Eine U-Bahn fährt in Hamburg in den Bahnhof Hoheluftbrücke ein. Foto: Daniel Bockwoldt/Illustration
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Eine U-Bahn fährt in Hamburg in den Bahnhof Hoheluftbrücke ein. Foto: Daniel Bockwoldt/Illustration

Mutter stieß elfjährigen Sohn vor U-Bahn

Eine Frau soll in Hamburg ihr eigenes Kind vor eine U-Bahn gestoßen haben. Der Elfjährige überlebt schwer verletzt. Ist die Mutter psychisch krank?

Hamburg (dpa) - Eine Mutter hat ihren elfjährigen Sohn nach Polizeiangaben in einem Hamburger U-Bahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Die Bahn überrollte am Sonntag das Kind, dieses wurde schwer verletzt und verlor einen Fuß.

"Nach Auswertung der Zeugenvernehmungen und der Bilder der Hochbahn ist die Polizei sicher, dass das Kind von der Mutter auf die Gleise gestoßen wurde", sagte ein Polizeisprecher.

Zum Motiv der Frau und einer möglichen psychischen Erkrankung machte er keine Angaben. Die 31-Jährige wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft zur Untersuchung in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Der Junge sei inzwischen außer Lebensgefahr.

Der Elfjährige wurde nach Angaben der Feuerwehr im Bahnhof Hoheluftbrücke zwischen dem ersten und zweiten Waggon des Zuges eingeklemmt und verlor einen Fuß. Um zu dem Kind zu gelangen, musste zunächst der Fahrstrom abgeschaltet und die Stromschiene geerdet werden. Dann sei eine Feuerwehrfrau unter den Zug zu dem Jungen gekrochen. Er sei ansprechbar gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Andere Einsatzkräfte trennten unterdessen die Waggons und schoben sie mit Muskelkraft auseinander. Erst dann konnte der Junge in ein Krankenhaus gebracht werden. Bei derart schweren Verletzungen spürten die Betroffenen oftmals nicht sogleich den Schmerz, erläuterte der Sprecher. Der Notarzt gebe dann aber starke Schmerzmittel. Der Triebwagenführer und mehrere Fahrgäste mussten am Bahnhof von drei Notfallseelsorgern betreut werden.

Die Mutter wurde nach dem Zwischenfall vorläufig festgenommen und beim psychiatrischen Notdienst in Gewahrsam gebracht. Sie werde im Krankenhaus weiter untersucht. Von dem Ergebnis hingen die weiteren Schritte ab, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Unabhängig von ihrer Schuldfähigkeit werde gegen die 31-Jährige wegen des Verdachts einer versuchten Tötung ermittelt. Die Auswertung der Videoaufzeichnungen am Bahnsteig und die Befragung der Zeugen dauerte an. Die Strecke der Linie U3 war zur Ursachenermittlung am Sonntag bis zum frühen Abend gesperrt.

Am Tag danach erinnerte an dem U-Bahnhof praktisch nichts mehr an den schweren Zwischenfall. Ein Fernsehteam machte noch Interviews vor der Station. Die U3 verläuft auf dem Abschnitt als Hochbahn. Wie viele Fahrgäste in dem betroffenen Zug saßen, konnte eine Sprecherin des Verkehrsunternehmens nicht sagen. Erfahrungsgemäß seien es an einem Sonntagnachmittag bis zu 400. Eine Untersuchung des Unfallzuges habe ergeben, dass die Bremsen in Ordnung waren. Der Triebwagenführer werde die nächsten Tage nicht im Dienst sein.

Zum genauen Zustand des Jungen gab das behandelnde Krankenhaus keine Auskunft. Ärzte könnten versuchen, ein abgetrenntes Gliedmaß wieder anzunähen - solche Re-Implantationen seien aber nur machbar, wenn viele günstige Begleitumstände zusammenkämen, sagte der Chefarzt der Unfallchirurgie der Asklepios-Klinik Nord, Marc Schult. Möglicherweise sei es sinnvoller, mit einer modernen Prothese zu helfen. Die Feuerwehr verfüge jedenfalls über spezielle Kits, um abgetrennte Körperteile steril und kühl zu transportieren.

An den eigentlichen Unfall könnten sich die Patienten in Fällen wie diesem fast nie erinnern, sagte Schult. Grund dafür sei die vom Notarzt verabreichte Narkose am Unfallort.

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