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Auch Audi baute verbotene Software ein.

"Dieselgate"

Abgas-Skandal: Audi baute verbotene Software ein

Ingolstadt - Im „Dieselgate“, der Abgas-Affäre des VW-Konzerns, gibt nun auch die Tochter Audi Gesetzesverstöße zu. Manipulations-Absicht bestreitet das Unternehmen jedoch weiter.

Der Autobauer Audi hat im Abgas-Skandal der Konzernmutter Volkswagen die Installation einer Software zugegeben, die in den USA als illegales Schummelprogramm gilt. Das Unternehmen teilte am Montagabend mit, den US-Behörden bei der Zulassung von 3,0-Liter-Diesel-Autos insgesamt drei Software-Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als „Defeat Device“ betrachtet. Als Defeat Device bezeichnen die US-Umweltbehörden EPA und CARB verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten bei Emissionstests.

Bislang hat der VW-Konzern nur eingeräumt, in den USA bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben, die Schummelvorwürfe gegen den größeren, von der Tochter Audi entwickelten Motor jedoch abgestritten.

Obwohl nun auch beim 3,0-Liter-Diesel Gesetzesverstöße zugegeben wurden, bestreitet das Unternehmen weiter eine vorsätzliche Täuschung. Ein Audi-Sprecher sagte, es handele sich nicht um eine Manipulations-Software: „Dann müsste das System auf dem Prüfstand anders agieren als auf der Straße - das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem Prüfstand steht.“ Fest steht allerdings, dass der VW-Konzern den Einbau der strittigen Software den US-Behörden nicht vorschriftsgemäß gemeldet hat.

Die US-Ermittler stützen sich bei ihrer Annahme, dass es sich bei dem strittigen Programm um Schummelsoftware handelt, auf Testergebnisse. Diese zeigten, dass der Abgasausstoß bei Emissionstests deutlich geringer ausfiel als im Normalbetrieb. Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Schritte der Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle wurde bis auf weiteres verlängert.

Audi werde das Programm nun überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen. Die aktualisierte Software werde aufgespielt, sobald sie von den Behörden freigegeben wurde. Den Aufwand dafür schätzt das Unternehmen auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Ob die US-Regulierer diesem Verfahren zugestimmt haben, blieb zunächst unklar. Ein CARB-Sprecher erklärte auf Nachfrage lediglich, am Vorgehen der Behörden habe sich nichts geändert.

Am Freitag hatten CARB und EPA betont, dass der VW-Konzern wegen der Regelverstöße mit Konsequenzen rechnen müsse. Zuvor war bekanntgeworden, dass die verdächtige Software nicht nur in Volkswagen-, Audi- und Porsche-Modellen der Baujahre 2014 bis 2016 installiert, sondern bereits seit 2009 verwendet wurde. Dadurch stieg die Zahl der betroffenen Fahrzeuge von 10 000 auf 85 000 an. Dazu kommen in den USA mehr als 480 000 Wagen mit 2,0-Liter-Diesel, bei denen VW im September Manipulationen zugegeben hatte.

dpa

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