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Den Discountern geht es derzeit gar nicht gut. 

Aldi macht Minus

Berlin - Der seit Monaten tobende Wettbewerb zwischen den Billigheimern verschärft sich immer weiter. Doch sind die Grenzen ihres Wachstum offenbar längst erreicht.

Berlin - Nach einer jüngsten Erhebung des Nürnberger Marktforschers GfK erleben ausgerechnet die preisaggressivsten Lebensmittelhändler derzeit ein Umsatzdesaster. Laut GfK-Daten, über die die “WirtschaftsWoche“ in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, verharrte im vergangenen Jahr Lidls Anteil am 150 Milliarden Euro schweren Lebensmittelmarkt bei 9,8 Prozent und verzeichnete gerade mal ein Wachstum von 0,1 Prozent. Den Erzrivalen Aldi traf es allerdings noch härter: Sein Marktanteil schrumpfte von 19 auf 18,4 Prozent. Zugleich sank der Umsatz um vier Prozent, der wohl heftigste Einbruch in der Firmengeschichte des Discounterkönigs.

Für diese Entwicklung sieht GfK-Spezialist Wolfgang Twardawa gleich mehrere Gründe. Nicht nur der Preisdruck drücke auf die Umsätze, auch das Geschäft mit den Aktionswaren laufe schon lange nicht mehr gut. Die Deutschen seien mit Kochtöpfen und Bohrmaschinen einfach überversorgt. Das zeigten auch die Retouren und Restverkäufe. Außerdem seien das Wachstum in der Fläche und beim Sortiment völlig ausgereizt. “Jeder Haushalt in Deutschland kann mit dem Auto innerhalb von 10 Minuten einen Discounter erreichen“, sagt der Konsumforscher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Höchstens Aldi könnte noch einen kleinen Schub erleben mit seinen neuen Brotbackautomaten, die der Billigheimer im Herbst einführte - zunächst aber nur punktuell.

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Massive Verschiebungen hat es auch beim Klientel gegeben: Die Discounterstammkunden, die schon immer auf den Preis achteten, müssen aufgrund der Wirtschaftskrise den Gürtel noch enger schnallen und kaufen weniger ein, beobachtet Twardawa. Die gehobene Mittelschicht hingegen, die von den Billigkrämern in den vergangenen Jahren mit gehobenerem Angebot wie Serano-Schinken und italienischem Rotwein massiv umworben wurde, wandert immer mehr zu den Vollsortimentern von Rewe und Edeka ab. “Dort bekommen sie mittlerweile beides, das Billigsegment und die hochwertigen Markenprodukte.“

Auch im Ausland Probleme

Gut 42 Prozent Marktanteil haben die rund 15 000 Discounter derzeit im hartumkämpften Lebensmitteleinzelhandel. Verschärft hat sich der Wettbewerb noch durch den aufstrebenden Edeka-Discounter Netto. Nach Beobachtungen des Handelsinformationsdienstes Planet Retail haben beispielsweise Aldi Süd und Nord mit ihren zusammen knapp 4300 Filialen kaum noch Spielraum und wachsen höchstens im Ausland. Doch dort gibt es strategische Probleme. “Insbesondere in Osteuropa wird kaum etwas verdient“, sagt Twardawa. Während Aldi in Deutschland eine lange Geschichte und ein Image habe, müsse dies in Polen, Tschechien oder Bulgarien erst noch aufgebaut werden. Auch gebe es gerade in diesen Ländern, wo nicht jeder Haushalt über ein oder gar zwei Autos verfügt, ein anderes Nahversorgungsprinzip. Aldi hat den längsten Atem Ob es aber eine Fortsetzung des Preisscharmützels vom vergangenen Jahr geben wird, als es insgesamt 12 Preissenkungsrunden gab, bleibt noch abzuwarten. “Das ist schwer vorherzusagen“, betont Twardawa.

Sollten die Weltwirtschaft und damit die Rohstoffpreise wieder anziehen, werde es für weitere Preissenkungen kaum Luft geben. Angesichts der guten Ausgangsposition von Aldi, könnte es aber für die Konkurrenz eng werden. Durch striktes Kostenregime weisen die Billigfilialen der Gebrüder Karl und Theo Albrecht als einzige Umsatzrenditen von rund vier Prozent aus und könnte damit gut abwarten, wie sich die Mitwettbewerber untereinander zerreiben. “Aldi hat den längsten Atem. Da liegen bei Rewe und Edeka die Nerven durchaus blank“, beobachtet der Gfk-Experte.

dpa

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