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Frauen protestieren in Neu Dehli gegen die Vergewaltigung von indischen Frauen

Er muss nicht mal ins Gefängnis

Vergewaltigte Inderin: Geringe Strafe für Täter

Neu Dehli - Der Tod einer vergewaltigten Studentin in Indien löste weltweit Proteste aus. Der erste der Täter soll nun seine Strafe bekommen. Sie dürfte gering ausfallen.

Sieben Monate nach der mörderischen Gruppen-Vergewaltigung einer 23 Jahre alten Studentin in Indien soll an diesem Donnerstag das erste Urteil fallen. Es geht um die mutmaßliche Beteiligung eines jungen Mannes, der damals erst 17 Jahre alt war. Für ihn gilt das Jugendstrafrecht. Er muss deswegen höchstens mit drei Jahren in einer Erziehungsanstalt rechnen.

Ganz anders sieht es bei den vier volljährigen Verdächtigen aus. Ihnen droht die Todesstrafe. Ein Urteil wird Anfang August erwartet. Ein weiterer mutmaßlicher Täter war im März tot in seiner Gefängniszelle gefunden worden.

Zusammen sollen sie die Studentin in der Hauptstadt Neu Delhi in einem Bus entführt, vergewaltigt und gefoltert haben. Zwei Wochen später starb sie an ihren inneren Verletzungen. Das Verbrechen hatte landesweit Proteste ausgelöst und eine Debatte über die oft frauenverachtende Gesellschaft losgetreten.

Aufgrund des Jugendgesetztes muss der Täter nicht mal ins Gefängnis

Auch wenn der heute 18-Jährige in allen Anklagepunkten wie Mord und Gruppenvergewaltigung schuldig gesprochen wird: Das Jugendgesetz, das mehr auf Besserung als auf Bestrafung setzt, sieht auch in den schlimmsten Fällen nicht mehr als drei Jahre an einem sicheren Platz, aber nie in einem Gefängnis, vor. Das höchste Gericht Indiens hatte erst in der vergangenen Woche entschieden, dass Jugendliche ab 16 Jahren nach dem Erwachsenenstrafrecht behandelt werden.

In den speziellen Jugendgerichten sitzen neben dem Vorsitzenden Richter auch zwei Sozialarbeiter, die vor allem die Umstände beleuchten sollen, die zur Tat führten. „Dieses System funktioniert und viele Kinder und Jugendliche werden nicht rückfällig“, sagte Bharti Ali von der Kinderrechtsorganisation HAQ. Nur 6,8 Prozent der Verurteilten begingen erneut eine Straftat. Auch jugendliche Mörder hätten zurück in die Gesellschaft gefunden. „Aber bei diesem Jungen hier haben wir versagt: Die Medien genauso wie die Polizei, die Informationen weitergab“, sagte Ali. „Er wird keine faire Chance haben.“

Jugendlicher war mit elf Jahren aus ärmlichem Zuhause geflohen

Zahlreiche Zeitungen hatten aus der eigentlich geheimen Anklageschrift zitiert, in der der junge Mann demnach als der Brutalste der Gang bezeichnet wird. Er soll es auch gewesen sein, der am Abend des 16. Dezember die junge Frau und ihren Begleiter an einer Haltestelle in den Bus lockte, indem er vorgab, der Fahrkartenverkäufer zu sein. Als sich die Türen geschlossen hatten, fielen die sechs Täter über das Pärchen her und malträtierten es.

Der jüngste der Gruppe war laut der Zeitung „Indian Express“ schon mit elf Jahren von seinem ärmlichen Zuhause in einem Dorf in Uttar Pradesh davongelaufen. In der Hauptstadt habe er sich mit Jobs als Kellner, Tellerwäscher und Süßigkeiten-Verkäufer durchgeschlagen, bis er als Helfer in Bussen arbeitete und dort den mittlerweile toten Hauptbeschuldigten kennenlernte.

Der 18-Jährige sitzt seit sieben Monaten in Einzelhaft. Eine Attacke habe es auf ihn schon gegeben, sagt Ali, die um seine Sicherheit fürchtet. Die Mehrzahl der Demonstranten hatten nach der grausamen Tat im Dezember den Tod für die Täter gefordert. Eine junge Frau hielt ein Schild: „Vergewaltiger suchen sich immer das nächste Opfer. Hängt sie alle.“

dpa

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