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Aldi und sein Konkurrent Lidl haben mit Europa Großes vor.

Deutschland ist nicht genug

Das haben Aldi und Lidl in Europa vor

Neckarsulm - Wer Urlaub in Europa macht, ist erstaunt, wenn er vor einer Aldi- oder Lidl-Filiale steht. Noch mehr werden Kunden staunen, wenn sie den Europa-Plan der deutschen Discounter lesen.

Vor Jahrzehnten hatten Handelsexperten vorausgesagt, dass Aldi und Lidl den Handel in Deutschland revolutionieren werden. Sie lagen mit ihrer Prognose richtig. Es gibt nicht viele Orte in Deutschland, in denen die Bewohner nicht wenigstens nach ein paar Auto-Minuten in einem Aldi, Lidl oder einem anderen Discounter einkaufen können –  oder sogar wie in Gröbenzell zwei Filialen fast nebeneinander zur Auswahl haben. In Deutschland ist für die ehrgeizigen Discounter nicht mehr viel zu holen.

Das Marktforschungsunternehmen Nielsen geht davon aus, dass Aldi, Lidl und die anderen die Discount-Revolution energisch in andere Länder exportieren werden. "Aldi und Lidl, aber auch Penny sind dabei, ihre Potenziale im europäischen Ausland stärker auszuschöpfen", beobachtet Nielsen-Experte Fred Hogen.  

"Ich gehe davon aus, dass die Discountketten ihren Anteil am Lebensmittelhandel in Europa innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 25 Prozent ausbauen", sagt Hogen in der WELT. Ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten, die er prognostiziert, klingt nicht nach Mega-Expansion, würde aber einen Umsatzzuwachs von mindestens 50 Milliarden Euro bedeuten –  ungefähr so viel wie das jährliche Geschäftsvolumen von Rewe.

Deutsche Discounter wollen mehr Filialen im Ausland eröffnen

Hogen glaubt, Aldis, Lidls und auch Pennys Europa-Pläne zu kennen:  "Die Discounter werden ihre Marktanteile in Europa durch eine Erweiterung des Filialnetzes hochschrauben." Damit werde der Handel in Europa "umgekrempelt".

Video: Hinter den Kulissen des Discount-Giganten Lidl

Die Manager hätten in der Vergangenheit gelernt, was sie international anders machen müssten, sagt der Experte der Marktforschungsfirma Nielsen: "Zunächst haben sie versucht, das deutsche Geschäftskonzept eins zu eins zu übertragen. Jetzt passt man sich deutlich stärker an regionale Gegebenheiten an." Hogen nennt das Beispiel Schweiz: Dort hätten sich die Kunden keinen "Abklatsch des deutschen Sortiments" gesträubt, weshalb es in den Schweizer Filialen mehr Produkte und Werbung mit dem rot-weißen Kreuz gäbe. 

In Österreich hätten die Discounter sich an die Öffnungszeiten angepasst und in Großbritannien mehr Werbung gemacht, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Im europäischen Ausland kommt den deutschen Discounter die wirtschaftliche Kirse gelegen: "Die sinkende reale Kaufkraft in vielen europäischen Märkten ist der Wegbereiter für die deutschen Discounter", sagt Hogen.

Discounter Aldi mischt Australien auf

Der Discounter Aldi macht auch in Australien immer bessere Geschäfte. Unter dem Druck der Konkurrenz legten die Deutschen erstmals Zahlen über ihre Aktivitäten in dem Land vor: Mit mehr als 370 Läden an der australischen Ostküste soll das Unternehmen seinen Vorsteuergewinn zwischen 2010 und 2013 mehr als verdoppelt haben. Aldi Australien steigerte seinen Gewinn vor Steuern der Deutschen Presseagentur (dpa) zufolge zwischen 2010 und 2013 von 121 auf 261 Millionen australische Dollar (81 auf 174 Millionen Euro nach aktuellem Kurs).

Die traditionellen Supermarktketten Woolworths und Coles betrachten den Konkurrenten argwöhnisch. Aldi ist seit 2001 in Australien und hat dort inzwischen einen Marktanteil von elf Prozent sowie 9000 Mitarbeiter.

In Australien testet Aldi zudem seit kurzem Luxus-Filialen, die auch besserverdienende Kunden ansprechen sollen. Motto: Billige Produkte in schickem Ambiente.

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sah

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