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Kartoffelsäcke in Großmarkt-Lager.

Katastrophenfall in großen Einrichtungen

Heime und Gefängnisse: Im Katastrophenfall gibt's Kaffee und Kartoffeln

Nürnberg - Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rät für den Katastrophenfall zu Notfallvorräten. Was im Privathaushalt noch machbar erscheint, stellt sich für große Einrichtungen, wie Altenheime, mangels Lagerräume als Problem dar.

28 Liter Wasser pro Kopf, jede Menge Konserven, Campingkocher und Taschenlampe. Eine überarbeitete Empfehlungsliste für Notfallvorräte des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat zuletzt hohe Wellen geschlagen. Bei den bayerischen Einrichtungen, die viele Menschen zu versorgen haben und entsprechend viel Platz für die empfohlenen Notfallvorräte haben müssten, reagiert man jedoch gelassen.

So ist das Thema Notfallvorräte bei der Diakonie Bayern mit ihren vielen stationären Pflegeheimen zwar relevant, „allerdings von geringerer Priorität“, wie Sprecherin Leonie Krüger berichtet. Denn Katastrophenfälle, die die gesamte Infrastruktur lahm legen könnten, seien hierzulande doch eher unwahrscheinlich, meint sie.

Für Brände oder Hochwasser ist man in den Einrichtungen der Diakonie aber gerüstet. Wobei auch dann nicht der Notvorrat im Vordergrund stehe, sondern die Unterstützung, Pflege und Versorgung der Bewohner sowie die Evakuierung der Heime, betont die Sprecherin. Immerhin: Die zur Diakonie gehörende Stadtmission Nürnberg hat für ihre Pflegeheime eine durchschnittliche Bevorratung für sieben Tage.

In den Altenhilfe-Einrichtungen der Christlichen Arbeitsgemeinschaft (CAG) werden dagegen keine Vorräte angelegt - wegen der hohen Kosten für Lagerräume und Vorfinanzierung der Lebensmittel. „Im günstigsten Fall - ein Ereignis tritt direkt nach einer Anlieferung ein - reichen die vorhandenen Lebensmittelreserven für drei bis vier Tage, wobei Backwaren und Wurst immer frisch kommen“, erläutert eine Sprecherin. Gute Nachrichten hat sie für Kaffeetrinker: Der Kaffee reiche nämlich für zwei Wochen. Trinkwasservorräte gibt es allerdings keine, „weil die Wohnbereiche alle mit Wasserspendern ausgestattet sind, die an die Trinkwasserversorgung angeschlossen sind“, lautet die Begründung.

Im Ernstfall könnte das Technische Hilfswerk (THW) aushelfen: Es verfügt über mobile Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen. „Beim Erdrutsch in Simbach war eine solche Anlage im Einsatz“, sagt ein THW-Experte. Darüber hinaus gibt es bundesweit 66 Verpflegungs-Trupps. Diese haben Vereinbarungen mit Supermärkten und können dadurch zu jeder Uhrzeit auf Lebensmittel zugreifen.

In den bayerischen Justizvollzugsanstalten wird penibel vorgesorgt. Die Sicherheitskonzepte werden laut Auskunft des Justizministeriums in München in regelmäßigen Abständen angepasst. Notvorräte gehörten dazu, um die Versorgung der Gefangenen bei Lieferengpässen für eine gewisse Zeit sicherzustellen. Gelagert werden - je nach räumlichen Möglichkeiten - vorwiegend Konserven, Nudeln und Reis, aber auch Fleischprodukte sowie Frischware mit langer Haltbarkeit. Als Beispiel nennt das Ministerium Kartoffeln. Einige Anstalten produzieren selbst Lebensmittel in Gärtnereien und Landwirtschaftsbetrieben oder verfügen über eigene Bäckereien.

Mit einem Lebensmittel-Lager für den Notfall kann das Klinikum der Universität München nicht dienen. „Das wäre auch gar nicht machbar - wir haben 10 000 Mitarbeiter und mehrere tausend Patienten, die täglich versorgt werden müssen“, sagt Klinik-Sprecher Philipp Kreßirer. Es gebe aber einen Notfallplan, sollte der reguläre Lebensmittel-Zulieferer - aus welchen Gründen auch immer - ausfallen. „Allerdings sind wir wegen der großen Mengen, die bei uns verarbeitet werden, auch dann auf tägliche Zulieferung angewiesen“, betont der Sprecher.

Apotheken haben keine Wahl, was das Lager angeht: Was sie vorrätig haben müssen, regelt die Apothekenbetriebsordnung in Paragraf 15. „Apothekenpflichtige Medizinprodukte, die zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung notwendig sind, sind in einer Menge vorrätig zu halten, die mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für eine Woche entspricht“, steht dort geschrieben. Krankenhaus-Apotheken müssen sogar Vorrat für zwei Wochen haben.

„Normalerweise sollte es so sein, dass ein Medikament sofort wieder nachbestellt wird, wenn der Vorrat nicht mehr für eine Woche reicht“, sagt Luisa Hiller, Sprecherin der Bayerischen Landesapothekenkammer. Dass dennoch ein Arzneimittel kurzfristig einmal nicht vorrätig ist und erst nachbestellt werden muss, könne daran liegen, dass gerade eine große Nachfrage danach bestehe. Im Verbund mit anderen Apotheken und durch Großhändler sei der schnelle Nachschub aber sichergestellt.

dpa

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