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Der Angeklagte im Landgericht in Hildesheim.

Teppichmesser-Tat

Killer-Vater muss in die Psychiatrie

Hildesheim - Die Kinder waren sein Ein und Alles, und doch tötet der Vater sie: Wegen vierfachen Mordes wurde der Mann aus Ilsede zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem bleibt er in der Psychiatrie.

Wenige Stunden bevor er sie ermordete, schenkte der Vater seiner Tochter ein selbst gebasteltes Herz. „Mama will das nicht mehr“, sagte er. Die Zwölfjährige postete kurz danach im Internet: „Alles kaputt“. Das Mädchen konnte nicht ahnen, dass dies der letzte Kontakt nach draußen sein würde. In seiner Urteilsbegründung schilderte der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl den Ablauf der schrecklichen Bluttat: Am späten Abend des 14. Juni nahm der Vater ein Teppichmesser und schnitt ihr und ihren drei jüngeren Brüdern die Kehle durch. Die schlafenden Jungen tötete er in deren Kinderzimmern. Die Tochter kam ihm wach entgegen. Ihr hielt er den Mund zu und musste das Messer elfmal ansetzen.

Fast regungslos nimmt der schmächtige, gepflegte Mann mit der Brille den Richterspruch zur Kenntnis: Das Landgericht Hildesheim verurteilt den Straßenarbeiter wegen vierfachen Mordes zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe, die er auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie verbringen muss. „Die größte Strafe ist für mich, damit zu leben, dass ich meine Kinder so brutal umgebracht habe“, hatte er mit brüchiger Stimme nach den Plädoyers gesagt.

Die inzwischen geschiedene Ehefrau war Nebenklägerin, nahm aber nicht an den fünf Verhandlungstagen teil und machte auch keine Aussage. Sie hatte in Dänemark per SMS vom gewaltsamen Tod ihrer fünf, sieben, neun und zwölf Jahre alten Kinder erfahren. Nach der Trennung von ihrem Mann wollte sie dort Kraft schöpfen. In der SMS wie in einem Abschiedsbrief machte ihr Partner ihr schwere Vorwürfe. Der Angeklagte habe mit der Tat auch seine Frau strafen wollen, sagt der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl in seiner Urteilsbegründung.

Hauptgrund sei aber der Wunsch gewesen, auf ewig mit den geliebten Kindern zusammen zu sein. „Ich möchte mit ihnen beerdigt werden“, heißt es im Abschiedsbrief. Als die von der Ehefrau alarmierten Rettungskräfte in das Reihenhaus stürmten, saß der Vater auf der Kante des Ehebettes und ritzte mit dem Teppichmesser an seinem Hals. Sein Arm war schon zerfetzt, die blutüberströmten Kinder hatte er hinter sich aufgebahrt.

Zurückhaltend, geduldig, liebevoll - so beschrieben Zeugen den vierfachen Kindermörder. Wie kann ein Mann, dessen Kindheit, Jugend und bisheriges Leben unauffällig verliefen zu so einer monströsen Tat fähig sein? Pohl gab in seiner ausführlichen Begründung einen Einblick in die Psyche des Mannes, der bis zum 14. Juni alles getan habe, was seine Frau ihm sagte.

Während der Tat habe er sich in einem der Psychose nahen Ausnahmezustand befunden, erläuterte der Vorsitzende Richter. Schon im Oktober 2011 habe er in einem ähnlichen Zustand versucht, seine Frau zu vergewaltigen. Es sei auch wahrscheinlich, dass er in Zukunft wieder Selbstmordversuche unternehme, bei denen Dritte gefährdet würden, etwa im Straßenverkehr.

Der psychiatrische Gutachter hatte den Angeklagten wegen einer Persönlichkeitsstörung und schweren Depressionen als gefährlich eingeschätzt. Vor der Tat war der Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Peine ein halbes Jahr krankgeschrieben, im Juni allerdings arbeitete er wieder. Für die Betreuung seiner Kinder hatte er sich extra freigenommen und war wieder ins Haus zurückgekehrt, das er etwa zwei Monate vorher auf Wunsch der Frau verlassen hatte.

Schon in der Vergangenheit hatte der Mann seiner Frau mehrmals mit Selbstmord gedroht, sollte sie ihn verlassen. Die einzige, die das richtig ernstzunehmen schien, war die Tochter. Sie vertraute sich sogar weinend einer Lehrerin an und schrieb ihrem Vater eine SMS: „Tu's nicht.“

dpa

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