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Der Streik bei Amazon geht in die zweite Woche. Foto: Uwe Zucchi

Mitten im Weihnachtsgeschäft

Bisher längster Streik bei Amazon Deutschland

Bad Hersfeld/Leipzig  - Seit mehr als einem Jahr kämpft die Gewerkschaft Verdi um eine bessere Bezahlung für die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon. Doch die Positionen bleiben verhärtet.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will im Konflikt mit dem Online-Versandhändler Amazon den Druck erhöhen. Mitten im Weihnachtsgeschäft ging der bisher längste Streik in der Geschichte von Amazon Deutschland in die zweite Woche. Er soll bis Heiligabend (15.00 Uhr) andauern, wie Verdi bekräftigte.

An den Standorten Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) und Graben (Bayern) legten Beschäftigte die Arbeit nieder. Laut Verdi sind am Dienstagvormittag auch Amazon-Beschäftigte in Frankreich in einen Ausstand getreten. Nach Angaben von Verdi haben sich an den fünf deutschen Standorten 2000 Beschäftigte an den Streiks beteiligt. Amazon sprach von weniger als 1850.

Am Standort Brieselang (Brandenburg) sollen zum Jahresende 1000 befristet Beschäftigte ihre Jobs verlieren, wie Verdi mitteilte. Weitere Befristungen gehen bis Ende Januar und Ende Juni 2015. In Rheinberg trifft es laut Gewerkschaft zum Jahresende 370 von 550 befristet Beschäftigten. Eine Amazon-Sprecherin wollte sich dazu vorerst nicht äußern.

Bisher habe sich Amazon in dem seit Mai 2013 anhaltenden Konflikt nicht auf die Gewerkschaft zubewegt, kritisierte die Gewerkschaft. „Sie versuchen das auszusitzen“, sagte der Sprecher des Verdi-Bundesvorstandes, Christoph Schmitz. „Unser Ziel ist letztlich nicht, dass die Pakete verspätet ankommen“, sagte er. Amazon sei in der Pflicht, seine Lieferversprechen gegenüber den Kunden einzuhalten. Doch der Aufwand dafür werde durch die Streiks höher und treffe das Unternehmen wirtschaftlich. „Wir rufen ja nicht zum Boykott auf“, betonte er.

Die Streikwelle bei Amazon hatte am vergangenen Montag (15. Dezember) begonnen. Am Sonntag gab es eine kurze Pause. In den insgesamt neun deutschen Verteilzentren arbeiten nach Unternehmensangaben in der Vorweihnachtszeit rund 20 000 Menschen. Verdi will den deutschen Ableger des US-Giganten Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu den besseren Bedingungen des Einzel- und Versandhandels zwingen. Amazon lehnt das weiterhin strikt ab und verweist darauf, dass die Bezahlung der Mitarbeiter sich am oberen Bereich der Logistikbranche orientiert.

Nach den Angaben von regionalen Verdi-Sprechern ist der Streikwille ungebrochen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Sabine Busch von Verdi in NRW. Pro Tag hätten sich etwa 700 Mitarbeiter am Ausstand beteiligt. Im bayerischen Graben verordnete Verdi den Streikenden eine Ruhepause. „Wir holen sie nicht mehr jeden Tag vors Tor, sondern lassen sie zu Hause bleiben“, sagte Hubert Thiermeyer von Verdi Bayern.

Auch an den beiden Versandlagern in Bad Hersfeld soll bis Heiligabend gestreikt werden. Das hätten die Mitarbeiter bei einer Streikversammlung bekräftigt, sagte Verdi-Vertreterin Mechthild Middeke. Sie sieht das Potenzial, die Schrauben noch enger zu ziehen. „Wir haben dieses Jahr mit Streiks an bis zu sechs Standorten eine ganz schöne Steigerung hingekriegt“, sagte sie. „Wir trauen uns zu, den Druck im kommenden Jahr noch zu erhöhen.“

Amazon-Sprecherin Anette Nachbar unterstrich, das Unternehmen stehe zu seinem Lieferversprechen. Das Anliegen der Geschäftsführung sei ein respektvoller Umgang innerhalb der Belegschaft. „Wir respektieren das Streikrecht der Kollegen, aber wir erwarten auch Respekt gegenüber denen, die sich entschieden haben, nicht zu streiken.“

dpa

Amazon-Standorte in Deutschland

Verdi zu Amazon

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Verdi-Mitteilung

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