+
Im Norden sind mehr Todesfälle in Folge des Rauchens zu beklagen als im Süden.

"Tabakatlas"

Berliner rauchen mehr als Bayern

Nach neuesten Berechnung sterben in Deutschland 121 000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. Trotzdem raucht noch immer fast jeder Dritte. Deshalb soll jetzt ein Werbeverbot für Zigaretten kommen.

Berlin (dpa) - Im Norden Deutschlands wird weiterhin mehr geraucht als in der Südhälfte der Republik. Das geht aus dem neuen "Tabakatlas" hervor, den die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) und das Deutsche Krebsforschungszentrum am Dienstag in Berlin vorstellten.

Danach haben Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen den höchsten Raucheranteil: In diesen drei Bundesländern qualmen über 34 Prozent der Männer sowie mehr als 23 Prozent der Frauen. Die niedrigsten Werte finden sich in Bayern und Baden-Württemberg sowie bei den Frauen in Sachsen.

Insgesamt ist der Tabakkonsum aber auf dem Rückzug: Anfang der 90er Jahre rauchten bundesweit noch fast 37 Prozent der Über-14-Jährigen, zwischen 2009 und 2013 sank der Anteil von 30,5 auf 29,0 Prozent. Dieser Trend ist allerdings vor allem auf den deutlichen Rückgang jugendlicher Raucher zurückzuführen, bei Älteren bleiben die Werte relativ konstant. Mortlers Fazit lautet deshalb: "Tabakprävention muss weiterhin oben auf der politischen Agenda stehen." Schließlich sei Rauchen "das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit".

Diese Einschätzung wird durch neue Berechnungen belegt, die sich ebenfalls im "Tabakatlas" finden. Danach sterben in Deutschland jährlich etwa 121 000 Menschen an den Folgen des Rauchens - 13,5 Prozent aller Todesfälle seien auf Tabakkonsum zurückführen. "Die Zigarette ist und bleibt ein Giftgemisch", beklagte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Sie forderte deshalb unter anderem eine massive Anhebung der Tabaksteuer und ein komplettes Werbeverbot für Tabak. Schließlich sei Deutschland das einzige EU-Land neben Bulgarien, das noch Außenwerbung für Zigaretten erlaube. Auch Mortler hält ein solches Werbeverbot für überfällig und versicherte: "Ich setze mich Tag und Nacht dafür ein." Nach ihren Worten soll ein entsprechendes Gesetz voraussichtlich in dieser oder in der nächsten Woche vom Kabinett beschlossen werden. Wann ein Werbeverbot für Zigaretten in Kraft tritt, ließ die Drogenbeauftragte allerdings offen: "Ich kann mir vorstellen, dass es hier sicherlich eine Übergangszeit gibt."

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mord an Freiburger Studentin: Neue Details

Stuttgart - Ermittlungserfolg im Fall der getöteten Medizinstudentin in Freiburg: Die Polizei fasst rund sieben Wochen nach dem Sexualverbrechen einen Verdächtigen.
Mord an Freiburger Studentin: Neue Details

100.000 Internetnutzer widerlegen Einstein

Wien - In vielen Dingen hatte er Recht, doch ein verblüffendes Phänomen aus der Quantenphysik tat Albert Einstein als Unsinn ab. Jetzt bewies die Netzgemeinde: Das …
100.000 Internetnutzer widerlegen Einstein

Jugendliche blamieren den “Meist gehassten Mann der USA“

New York - Seit er den Preis eines HIV-Medikaments um 5000 Prozent erhöhte, gilt Martin Shkreli als der „meist gehasste Mann der USA“. Jetzt haben australische Teenager …
Jugendliche blamieren den “Meist gehassten Mann der USA“

Nach Flugzeugabsturz: Chapecó nimmt Abschied

Auch der Himmel weint über Chapecó: Bei strömendem Regen kommen die Särge der Fußballer von Chapecoense an. Fast das ganze Fußballteam ist tot: Gestorben auf dem Weg zum …
Nach Flugzeugabsturz: Chapecó nimmt Abschied

Kommentare