Fahrzeuge der ADAC-Pannenhilfe. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Illustration
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Fahrzeuge der ADAC-Pannenhilfe. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Illustration

Bilanz vorgelegt

ADAC kommt glimpflich durch die Krise

München - Der ADAC hat etliche Tochterfirmen. Mit dem Skandal um Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ wuchs auch das Misstrauen gegen den Konzern ADAC. Der zieht nun Bilanz, die erste seit der Krise - die hat ein paar Dellen und Kratzer, aber der Club sieht sich stabil.

Die Liste der ADAC-Tochterfirmen ist stattlich. Der größte Verein Deutschlands ist nicht nur ein Autofahrerclub, sondern auch ein Konzern, der den Mitgliedern Finanzdienstleistungen, Versicherungen oder eine Autovermietung bietet. Das war auch vor dem Skandal um die Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ schon so. Hunderttausende Mitglieder kündigten, der Ruf wurde massiv beschädigt. Doch mit der Affäre rückten auch die mehr als 40 Firmen in den Fokus.

Nun zog der ADAC seine geschäftliche Bilanz. Auch das hat der Club bereits in früheren Jahren getan, meist hielt sich die Aufmerksamkeit allerdings in Grenzen. Zusammen kommen die Töchter, die unter dem Dach der Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH zusammengefasst sind auf mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Unter dem Strich verdienten die Firmen 104 Millionen Euro. Vor allem wegen eines Steuereffekts waren das 15 Millionen weniger als 2013.

Daran, dass der ADAC seine Firmen und deren wirtschaftlichen Erfolg braucht, lässt der Club keinen Zweifel. Das sehen auch Experten so. Edda Müller, Chefin von Transparency International Deutschland, hat gemeinsam mit anderen Fachleuten den ADAC beraten. „Nur so kann der ADAC die teilweise aufwendigen Clubleistungen auf höchstem Niveau refinanzieren“, sagte sie vor einigen Monaten im ADAC-Interview. In kleinerem Maßstab gilt das auch für die Krise: Die Kosten für die Aufräumarbeiten schätzt der ADAC auf 16 Millionen. Das Geld überwiesen die Firmen-Töchter an den ADAC e.V., um kein Geld aus Mitgliedsbeiträgen für die Bewältigung der Krise nehmen zu müssen.

Die bisherige Firmen-Konstruktion wird überarbeitet. Der ADAC hat sich im Zuge seiner tiefen Krisen einen Reformplan verordnet, der deutlicher als bisher zwischen Verein und den kommerziellen Töchter unterscheiden soll. Denn ob sich die bisherige Praxis mit dem Wesen des Vereins als Idealverein vereinbaren lässt, ist offen. Das Amtsgericht München prüft den Vereinsstatus des Clubs seit Monaten. Für den ADAC hängt von dem Verfahren viel, wenn nicht alles ab.

Nun wartet das Gericht die Umbauten ab. Auf der Hauptversammlung Ende 2014 wurden dafür die Leitplanken gesetzt. Organisatorisch soll der Verein mit der Pannenhilfe strikter von den Firmen getrennt werden. Die sollen unter dem Dach einer Aktiengesellschaft gebündelt und von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden. Doch die Umsetzung ist komplex und braucht Zeit. „Trotzdem wollen wir diesen Prozess bis Ende dieses Jahres abschließen“, sagte ADAC-Präsident August Markl.

Rückzug aus dem Fernbusmarkt

Bei manchen Engagements entschied der Club allerdings rasch. So wurden Pläne für eine eigene Werkstattkette aufgegeben - und auch aus dem Fernbusmarkt zog sich der ADAC wieder zurück. Eigentlich hatte der Club gemeinsam mit dem Partner Deutsche Post hier gute Geschäfte machen wollen. Die übrigen Maßnahmen werden sich hinziehen. Dieses Jahr will sich der ADAC von der Versicherungstochter Arisa trennen.

Schnellschüsse will Markl vermeiden, es steht nach wie vor einiges auf dem Spiel. Der Skandal um die „Gelben Engel“ Anfang 2014 war der Auftakt zu einem Sturm, der am Ende nicht nur den Kommunikationschef sondern auch Präsident und Geschäftsführer davon fegte. Beinahe jeden Tag gab es neue Vorwürfe. „Viele davon haben sich als haltlos erwiesen, einige entsprachen den Tatsachen“, sagte Markl. Vor allem sei die Glaubwürdigkeit des ADAC erschüttert worden.

Das bekommt der ADAC auch bei der Mitgliederentwicklung zu spüren. Jahrzehntelang gingen die Zahlen nach oben. Und auch 2014 konnte am Status wenig ändern. Todesfälle, Austritte und Eintritte verrechnet, steht für das vergangene Jahr ein Minus von 18 956. Da der Verein fast 19 Millionen Mitglieder hat, fällt der Rückgang mit 0,1 Prozent gering aus. Trotz aller Schlagzeilen zeige dies, dass die Mitglieder dem Club die Treue hielten, sagte Geschäftsführer Alexander Möller.

dpa

Bilanz ADAC e.V. 2013

Bilanz der ADAC-Unternehmen 2013

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