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Der Stellenindex befindet sich auf einem Rekordhoch.

2,7 Millionen Arbeitslose erwartet

Stelle frei: Arbeitskräfte gefragt wie nie

Nürnberg - Gut ausgebildete Jobsucher hatten es selten so leicht - in deutschen Betrieben gibt es derzeit so viele freie Stellen wie nie zuvor. Besonders dringend sucht man im Sozial- und im Gesundheitswesen.

Ob in Altenheimen oder Kitas, der Industrie oder im Handwerk, in Werbeagenturen oder Unternehmensberatungsbüros - in deutschen Betrieben hat es noch nie so viele freie Stellen gegeben wie im Juni. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Montag kletterte die Arbeitskräftenachfrage in dem Monat saisonbereinigt auf ein neues Allzeithoch.

Die Bundesbehörde beruft sich dabei auf ihren monatlich ermittelten Stellenindex BA-X; dieser stieg im Juni um zwei Zähler auf 191 Punkte - und damit auf ein neues Rekordhoch. Die absolute Zahl der freien Stellen will die Bundesagentur erst an diesem Dienstag zusammen mit den Juni-Arbeitslosenzahlen veröffentlichen. Den BA-X gibt es seit 2004.

Die BA führt die seit Monaten steigende Arbeitskräftenachfrage vor allem auf das „derzeit robuste Wirtschaftswachstum“ zurück. Neue Arbeitsplätze entstünden vor allem in Dienstleistungsbranchen wie dem Gesundheits- und Sozialwesen. Jede zehnte freie Stelle gehe auf das Konto dieser beiden Sektoren. Weitere acht Prozent entfielen auf den Groß- und Einzelhandel. Aber auch die Industrie suche verstärkt nach Arbeitskräften.

Volkswirte deutscher Großbanken beurteilen den deutschen Arbeitsmarkt bislang ähnlich. So gehen die Ökonomen für den Juni von rund 2,7 Millionen Arbeitslosen in Deutschland aus. Dies wären etwa 60 000 weniger als im Mai und rund 130 000 weniger als vor einem Jahr. Selbst nach Abzug der starken Saisoneffekte sank nach ihren Berechnungen die Zahl der Arbeitslosen im Juni um etwa 5000.

Skeptischer fällt dagegen ihr Ausblick aus: Demnach dürfte der Jobaufschwung im zweiten Halbjahr an Tempo verlieren. Dabei sei selbst ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im Herbst nicht ausgeschlossen, berichteten einige Ökonomen in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten von ihnen rechnen allenfalls mit stagnierender Erwerbslosigkeit.

In der zweiten Jahreshälfte werde der Arbeitsmarkt vor allem von der schwachen Konjunktur im ersten Quartal beeinflusst, sind die meisten Experten überzeugt. Bei Einstellungen würden solche Konjunkturentwicklungen oft erst Monate später spürbar. Einige Volkswirte machen zudem den Mindestlohn dafür verantwortlich; dieser habe bereits zu einem kräftigen Abbau von Minijobs geführt.

Die Griechenland-Krise dürfte dagegen nach Einschätzung der Ökonomen den deutschen Arbeitsmarkt vorerst unbeeindruckt lassen. „Es gibt deswegen schon einige Unsicherheiten. Die Griechenland-Krise drückt zweifelsohne auf die Unternehmensstimmung“, berichtete BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. „Das beeinflusst aber im Moment noch nicht die Beschäftigungspläne der Firmen.“

dpa

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