Guinness verweigert Anerkennung

Trotz 77 Stunden Tennis kein Rekord

Herford - So lang schaffte es vor ihnen niemand: Dennis Heitmann und Christian Masurenko spielten drei Tage und fünf Stunden am Stück Tennis, doch Guinness verwehrt ihnen den Eintrag ins Buch der Rekorde.

Eigentlich ist es unvorstellbar. 77 Stunden lang spielten die Herforder Dennis Heitmann und Christian Masurenko ununterbrochen miteinander Tennis. So lange wie niemand vor ihnen. Am frühen Abend des 29. Juli fielen sich die beiden nach über drei Tagen Dauertennis auf der Anlage der TSG Herford in die Arme. Vollkommen erschöpft, freudetrunken und vor allem eines: siegessicher in dem Glauben, einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Der Traum platzte. Nach der Auswertung des Videomaterials machte ihnen Guinness einen Strich durch die Rechnung und verwehrte ihnen wegen angeblicher Regelverstöße den Eintrag ins berühmte Buch der Rekorde.

Bereits zwei Jahre zuvor hatten der Mathematik-Dozent Heitmann und der Geologe Masurenko den Weltrekord im Marathon-Tennis aufgestellt. 55 Stunden, 55 Minuten und 55 Sekunden spielten sich die Ausdauersportler damals die Bälle zu. Danach haben die Amerikaner Sam Angel und Katie Martens die Bestleistung auf knapp 61 Stunden geschraubt. Das Regelwerk ist dabei immer dasselbe geblieben - dachten zumindest Heitmann und Masurenko.

Schon 2010 war die Pausenregelung unklar formuliert. Erst auf Nachfrage bekamen die Rekordanwärter damals die Bestätigung, wie im Rahmen der ATP Tour üblich nach jedem Satz zwei Minuten pausieren zu dürfen. Vor ihrem zweiten Rekordversuch wurde ihnen der im Wortlaut exakt gleiche Regelkatalog wie damals zugesandt. In der Annahme, nichts habe sich geändert, bereiteten sich die beiden akribisch mit Kraft- und Mentaltraining auf das Event vor und ließen nichts unbedacht. Nach dem Spiel arbeiteten alleine sechs Leute an dem offiziellen 30-seitigen Bericht.

„Wir waren hundertprozentig sicher, den Rekord geschafft zu haben. Es war gar nicht mehr die Frage, ob wir den Eintrag bekommen, sondern nur noch, wann. Als dann die Nachricht von Guinness kam, waren wir schockiert“, erzählt Heitmann. In unzähligen E-Mails versuchten er und Masurenko das Urteil anzufechten. „Zuerst sind wir ganz sachlich geblieben. Aber dann bekamen wir die Antwort, wir wären ja so gut vorbereitet, da könnten wir es doch einfach nochmal versuchen. Da haben wir die Fassung verloren“, berichtet Heitmann.

"Vorwürfe den Haaren herbeigezogen"

„An den Haaren herbeigezogen“ seien die Vorwürfe, sagt er. Neben den angeblich nicht vorschriftsgemäßen Pausen bemängelte Guinness zudem, dass Heitmann und Masurenko bei Regen in die Halle ausgewichen waren. Sie hätten das gesamte Spiel auf demselben Platz spielen müssen, so die Argumentation. Auch davon ist im offiziellen Regelwerk nicht die Rede.

Heitmann tut es weh, „zu sehen, wie Leute um die Wette Toastbrot essen und dafür mit einem Eintrag ins Buch der Rekorde belohnt werden.“ Doch nochmal versuchen wollen es die beiden nicht. Ihnen bleibt die Gewissheit, ihr Ziel erreicht zu haben - ob mit oder ohne Eintrag im Guinness-Buch. „Wir wissen, was wir geschafft haben, die ganze Stadt weiß es. Für uns hat der Rekord Bestand“, sagt Heitmann.

Zudem brachte das Rekordspiel 20.000 Euro Spendengelder, größtenteils für das Cochlear Implant Centrum in Hannover, das Hörgeschädigten hilft - unter anderem Masurenkos Sohn Malte. Nicht nur deshalb wird die sportliche Grenzleistung von Dennis Heitmann und Christian Masurenko so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Auch ohne Eintrag im Guinness-Buch.

sid

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