Die Sonne scheint über der Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol. Foto: Ulf Mauder
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Die Sonne scheint über der Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol. Foto: Ulf Mauder

Welche Folgen hat das langfristig?

Wetterspuk beschert Tauwetter am Nordpol

Tauwetter am Nordpol im Winter - das geht gar nicht, meinen Laien. Doch vor Jahresende war es soweit. Aber nur ganz kurz. Dennoch: Die langfristigen Folgen sind schwer kalkulierbar.

London (dpa) - Als erste schlugen Meteorologen in Amerika Alarm. Ein Monstertief braue sich da über dem Atlantik zusammen. Saugt warme Luft an, schaufelt diese in Richtung Norden - bis hinauf zum Nordpol.

Und dort, wo es sonst um diese Jahreszeit unfassbare minus 30 bis minus 40 Grad kalt ist, drohten über Silvester Plusgrade. Im Winter Tauwetter am Pol also? Für Laien klang das geradezu apokalyptisch.   

Und tatsächlich: Das Tief wütete. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete einen Tag vor Silvester, an einer Boje in Nordpolnähe seien null Grad gemessen worden. Tauwetter oder Beinahe-Tauwetter in der Polarregion - unglaublich. Das Klima schien aus den Fugen geraten zu sein.

Auch sonst wütete das Tief. Bis nach England und Schottland reichten die Ausläufer, wo es abermals Überschwemmungen gab. Stunden später erfassten Monsterwellen Bohrinseln vor der norwegischen Küste. Ein Mensch kam ums Leben.

Doch der Spuk währte nur kurz. Schon am Silvestertag war die Welt am Pol wieder in Ordnung, halbwegs zumindest. Der Frost nahm die Nordpolarregion wieder fest in den Griff. Am Freitag meldeten die DWD-Meteorologen im Nordpolargebiet schon wieder Temperaturen von bis zu minus 24 Grad - immerhin.  

In Spitzbergen allerdings, der Inselgruppe im äußersten Norden, hielten die Plusgrade noch ein wenig an. Am Donnerstag waren es sechs Grad, am Freitagmorgen noch etwa drei. "Das ist schon sehr ungewöhnlich", sagte Meteorologe Markus Eifried der Deutschen Presse-Agentur (dpa) - doch sonderlich aufregen konnte das den Experten nicht. "Da spielt wohl auch der Föhn von den nahegelegenen Bergen mit", so Eifried.  

Die Meteorologen räumen ein: Die tieferen Ursachen des Wetterspuks sind wissenschaftlich nicht zu erklären. Es gebe lediglich Vermutungen: Das in diesem Jahr extreme Wetterphänomen El Niño im Pazifik könnte eine Rolle spielen, ebenso der Jetstream, eine große Luftströmung einige Kilometer über dem Boden. Doch Genaues weiß man nicht. Laien wissen: Das Wetter spielt eben manchmal verrückt. Meteorologe Eifried drückt es so aus: "Wetter ist manchmal ein chaotisches System." Fest stehe nur, dass es mit dem Klimawandel nichts zu habe.   

Doch wie häufig gibt es eine solche Anomalie? Auch hier müssen die Wetterfrösche passen. Aber ganz so selten sind sie wohl auch nicht, meinen einige. Außergewöhnlich zwar, aber keine absolute Rarität. "Um eine Sensation handelt es sich nicht", meint Eifried. Sein "Bauchgefühl" sage ihm: So etwas komme alle 15 bis 20 Jahre vor, vielleicht auch nur alle 30.

Auch Dorthe Dahl-Jensen von der Uni Kopenhagen sieht das ähnlich. Doch sollten die Kapriolen künftig häufiger vorkommen, sieht sie Risiken. "Wenn es häufiger wird, wirkt es sich auf die Entwicklung und die Dicke des Meereises im Winter aus", meint sie. Die könnte dann zusehends dünner werden.   

Das globale Vorhersagemodell GFS der NOAA

Bericht der Washington Post

Netweather mit dem europäischen Vorhersagemodell des ECMF

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