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Bunte Schirme unter grauem Himmel prägen das erste Oktoberfest-Wochenende in München.

Veranstalter trotzdem zufrieden

Erstes Oktoberfest-Wochenende: Sehr nass, sehr ruhig 

München - Bunte Schirme unter grauem Himmel prägen das erste Oktoberfest-Wochenende in München. Sicherheitskontrollen und Rucksackverbot: reibungslos. In den Zelten: Geschäft gut. Fahrgeschäfte: leer.

Der Blick zum Himmel: Dieses Mal hat es der Herrgott nicht gut gemeint mit München. Ausgerechnet zum Beginn des Oktoberfestes gießt es wie aus Eimern. Bunte Regenschirme, grauer Himmel. Fahrgeschäfte fahren halb gefüllt. In den Bierzelten bekommen Besucher oft noch einen Platz - seltener als sonst müssen Zelte wegen Überfüllung vorübergehend schließen.

So entspannt wie noch nie habe das Oktoberfest begonnen, sagen alle. Die Polizei registriert zehn Prozent weniger Einsätze als sonst und spricht von einem „der ruhigsten und friedlichsten Wiesn-Auftakte der letzten Jahre“. Selbst die erste Alkoholvergiftung wird am Samstag „erst“ um 15.10 Uhr registriert, Stunden später als in den Vorjahren.

Ungetrübte Stimmung herrscht zwar im Trockenen in den Zelten. An den Fahrgeschäften trauen sich nur sehr Wagemutige auf tropfnasse Sitze. Die Schausteller zucken die Achseln. Und hoffen auf besseres Wetter.

450 Sicherheitskräfte im Einsatz - doppelt so viele wie im Vorjahr

„Jetzt haben wir so lange einen so schönen Spätsommer gehabt - und ausgerechnet heute fängt es zu regnen an. Das ist ein bisschen schade“, sagte Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) zur Eröffnung am Samstag. Sein Hauptwunsch: „Schönes Wetter, am besten ab morgen.“ Am Sonntag ging das erst einmal nicht in Erfüllung - es regnete weiter.

Es ist die sicherste Wiesn der Geschichte. Überall sind Ordner unterwegs. 450 Kräfte und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr hat die Stadt engagiert. Große Taschen und Rucksäcke sind verboten. Mit dem neuen Konzept reagierten die Veranstalter auf die weltweit gestiegene Terror-Angst. Auch die Polizei zeigt Präsenz.

Ein Besucher versucht, an der Theresienhöhe unter dem neuen Rollzaun durchzukriechen, der das Gelände erstmals vollständig abschließt und um den im Stadtrat wochenlang gestritten wurde. Ordner sind sofort zu Stelle: Einlass nur über die kontrollierten Eingänge. Ohne Taschen.

Einige schafften es trotzdem mit Rucksack aufs Gelände - die Kontrollen seien zu lasch, hieß es sofort. Dennoch: Das neue Sicherheitskonzept hat seine erste Probe insgesamt bestanden - allerdings bei wohl vor allem wetterbedingt mäßigem Besucherandrang.

"Ich habe noch nie so wenig Leute auf der Wiesn gesehen"

Auch an den neuen Gepäckaufbewahrungen gab es kaum Staus: „Alles im grünen Bereich. Wir haben noch Platz.“ Nur gut ein Dutzend von mehreren Hundert Taschen seien liegengeblieben, berichtet die Organisatorin der beiden BRK-Aufbewahrungsstellen, Marianne Hoffendahl am Sonntag. „Ich mache seit 1990 die Wiesn für das BRK. Ich habe noch nie so wenig Leute auf der Wiesn gesehen.“

Gelegentlich ist zu spüren, dass die Welt anders geworden ist seit 2015. Vor der Eröffnung weist etwa Moderator Christoph Deumling extra auf die Böllerschüsse hin, die den Start des Volksfestes verkünden. „Das hat seine Richtigkeit.“ Nach allem, was war - nach dem Amoklauf in München und den Anschlägen weltweit - könnten die Menschen schnell einmal an eine Explosion denken.

Immerhin hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) für einen perfekten Anstich gesorgt. Nur zwei souveräne Schläge brauchte er auf seiner dritten Wiesn zum Anzapfen des ersten Fasses, mit dem er unter dem fulminanten Jubel der Gäste das Volksfest eröffnete. Sein Vorgänger Christian Ude - der erste, der es überhaupt mit zwei Schlägen schaffte - brauchte dafür viele Jahre. Die Zahl der Schläge ist eine wichtige Kennziffer für das Ansehen eines OB's in der Stadt.

"Wenn wir Angst hätten, wären wir nicht gekommen"

„Auf eine friedliche Wiesn!“ Damit stieß Reiter mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf das Gelingen des Volksfestes an. „Auf eine friedliche Wiesn, wo alle gesund kommen und gesund wieder gehen. Das ist das, was wir wollen in München.“

Die meisten Besucher nehmen die Sicherheitsvorkehrungen gelassen hin - und freuen sich auf das Fest. „Das ist richtig so. Das ist für die Sicherheit“, sagt Maxime Magnez aus dem französischen Lille, der bei der Gepäckabgabe ansteht. Sein Begleiter Thomas Coulon sagt: „Wenn wir Angst hätten, wären wir nicht gekommen.“

Nach monatelanger Debatte um die Sicherheit wollen Münchner und Besucher aus aller Welt vor allem eines: unbeschwert ihr Volksfest feiern. Unbeeindruckt von Wetter und Sicherheitsdebatte kamen prominente Stammgäste, ganz vorne dabei Schlagerstars. Heino, Florian Silbereisen und die Moderatorin Carolin Reiber machten sich zur Theresienwiese auf, ebenso Andrea Berg mit ihren Mann Ulrich Ferber, Stiefsohn Andreas Ferber und Schwiegertochter Vanessa Mai.

Wirte, Politiker, Prominente - alle haben dafür geworben: Feiern, sich nicht einschüchtern lassen. Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä sagt: „Wenn wir unser Leben einschränken, spielen wir denen in die Hände, die versuchen unser Leben zu beeinflussen.“

dpa

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