Amazon Streit Disney
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Der Online-Händler Amazon streitet sich mit Disney und nimmt keine DVD-Vorbestellungen für demnächst erscheinende Filme an.

Neue Runde im Verhandlungspoker

Amazon greift Disney an

New York - Amazon macht Druck auf die Unterhaltungsfirma Disney und nimmt keine DVD-Vorbestellungen für demnächst erscheinende Filme an. Autoren protestieren gegen die Druck-Methoden von Amazon.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon setzt jetzt auch den Unterhaltungsriesen Disney unter Druck. Am Wochenende waren anstehende Video-Neuerscheinungen wie der zweite „Captain America“-Film, „Maleficient“ und der jüngste „Muppets“-Streifen in den USA nicht auf DVD oder Blu-ray vorbestellbar. Derzeit können die Disney-Filme nur für den Amazon-Streamingdienst Instant Prime Video vorbestellt werden. Eine Reaktion von Disney lag zunächst nicht vor.

Diese Methode hatte Amazon bereits bei Videofilmen von Time Warner und Büchern des Verlags Hachette eingesetzt. Amazon will so Druck in Verhandlungen über neue Vertriebsdeals aufbauen.

Autoren gehen auf die Barrikaden

Während die Gespräche mit Time Warner binnen weniger Wochen abgeschlossen wurden, ist der seit mehr als fünf Monaten andauernde Streit zwischen Amazon und dem US-Ableger des französischen Verlags Hachette ist unterdessen am Wochenende eskaliert.

Nachdem rund 900 Schriftsteller Amazon aufgerufen hatten, die Auseinandersetzung mit Hachette zu beenden, rief der Internet-Riese am Samstag die Leser auf, ihre Meinung mitzuteilen. Dazu veröffentlichte Amazon auf der Website readersunited.com die E-Mail-Adresse von Hachette-Chef Michael Pietsch. Die Schriftsteller, darunter berühmte Autoren wie Stephen King oder John Grisham, verurteilten das Vorgehen von Amazon im Streit um E-Book-Preise scharf. „Weder Leser noch Autoren profitieren davon, dass Bücher als Geiseln genommen werden“, schrieben sie. Zugleich betonten die Autoren, dass sie in dem eigentlichen Streit zwischen Amazon und Hachette keine Partei ergreifen wollten.

Unter den Unterzeichnern des von Bestseller-Autor Douglas Preston verfassten Protestbriefs finden sich auch weitere bekannte Literaten wie David Baldacci, Lincoln Child oder Suzanne Collins. Sie riefen die Leser auf, Amazon-Chef Jeff Bezos per E-Mail die Meinung zu sagen. Amazon verstoße gegen sein eigenes Versprechen, vor allem an die Kunden zu denken, indem der Konflikt mit Hachette auf dem Rücken der Leser ausgetragen werde.

Amazon bekräftigte als Reaktion die Forderung nach niedrigeren E-Book-Preisen und verteidigte zugleich seine Verhandlungsmethoden. Der Verlag Hachette habe in den Verhandlungen drei Monate lang gemauert und sich erst zähneknirschend mit den Amazon-Argumenten auseinandergesetzt, „als wir Maßnahmen ergriffen, den Verkauf ihrer Titel in unserem Store zu reduzieren“.

Amazon verteidigt Druck-Methoden

Diese Erklärung in einem offenen Brief des „Amazon Buchteams“ an die Leser war auch das erste öffentliche Eingeständnis solcher Druckmittel. Gedruckte Bücher von Hachette hatten in den USA zum Teil sehr lange Lieferzeiten gehabt. Amazon empfahl Lesern, in der Zwischenzeit Titel anderer Verlage zu kaufen.

Einen ähnlichen Streit um die Preise für E-Books gibt es auch in Deutschland. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschwerte sich beim Bundeskartellamt über den Online-Händler. Amazon wies den Vorwurf zurück, im Zuge von Verhandlungen die Auslieferung gedruckter Bücher aus der Verlagsgruppe Bonnier (Ullstein, Piper, Carlsen) zu verzögern.

In seiner Antwort schrieb Amazon unter anderem, Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe. „Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr.“

Das Unternehmen verwies erneut auf frühere Berechnungen, wonach mit niedrigeren E-Book-Preisen wie 9,99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14,99 Dollar, so dass Schriftsteller und Verlage am Ende sogar mehr verdienen würden.

Hachette-Chef Michael Pietsch forderte den Online-Händler auf, die Sanktionen aufzuheben. „Amazon will deutlich mehr Gewinn und noch mehr Marktanteil auf Kosten der Autoren, stationärer Buchläden und uns“, erklärte er dem „Wall Street Journal“ zufolge.

Amazon hatte früh auf digitale Bücher gesetzt und mit Preisen bei 9,99 Dollar das Geschäft in den USA zunächst dominiert. US-Verlage nutzten den Start von Apples E-Book-Store auf dem iPad-Tablet, um ein Modell nach dem Muster der deutschen Buchpreisbindung durchzusetzen, bei dem sie selbst und nicht der Händler den Preis bestimmen können.

Nach Einschreiten von US-Behörden wurde dieses Verfahren jedoch gekippt, und Amazon kann wieder die Bücher bei Verlagen zum Großhandelspreis beziehen. Hachette stemmt sich in Verhandlungen über einen neuen E-Book-Deal gegen den von Amazon geforderten niedrigeren Preis bei 9,99 Dollar.

dpa/AFP

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