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Generationen-Küche: Nicht jeder Vater will viel Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, anderen fehlt die Zeit.

Experten erklären

Typologie zum Vatertag: Wie Väter ticken

Viele Männer wollen Kind und Karriere – oder sogar Kind statt Karriere. Viele teilen sich die Erziehung mit der Mutter, aber auch der traditionelle Patriarch ist nicht ausgestorben. Die Vätertypen sind vielfältig. Ein Überblick zum Vatertag.

Traditioneller Vater

Er hat mit Erziehung wenig zu tun und steht auf die klassische Rollenverteilung. „Sein Anteil ist geringer als noch vor ein paar Jahren. Die Gender-Konzepte werden immer egalitärer“, sagt Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut in München. Aber es gibt ihn noch – den Mann, der Kinder, Küche, Kirche als Frauendomäne sieht und seinen Eigenbeirag als Erzeuger und Ernährer als ausreichend empfindet.

Ich-wollte-einen Sohn

Er ist der Mann im Haus, schuftet wie Al Bundy für die Familie, hat aber wenig zu sagen. Häuslich ist er umzingelt von Frauen. Gerne flüchtet er sich mit Kumpels in die Kneipe – oder mit dem Bollerwagen in die Pampa. „Mit der Rolle wird gerne kokettiert, aber klammheimlich genießen sie die Rolle als Hahn im Korb“, sagt Karin Carapetyan vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter.

Kuckuksvater

Ihm wurde ein fremdes Kind in die Wiege gelegt. „Davon gibt mehr als man denkt“, sagt Carapetyan. „Die Gefahr ist, dass Väter sich dann zurückziehen aus der Beziehung zum Kind.“

Wochenendvater

In der Ära Patchwork immer häufiger. Er sieht seine Kinder am Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr. Aber auch in klassischen Familien ist diese Rollenverteilung noch häufig vertreten. „Es nimmt zu, dass Väter sich kümmern wollen“, sagt Hartmut Kay Hirsch vom Verein Väteraufbruch für Kinder in Stuttgart. „Aber die Arbeitgeber und die Gesellschaft ermöglichen es einfach nicht, Vaterjob und Beruf zu vereinbaren.“

Elternzeitvater

Immer mehr Väter nehmen sich eine Pause vom Job und Zeit für ihre Kinder. Rund jeder dritte Vater bezieht nach Angaben des Statistischen Bundesamts Elterngeld – im Schnitt für 3,6 Monate. In den ersten Monaten brauche das Kind aber die Mutter am meisten, sagt Hartmut Kay Hirsch vom Verein Väteraufbruch.

Windelstratege

Sie arbeitet, er kümmert sich um die Kinder. Dem Vollzeitvater ist egal, was die Nachbarn denken. Er beschützt, schmust und trocknet Tränen – rund um die Uhr. Die Windelbarriere nimmt er noch vor dem Frühstück. Er ist der Held auf dem Spielplatz und Mütterschwarm. „Der Vater kriegt sicher viel Anerkennung von der Nachbarin, aber leider nicht im Job“, sagt Carapetyan. Nimmt immer sei die Entscheidung allerdings gewollt, sondern das Ergebnis von Brüchen in der Erwerbskarriere, sagt die Soziologin Zerle-Elsäßer.

Rosinenpicker

Geht es um Spiel und Spaß, ist er zur Stelle. Aber wehe, die Kleinen müssen zum Arzt oder die Windeln müssen runter! Das gilt auch nach einer Trennung: „Sie lieben ihre Kinder, aber ihre Vaterrolle ist ihnen nicht so ganz klar“, sagt Carapetyan. Nach dem Motto: Freitags kann ich nicht, da habe ich Sport.

Möchtergern-Papa

Er will mehr Zeit mit den Kindern verbringen, kann aber nicht. Der Job steht im Weg. Oder eine Trennung: „Viele Väter sind engagiert und wollen genauso wie die Mutter am Leben der Kinder partizipieren, tun sich aber schwer, wenn das nicht ermöglicht wird“, sagt Carapetyan. „Sie wollen nicht auf die Wochenenden reduziert werden.“

Wechsel-Papa

Das sogenannte Wechselmodell bei getrennt lebenden Eltern ist denkbar simpel. „Eine Woche Mama, eine Woche Papa“, erklärt Carapetyan. Kinder hätten mit der sogenannten „Doppelresidenz“ ein gleichwertiges Zuhause.

Alleinerziehender

Alles andere als die Regel. Dieser Typus komme vor allem bei Witwern vor – oder wenn die Mutter etwa eine chronische Krankheit habe, erklärt Carapetyan. Ansonsten werde vor allem die Mutter schnell zum Gesprächsthema in der Nachbarschaft. „Der Begriff Rabenmutter existiert noch. Man muss sich schon im sozialen Umfeld rechtfertigen“, sagt die Expertin.

Nico Pointner

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