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Ein Mann surft mit seinem Computer auf der Seite des Internetbuchhandels amazon.de und deutet mit dem Zeigefinger auf das Logo

Offenbar ohne Vorwarnung

Zu viele Retouren: Amazon wirft Kunden raus

Berlin - Wenn Kunden zu viel bestellte Ware zurückschicken, sperrt Amazon die entsprechenden Konten - und zwar unwiderruflich. Besonders hart trifft das Kindle-Besitzer und Nutzer der Amazon Cloud.

"Wir haben bemerkt, dass Sie eine hohe Anzahl Ihrer kürzlich bestellten Artikel zurückgegeben haben. (...) Wir müssen Sie deshalb darauf hinweisen, dass wir aufgrund der Überschreitung der haushaltsüblichen Anzahl an Retouren in Ihrem Kundenkonto zukünftig leider keine weiteren Bestellungen entgegennehmen können und Ihr Amazon-Konto mit sofortiger Wirkung schließen." Diese Passage stammt aus einem Schreiben von Amazon, das in Teilen bei "Caschys Blog" auf der Seite stadt-bremerhaven.de veröffentlicht wurde.

Unterm Strich bedeutet das: Schickt man als Kunde zu viel der bei Amazon bestellten Ware zurück, sperrt einem das Unternehmen offenbar ohne Vorwarnung und unwiderruflich das Konto. So geht es zumindest aus dem Blog-Eintrag hervor. Unklar ist allerdings, was Amazon konkret unter einer "haushaltsüblichen Anzahl an Retouren" versteht.

Amazon weigert sich, zu konkreten Fragen Stellung zu beziehen

Bislang hält sich der Versandhandelsriese mit Zahlen zurück, rechtfertigt sich jedoch auf Anfrage von merkur-online.de mit folgendem Standard-Statement (das so auch schon an den Medien-Dienst "Meedia" versandt wurde): "Amazon.de ist eine Website für Verbraucher, also Personen, die haushaltsübliche Mengen bestellen. Dies kommunizieren wir in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie auf unseren Hilfeseiten. Maßnahmen wie eine Kontoschließung nehmen wir nur in Ausnahmefällen nach eingehender umfassender Prüfung vor, wenn eindeutig feststeht, dass bei dem betroffenen Konto kein Einkaufs- und Retourenverhalten eines Verbrauchers vorliegt." Dabei geht das Unternehmen auf keine der sieben in einer E-Mail gestellten Fragen ein.

Christian Solmecke, ein auf Medien-, IT- und Urheberrecht spezialisierter Anwalt aus Köln, erklärt gegenüber dem Nachrichtenportal express.de, warum die aktuelle Handhabung mit Konto-Sperrungen seitens Amazon problematisch ist: Der Staat versucht, den Verbraucher mit Gesetzen zu schützen. Das gesetzliche Widerrufsrecht sieht deshalb vor, dass online gekaufte Artikel prinzipiell innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der Ware ohne Begründung zurückgeschickt werden können.

Unter folgenden Voraussetzungen ist Amazon im Recht

"Kunden, die von diesem Recht Gebrauch machen, darf nicht ohne weiteres das Konto gesperrt werden, selbst wenn sie übermäßig viele Artikel zurückschicken. Dies hätte sonst eine Aushöhlung des gesetzlichen Widerrufsrechts zur Folge. So könnten Kunden aus Sorge vor Sperrung des Accounts von der Rücksendung von Artikeln abgehalten werden, obwohl ihnen dieses Recht gesetzlich zusteht. Eine solche Situation würde nicht dem Willen des Gesetzgebers entsprechen", so Solmecke.

Allerdings räumt Amazon von sich aus Kunden das Recht ein, Waren innerhalb von 30 Tagen zurückzuschicken. Außerdem nimmt der Versandhandelsriese auch Einkäufe zurück, die vom gesetzlichen Widerrufsrecht nicht betroffen sind - wie zum Beispiel eBooks. Deshalb könne die rechtliche Bewertung einer "Rücksendung aufgrund dieser freiwillig gewährten Rückgabegarantie" anders ausfallen, erklärt der Rechtsanwalt. Darüber hinaus könne sich Amazon auf den Grundsatz der Privatautonomie berufen, der es dem Unternehmen erlaubt, selbst zu entscheiden, mit wem es Geschäfte machen will.

E-Reader nach Sperrung nutzlos - Daten in der Cloud nicht abrufbar

Kommt es zu einer Sperrung des Kontos, trifft das vor allem Nutzer der Amazon Cloud und Kindle-Besitzer hart. So können Letztere zwar noch auf gekaufte Inhalte zugreifen, berichtet "Meedia". Der Kauf neuer Bücher ist allerdings nicht mehr möglich - und der E-Reader damit weitestgehend nutzlos. Nutzer der Cloud können nach einer Sperrung des Kontos nicht einmal mehr auf die eigenen Daten zugreifen, berichtet express.de. Diese Einschränkungen sind laut Rechtsanwalt Solmecke "unverhältnismäßig" und deshalb rechtlich anfechtbar.

pie

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