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Ein Kunde geht in Erfurt (Thüringen) durch die Tür des Jobcenters.

Erste Experteneinschätzung

Mehr Arbeitslose, aber auch mehr freie Jobs

Nürnberg - Nach Einschätzung von Experten ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar über die Drei-Millionen-Marke geschnellt. Das liegt auch am Winter. Doch es gebe auch mehr freie Stellen.

Frost und Schnee haben nach Experteneinschätzung die Zahl der Arbeitslosen im Januar wieder über die Drei-Millionen-Marke schnellen lassen. Zum Jahresbeginn seien in Deutschland 3,17 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen - und damit 300.000 mehr als im Vormonat und knapp 35.000 mehr als vor einem Jahr, berichteten Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Fachleute berufen sich auf eigene Berechnungen. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur am heutigen Donnerstag gegen 10 Uhr bekanntgeben.

Mitten im Winter zeigen sich nach Beobachtungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) aber bereits erste Lichtblicke. Viele Unternehmen rüsteten sich bereits für den in diesem Jahr erwarteten Konjunkturaufschwung, indem sie verstärkt neue Mitarbeiter suchten. Nach einer eher abwartenden Haltung im Vorjahr hätten Firmen wieder mehr freie Stellen ausgeschrieben. Die Bundesagentur verweist dabei auf den von ihr monatlich ermittelten Stellenindex BA-X; der Seismograph für die Arbeitskräftenachfrage legte im Januar um drei Zähler auf 156 Punkte zu.

Schubkraft der Konjunktur von Fachleuten unterschiedlich bewertet

Betroffen von dem starken Anstieg der Arbeitslosenzahl im Januar waren vor allem Beschäftigte in Außenberufen, wie Bauarbeiter, Gärtner und Mitarbeiter im Landschaftsbau. Wegen des kühlen Winterwetters ruhe derzeit auf vielen Baustellen die Arbeit, neue Bauprojekte würden erst zum Frühjahr begonnen. „Das bekommen nicht nur die Baufirmen, sondern auch die Zulieferbetriebe zu spüren“, gab etwa der Konjunktorforscher Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut zu bedenken. Zudem trenne sich der Handel nach dem Weihnachtsgeschäft von Saisonkräften. Auch endeten zum Jahresende viele befristeten Arbeitsverträge.

Unterschiedlich bewerten die Fachleute dagegen die Schubkraft der Konjunktur. Während Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld nach einem „durchwachsenen zweiten Halbjahr 2013“ derzeit noch keine Dynamik auf dem Arbeitsmarkt spürt, sieht DZ-Volkswirt Richard Holstein bereits erste positive Signale. Die würden sich im ersten Quartal noch verstärken. Für das Gesamtjahr rechnet die DZ-Bank mit einem Wachstum von 2,25 Prozent; das könnte im Jahresschnitt die Arbeitslosenzahl um mehr als 70 000 senken. Pessimistischer beurteilt Commerzbank-Experte Tuchtfeld die Lage: Er sorgt sich vor allem um die Investitionen, bei denen es nach seiner Beobachtung noch etwas „holpert“.

dpa

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