Wer das Kreuz ergattert, hat für den Rest des Jahres Glück - so der Glauben im Südosten Europas. Foto: Stefanos Rapanis
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Wer das Kreuz ergattert, hat für den Rest des Jahres Glück - so der Glauben im Südosten Europas.

Von wegen christlich

Von Kobolden bis Hexen - So heidnisch feiern unsere Nachbarn Neujahr

Europa tickt christlich, hat heidnische Wurzeln und verschiedene Kalender. Der Mix sorgt im Januar für spannende Feste. Junge Italiener müssen lange auf ihre Geschenke warten.

Mit Neujahr sind in vielen Teilen Europas die winterlichen Feiertage nicht vorbei. In kirchlicher Tradition folgt auf Weihnachten Epiphanias, das Fest der Erscheinung Jesu.

In Deutschland ist daraus der Dreikönigstag am 6. Januar geworden, nach dem es wieder zur Arbeit oder Schule geht. Andere Länder gönnen sich aufregendere Feste. Beispiele aus Griechenland, Italien und Russland:

Kobolde vertreiben in Griechenland

Im Südosten Europas geht es am 6. Januar nass zu, die griechisch-orthodoxe Kirche feiert "Ta Agia Theofania", die Taufe Jesu. Überall segnen Priester die Gewässer - hauptsächlich das Meer, im Landesinneren auch Flüsse und Seen. Zur Zeremonie versammeln sich die Menschen am Ufer, der Priester weiht ein Holzkreuz und wirft es ins bitterkalte Nass. Dann hechtet die Jugend hinterher, denn wer das Kreuz ergattert, hat das ganze Jahr über Glück.

Der Volksmund schreibt dem Fest auch reinigende Wirkung zu: Solange das Christuskind nicht getauft ist, ziehen wilde, dreckige und stinkende Kobolde (griechisch: Kallikantzaroi) aus der Unterwelt durchs Land. Die schwarz behaarten Monster mit funkelnden roten Augen sind halb Mensch, halb Ziege. Sie verunreinigen alles Essbare und ärgern die Menschen, denen sie des Nachts böse Streiche spielen. Nach der Segnung jedoch sind Wasser und Erde gereinigt, und die Kobolde kehren zurück in die Unterwelt. Dann erst kann das Jahr für die Menschen frohgemut weitergehen.

In Italien kommt die Hexe Befana

Das Epiphanias-Fest am 6. Januar ist für die Italiener fast so wichtig wie Weihnachten. Vor allem Kinder warten gespannt darauf, denn die Hexe Befana befüllt ihnen die Socken mit Süßigkeiten und Geschenken. Erst seit ein paar Jahren gibt es in Italien auch an Weihnachten Geschenke, vorher mussten die Kinder immer bis zum 6. Januar warten.

Der Tag wird in ganz Italien groß gefeiert mit von Region zu Region unterschiedlichen Bräuchen. So wird in Venetien eine Heugarbe mit einer Befana-Puppe an der Spitze angezündet. An der Richtung der Rauchfahne lässt sich der Legende nach erkennen, wie das neue Jahr verläuft. In vielen Städten Italiens wie in Florenz gibt es festliche Umzüge mit bunten Kostümen und Gesang. In Rom und Neapel verbringen die Menschen die Nacht auf den 6. Januar gemeinsam auf den Plätzen, auf denen Spielwaren und Süßigkeiten verkauft werden.

In Russland wird sehr still gefeiert

Nowy God (Neujahr) ist für die Russen das wichtigste Familienfest im Jahreskreislauf. Aber dann geht es bis Mitte Januar noch so lange weiter mit Feiern wie in keinem anderen Land. Das liegt daran, dass die russisch-orthodoxe Kirche nach dem alten julianischen Kalender lebt, der zum westlichen gregorianischen Kalender 13 Tage versetzt ist. Also fällt Weihnachten auf den 6. Januar, ist aber in Russland ein eher stilles kirchliches Fest.

Der moderne russische Staat hat seinen Bürgern eine zehntägige Neujahrspause verordnet, die vor dem Fernseher oder beim intensiven Shoppen verbracht wird. In diesem Jahr kommt das Land erst am 11. Januar wieder in Gang. Dank der kirchlichen Rechnung steht dann am 13. Januar das Fest Alt-Neujahr an. Und natürlich wird die Taufe Jesu auch in Russland gefeiert. Zu "Kreschtschenie" am 19. Januar holen Gläubige in den Kirchen geweihtes Wasser. Mutige tauchen in Eislöchern unter zur rituellen Reinigung nach der langen Reihe von Festtagssünden.

dpa

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