Polizeimeisterin Celina (24) wurde schon tätlich angegriffen.

Respektlosigkeit, Beleidigungen, Gewalt

Hilferuf von deutschen Polizistinnen: So übel werden wir beschimpft

München - Wird der Beruf zum Albtraum? Eine Doku begleitete drei deutsche Polizistinnen. In ihrem Berufsalltag werden sie häufig mit Hass und Gewalt konfrontiert.

Knapp 50.000 Polizistinnen gibt es in Deutschland - das entspricht 18,2 Prozent der Polizeibeamten. Frauen sind in dem typischen Männerberuf immer noch unterrepräsentiert. In der ZDF-Sendung "37°" zeigten drei Polizistinnen ihren Berufsalltag. Gewalt und Beleidigungen gehören mit dazu.

Mit ihren 24 Jahren ist Celina schon Polizeimeisterin. Gerade hat sie ihre Probezeit als Beamtin geschafft. Die junge Frau hat schon viel gemeistert - musste aber auch schon ordentlich einstecken. Bei einem Einsatz wurde sie umgerannt und gegen einen Poller gedrückt. Sie verletzte sich so sehr, dass Celina zwei Wochen lang krank geschrieben wurde und eine Narbe zurückblieb. "Es ist schon ein unangenehmes Gefühl, zwischen den Fronten zu stehen. Man weiß nicht, wozu sie bereit sind." Deshalb bei Großeinsätzen immer mit dabei: die 25 Kilo schwere Schutzkleidung.

Fast jeden Tag hört man "ficken"

Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu, sagt das BKA. Auch die 45-jährige Alex, seit 25 Jahren im Dienst, wurde schon angegriffen. "Äußerliche Wunden verheilen, die psychischen Folgen bleiben", sagt sie. Ihren Posten hat sie sich über die Jahre hart erarbeitet. Von ihren Anfängen berichtet sie: "Der Umgangston im Revier musste sich ändern. Außerdem mussten die männlichen Kollegen sich ihren Beschützerinstinkt erst mal abgewöhnen." 

Auch Maren (38) hatte keinen leichten Start. "Mir wurde eine Führungsposition nicht zugetraut", sagt sie. Maren ist Mutter von zwei Kindern. Ihren Traumberuf wollte sie trotz aller Schwierigkeiten nie aufgeben. "Was ganz gravierend für mich ist, ist der Hass. Fotze, Schlampe, das ist schon Standard. Auch viele sexuelle Anspielungen: Fast jeden Tag hört man 'ficken'. Das will man fast gar nicht wiederholen", erzählt sie betroffen.

Die Belastung nimmt zu

Neben der zunehmenden Aggressivität spüren auch die drei Beamtinnen, dass die Arbeit immer mehr wird, das Personal jedoch nicht. Eine zusätzliche Belastung. Es ist klar: Hier muss sich etwas ändern.

Unterkriegen lassen wollen sich die drei Polizistinnen bis dahin aber nicht. Jede von ihnen sucht nach ihrem eigenen Weg, um mit den Schwierigkeiten umzugehen. Celina schöpft Kraft aus ihrer hohen Motivation. Schon mit 14 Jahren wusste sie, dass sie Polizistin werden möchte. "Ich wollte einen Beruf machen, der nicht so gewöhnlich ist. Ich wollte was erleben, mit Menschen zu tun haben." Davon möchte sie sich nicht abbringen lassen.

Maren ruft sich regelmäßig ihre Stärken ins Gedächtnis: "Ich bin ruhig, höre zu, versuche auf die Menschen einzugehen." Es hilft ihr, zu wissen, dass sie bei jedem Einsatz ihr bestes gegeben hat. Alex erhält Unterstützung von ihrem Mann, der ebenfalls Polizist ist. Außerdem hat sie eine Weiterbildung zur psychosozialen Beraterin gemacht: Sie unterstützt jetzt die Kollegen, die nach einem tätlichen oder verbalen Angriff Hilfe brauchen. Auch nach 25 Jahren ist die 45-Jährige noch gerne bei Polizei.

Der Beitrag ist noch in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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