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Wie gut und günstig ist Tchibo wirklich? Die ARD hat den Markencheck gemacht.

Helene-Fischer-Kollektion mit Mängeln

ARD-Markencheck: So gut und günstig ist Tchibo wirklich

Hamburg - "Das gibt es nur bei Tchibo" - mit diesem Slogan wirbt Deutschlands größter Kaffeeröster. Doch wie originell und preiswert ist Tchibo wirklich? Die ARD hat den Markencheck gemacht. 

Von Gummistiefeln über Outdoor-Möbel bis High-Fashion-Mode - Tchibo verspricht eine knallbunte Markenwelt mit Schnäppchen für jedermann. Längst steht Deutschlands größter Kaffeeröster nicht mehr nur für den Verkauf des braunen Goldes. In den Regalen finden sich Waren aus allen erdenklichen Sparten - jede Woche verspricht Tchibo eine "neue Welt". Die ARD hat in ihrem Markencheck am Montag das Unternehmen genauer unter die Lupe genommen - mit erstaunlichen Ergebnissen: Sowohl die Preise als auch die Qualität von Tchibo sind ausbaufähig.

Ist das Versprechen von guten günstigen Produkten eine Lüge?

Beim Kaffee, der Ware, für die Tchibo einst hauptsächlich stand, ist alles in Ordnung. Die Sorten "Feine Milde" und "Beste Bohne" enthalten wie versprochen tatsächlich 100 Prozent Arabica-Bohnen. Diese sind fast doppelt so teuer wie herkömmliche Kaffeebohnen. Trotzdem sind sie bei Tchibo zu einem erschwinglichen Preis zu erwerben. Auch beim Geschmackstest punkten Tchibos Bohnen. Sie sind zwar etwas teurer als die vom Konkurrenten Aldi, schmecken aber eben auch ein bisschen besser. Ebenfalls erfreulich: Beim Hygienetest in den Filialen gab es keine Mängel.

Anders sieht es da beim Spielzeug aus: Minion Kevin, eine aufblasbare Spielzeugfigur, ist beim Check durchgefallen. Der Grund: Er enthält laut Labor-Analyse den krebserregenden Stoff Naphtalin. Das Vierzigfache des Grenzwerts wurde in dem Minion nachgewiesen. Ein höchst alarmierendes Ergebnis. Schließlich sollen Kinder mit der Figur spielen. Die Konsequenz: Tchibo startete eine Rückrufaktion. Bei Elektrogeräten liegt Tchibo im Vergleich wieder ganz vorne. Die Qualität der Produkte ist wohl abhängig von der jeweiligen Sparte.

Billige Preise auf Kosten fairer Arbeitsbedingungen

Undercover hat sich die ARD in Fabriken in Shanghai die Arbeitsbedingungen angesehen, unter denen Tchibo-Produkte hergestellt werden. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Doch dann der Schock: Einige Arbeiter tragen keine Mundschutz, andere arbeiten an Schneidemessern ohne Schutzhandschuhe. Ein Fabrikleiter berichtet, dass der Kostendruck von Tchibo enorm ist - das geht auf Kosten der Arbeitssicherheit. 

Doch wie steht es eigentlich um die Schnäppchenpreise, mit denen Tchibo wirbt? Der Markencheck fand heraus: Viele der Tchibo-Produkte, wie zum Beispiel Kleidung, gibt es auch bei H&M, KiK oder im Internet - oft zu viel günstigeren Preisen. Auch die Qualität der Textilien lässt zu wünschen übrig: Ein Oberteil aus der Helene-Fischer-Kollektion färbte beim Waschtest deutlich stärker ab, als ein T-Shirt vom Konkurrenten KiK. 

Durchwachsenes Testergebnis

Das Gesamturteil der Markttester: Tchibo ist sehr auf Qualität und Hygiene bedacht, trotzdem kommt es manchmal zu Ausreißern, wie bei der Minion-Figur. Bei anderen Produkten wie Elektrogeräten kann Tchibo hingegen punkten. Das Testurteil bei der Qualität: befriedigend, jedoch mit ein paar Ausnahmen. In Sachen Fairness muss Tchibo auch noch einiges nachholen. Das Urteil der Tester: ausbaufähig. Als enttäuschend beurteilten die Tester die Schnäppchen von Tchibo. Bei anderen Marken oder im Internet könne man vergleichbare Produkte zu besseren Preisen finden.

Insgesamt also ein durchwachsenes Testergebnis für Tchibo. Ähnlich urteilten die Tester über den Schuhriesen Deichmann, der vergangene Woche unter die Lupe genommen wurde. Auch hier zeigte sich: Gute Qualität und günstige Preise sind leider oft nicht vereinbar.

sb

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