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In dem neuen Bericht sind Fälle von Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch enthalten. (Symbolbild)

Deutschlandweit

Kriminalstatistik: Pro Woche im Schnitt drei getötete Kinder

Berlin - Die Zahl schockiert - selbst wenn sie schon mal höher war: In Deutschland sind im vergangenen Jahr 130 Kinder getötet worden, also im Durchschnitt fast drei pro Woche. Dies zeigt die Kriminalstatistik zu Verbrechen an Kindern.

Ein Vater, der sein Baby zu Tode schüttelt. Ein Nachbar, der nebenan ein Kleinkind missbraucht. Ein Pädophiler, der sein Verbrechen filmt und ins Netz stellt. Die neue Polizeistatistik zeigt, dass all dies in Deutschland tausendfach vorkommt. Doch vieles bleibt verborgen.

Vier von fünf Opfern (insgesamt 105 oder 81 Prozent) waren zum Zeitpunkt ihres gewaltsamen Todes unter sechs Jahre alt, viele sogar erst im Baby- oder Kleinkindalter.

Hinzu kamen 52 Tötungsversuche, wie aus der in Berlin veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 zu kindlichen Gewaltopfern hervorgeht.

Die aktuellen Zahlen zu allen Bereichen der Gewalt gegen Kinder unter 14 Jahren beschrieben "nur das sogenannte Hellfeld der Kriminalität", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele Taten unentdeckt bleiben."

Im Einzelnen wurden bundesweit 16 Morde an Kindern registriert, zudem 38 Totschlagsdelikte, 68 Fälle fahrlässiger Tötung und acht Körperverletzungen mit Todesfolge. Die Gesamtzahl lag wieder deutlich über der von 2014 (108), "aber mittelfristig ist der Trend ein durchaus abnehmender", sagte Münch. So wurde die höchste Fallzahl der vergangenen zehn Jahre 2006 registriert (202 Tötungsdelikte), auch 2012 (167) und 2013 (153) lag sie höher als im Vorjahr.

Die Zahl körperlicher Misshandlungen von Kindern sank zwar im Vergleich zu 2014 um sechs Prozent, aber es waren immer noch mehr als 3900 Kinder davon betroffen. Auch bei sexueller Gewalt gegen Kinder wurde 2015 ein geringfügiger Rückgang von gut drei Prozent auf knapp 14 000 Fälle verzeichnet - 270 betroffene Kinder pro Woche oder 38 pro Tag, hob Münch hervor. Insgesamt bewege man sich hier "auf einem gleichbleibend hohen Niveau". Die Pädagogik-Professorin Kathinka Beckmann von der Fachhochschule Koblenz bilanzierte: "Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland ein Alltagsphänomen."

In vielen Tötungs-, Gewalt- und Missbrauchsfällen seien die Täter Menschen, die den Opfern nahestehen - also Verwandte oder Freunde der Familie, sagte der BKA-Chef. Bei sexueller Gewalt gebe es eine relativ hohe Aufklärungsquote, weil die Kinder ihre Peiniger oft kennen - aber auch eine hohe Dunkelziffer im familiären Umfeld, weil die Taten dort häufig verborgen werden.

Die BKA-Statistik weist für 2015 beim Menschenhandel 68 Fälle mit 77 minderjährigen Opfern aus. Oft landeten diese Kinder und Jugendlichen in der Zwangsprostitution. Immerhin - beim zuletzt stark diskutierten Thema Flüchtlingskinder konnte Münch Entwarnung geben: Man habe zwar eine hohe Zahl unbegleiteter junger Menschen und erhebliche Probleme mit ihrer Erfassung, aber nach Recherchen der Landeskriminalämter gebe es derzeit "keine Erkenntnisse, dass Flüchtlingskinder Opfer von Menschenhandel werden".

Ein schwieriges Feld - wegen immer größerer Datenmengen im Internet - iat die Kinderpornografie: Im Vergleich zum Jahr 2000 wurden 2015 zweieinhalb mal so viele Fälle registriert. Zur polizeilichen Bilanz sagte Münch, es sei "ein Katz- und Mausspiel. Wir melden viel, wir löschen viel. Dennoch muss man feststellen: Eine erhebliche Reduzierung kinderpornografischer Angebote im World Wide Web können wir nicht feststellen." Möglicherweise sei aber "die Tatsache, dass es nicht mehr wird, auch schon ein Erfolg".

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Statistik zeigt mit schrecklicher Deutlichkeit, dass das Thema sexueller Kindesmissbrauch ein gesellschaftliches Massenphänomen ist." Deutschland müsse "endlich sein Investment in Prävention erhöhen". Denn internationale Studien zeigten, dass Fallzahlen durch umfassende Vorbeugung zurückgingen. Alle Einrichtungen, denen Kinder anvertraut sind, brauchten deshalb Schutzkonzepte.

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