Kommentar

Bluttat von London: Verrückt – oder böse?

München - Das Blut der Messerattentats-Opfer von London war noch nicht getrocknet, da hatten die Behörden schon die vermeintlich gute Nachricht zur Hand: Der somalisch-stämmige Täter sei kein Terrorist, sondern nur psychisch verwirrt. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Mal abgesehen davon, dass das die Tote von London nicht mehr lebendig macht: Auch den Tätern von Orlando, Nizza und Ansbach wurde per Blitzdiagnose attestiert, sie seien „labil“ gewesen. Aber sind das nicht andere auch, die dennoch nicht gleich auf die Straße rennen und Unschuldige töten?

Wir machen es uns zu leicht, wenn wir jetzt zur Beruhigung der Öffentlichkeit dazu übergehen, religiös inspirierte Morde zu psychologischen Krankheitsbildern umzudeuten, und so tun, als sei es Zufall, dass die Täter in unschöner Regelmäßigkeit Muslime sind. Es stimmt ja: Wer „labil“ ist, ist empfänglich. Aber die Ideen, die da empfangen werden, die liefert zuverlässig die dschihadistische Ideologie. Im sunnitischen Somalia, woher der Londoner Täter stammt, ist der Islamismus tief verwurzelt. Auch bei den Tätern von Würzburg und Ansbach hieß es hastig, sie seien „blitzradikalisiert“ oder psychisch anfällig gewesen, also in irgendeiner Weise irre. Doch jüngste Ermittlungsergebnisse zeigen, dass beide von Dritten geführt wurden. Das gern bemühte Beschwichtigung-Doppelmuster „Einzeltäter“ und „Wahnsinn“ stößt hier an seine Grenzen.

Eine Attentäterpsychologie, die den Fokus am liebsten auf Verrücktheit legt, macht sich verdächtig, in Wahrheit nur islamistische Motive beschweigen zu wollen. Aber es gibt nicht den geringsten Grund, uns am Ende sicherer zu fühlen, nur weil wir uns politisch korrekt in die Tasche lügen.

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