologien sind der falsche Weg

Havanna - Mehr Freiheit für die Kirche, weniger Ideologie und eine weitere Annäherung an die USA: Papst Franziskus hat in Kuba klare Botschaften im Gepäck.

Bei einer Messe mit hunderttausenden Gläubigen in Havanna hat Papst Franziskus die Kubaner zum "Dienen" ohne jede Ideologie aufgerufen. Die politische Lage auf der kommunistischen Karibikinsel sprach Franziskus bei der Freiluftmesse auf dem symbolträchtigen Platz der Revolution am Sonntag nicht direkt an, warnte aber vor Ideologien und Selbstbezogenheit. Später traf das aus Argentinien stammende Oberhaupt der katholischen Kirche auch Revolutionsführer Fidel Castro.

"Christen sind ständig aufgerufen, ihre eigenen Wünsche und Begierden beiseite zu lassen, ihren Drang nach Macht, und sich stattdessen den Verletzlichsten zu widmen", sagte Franziskus. Dieses Dienen sei niemals ideologisch, weil die Gläubigen nicht Ideen, sondern Menschen dienten. Gleichzeitig warnte er vor einem Scheitern der Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Farc-Guerilla in Havanna und forderte beide Seiten zur endgültigen Versöhnung auf.

An der Messe nahmen auch 3500 offizielle Gäste teil, darunter Kubas Präsident Raúl Castro und die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner. Schon Stunden vor der Ankunft des 78-jährigen Papstes war der Platz der Revolution, der von einem riesigen Konterfei des Revolutionshelden Che Guevara überragt wird, voller Menschen. Bei seiner Ankunft im "Papamobil" wurde Franziskus von zehntausenden Kubanern begrüßt.

Sicherheitsbeamte in Zivil nahmen nach Angaben eines Journalisten der Nachrichtenagentur AFP drei Dissidenten fest, denen es gelungen war, sich unter "Freiheit, Freiheit-"Rufen bis auf wenige Meter dem Papst zu nähern. Die zwei Männer und eine Frau gehören der Dissidentenbewegung Unpacu an, wie deren Chef José Daniel Ferrer bestätigte. Er sprach von mindestens vier Festnahmen. Franziskus selbst schien den Zwischenfall nicht zu bemerken.

Franziskus war am Samstag auf Kuba zu einem dreitägigen Besuch eingetroffen. Mit Blick auf die jüngste Annäherung zwischen Kuba und den USA warb er dafür, "den Weg fortzusetzen" und zum "Vorbild der Aussöhnung für die gesamte Welt" zu werden. Franziskus hatte eine wichtige Rolle gespielt, um die Annäherung zwischen den lange verfeindeten Staaten zu ermöglichen. Vor der Messe ermutigte der Papst Kuba, sich weiter zu öffnen, um wieder zum "Treffpunkt" der Völker zu werden.

Am Sonntagmittag besuchte Franziskus Revolutionsführer Castro in dessen Privathaus im Westen Havannas. Die 30- bis 40-minütige Begegnung habe "in sehr familiärer und informeller Atmosphäre" stattgefunden, berichtete Vatikansprecher Federico Lombardi. Neben einer kleinen Vatikan-Delegation nahmen demnach auch Castros Ehefrau, seine Kinder und Enkel teil.

Der Papst brachte als Gastgeschenk vier Bücher mit, darunter zwei über Theologie. Fidel Castro revanchierte sich mit einer Sammlung von Interviews des brasilianischen Befreiungspriesters Frei Betto mit dem Titel "Fidel und Religion", versehen mit einer persönlichen Widmung. Bei ihrer Unterredung ging es laut Lombardi um eine Reihe von Themen, darunter auch den Umweltschutz.

Bei der Ankunft am Samstag hatte der Papst bereits Fidels jüngeren Bruder, Staatschef Raúl Castro, getroffen. In einer Ansprache forderte er später Freiheit für die Arbeit der Kirche in dem kommunistischen Inselstaat. Für Sonntag war ein weiteres Gespräch zwischen Raúl Castro und Franziskus hinter verschlossenen Türen vorgesehen, zudem ein Treffen des Papstes mit jungen Kubanern.

Am Dienstag will das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter in die USA fliegen. Kuba und die USA hatten am 20. Juli nach Jahrzehnten der Eiszeit wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Erst am Freitag telefonierte Raúl Castro mit US-Präsident Barack Obama über die weitere Annäherung ihrer Länder. Dabei forderte Castro, das 1962 verhängte US-Embargo gegen Kuba vollständig aufzuheben.

AFP

Offizielles Programm der Reise, Deutsch

Offizielle Seite zum Papst-Besuch auf Kuba

Kubanische Bischofskonferenz, Spanisch

dpa-Twitterliste zum Papstbesuch

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