Nach einer Explosion untersuchen Experten des LKA die Unglücksstelle, an der auch ein schwer beschädigter Streifenwagen steht. Foto: Boris Roessler
+
Nach einer Explosion untersuchen Experten des LKA die Unglücksstelle, an der auch ein schwer beschädigter Streifenwagen steht. Foto: Boris Roessler

Familiendrama

Mann sprengt sich mit Auto in die Luft und stirbt

Homberg/Ohm - Ein Streit, ein Mann mit Zugang zu Sprengstoff und ein schlimmes Ende: Nahe Marburg jagt sich ein Mann mit seinem Auto in die Luft und stirbt. Der Motorblock fliegt 30 Meter weit. Ein nächtlicher Streit ging voraus.

Vor den Augen von Polizisten hat sich ein Familienvater in seinem Auto in die Luft gesprengt und getötet. Sieben Menschen wurden bei der Explosion am Sonntag im hessischen Homberg (Ohm) nahe Marburg leicht verletzt, darunter zwei Polizisten. „Von dem explodierten Auto ist nichts mehr da. Der Motorblock flog 30 Meter weit“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Keller. In dem Wohngebiet bot sich am Sonntagmorgen ein Bild der Verwüstung: Im Umkreis von fast einem halben Kilometer beschädigte die Explosion mehrere Häuser und mehrere Autos, auch ein Streifenwagen wurde beschädigt.

Mehr zu dem Thema lesen Sie hier bei unserem Partnerportal hna.de

Zuvor hatte es in dem Haus der Familie im Stadtteil Ober-Ofleiden einen nächtlichen Streit gegeben. Der 49-jährige Vater, vermutlich ein Sprengmeister mit Zugang zu Sprengstoff, hatte laut Polizei gedroht, sich und seiner Familie Schaden zuzufügen. Er habe das Haus verlassen, sei ins Auto gestiegen und zunächst weggefahren. In der Nähe gibt es einen großen Steinbruch. Die Ehefrau und eine der Töchter flüchteten sich nach Polizeiangaben zu Nachbarn. Die andere Tochter war nicht zu Hause.

Als der Familienvater mit dem Auto zurückkehrte, wurden die inzwischen alarmierten Polizisten Zeugen der Explosion: Ein Krater wurde in den Boden gesprengt, Fensterscheiben flogen heraus, Hauswänden bekamen schwarze Flecken, Dachziegel verschoben sich. „Das hat die ganze Nachbarschaft aus dem Bett geholt“, sagte Polizeisprecher Thomas Rodemer.

Anwohner stehen unter Schock

Die Höhe des Sachschadens und das Motiv des Familienvaters waren zunächst unklar. Polizeisprecher Keller erklärte am Vormittag: „Die Leute stehen unter Schock, die können wir nicht gleich befragen.“ Dutzende Polizeibeamte und mehrere Rettungswagen waren im Einsatz. Zwei Polizisten und drei Anwohner wurden unter anderem wegen Schnittwunden ambulant im Krankenhaus in Alsfeld behandelt, die geschockte Ehefrau und Tochter psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft Gießen nahm die Ermittlungen auf.

Die Stadt Homberg brachte die Familien der stark beschädigten Häuser woanders unter, da erst ein Experte die Statik ihrer Gebäude begutachten sollte. Die Polizei warnte vor Sprengstoff-Stangen und -Zündern, die möglicherweise bei der Explosion verteilt worden seien. Eine direkte Gefahr gehe davon nicht aus. „Sie sollten aber keinesfalls in die Hand genommen werden. Bitte benutzen Sie in der Nähe dieser Gegenstände keine Handys oder Funkgeräte“, mahnte das Polizeipräsidium Osthessen. Anwohner wurden gebeten, bei solchen Funden die Polizei zu informieren. Diese schaltete ein Bürgertelefon.

Explosion in Osthessen: Fotos

Mann sprengt sein Auto in die Luft und stirbt

dpa

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Anschlag auf Asylunterkunft: Täter gehen ins Gefängnis

Zwickau - Nach einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Crimmitschau müssen drei Männer für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Nach Anschlag auf Asylunterkunft: Täter gehen ins Gefängnis

Paar rettet Goldfisch mit Riesentumor das Leben

Bristol - Ein Goldfisch verdankt seinen Besitzern sein Leben. Das Paar unternahm eine 200 Kilometer lange Fahrt um dem Tier das Leben zu retten.
Paar rettet Goldfisch mit Riesentumor das Leben

Psychisch Kranker schlägt mit Tresen auf Klinikpersonal ein

Bad Wildungen/Kassel - Ein psychisch kranker Patient hat in einer Klinik randaliert und dabei wohl sechs Mitarbeiter verletzt. Anschließend sprang er aus dem zweiten …
Psychisch Kranker schlägt mit Tresen auf Klinikpersonal ein

Gericht bestätigt 16 Jahre Haft für Costa-Concordia- Kapitän

Florenz - Der Unglückskapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der „Costa Concordia“ auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat …
Gericht bestätigt 16 Jahre Haft für Costa-Concordia- Kapitän

Kommentare