Die abgekühlte Weltkonjunktur machte BASF einen Strich durch die Rechnung. Foto: Uwe Anspach/Archiv
+
Die abgekühlte Weltkonjunktur machte BASF einen Strich durch die Rechnung. Foto: Uwe Anspach/Archiv

Stellenabbau nicht ausgeschlossen

BASF plant neues Sparprogramm

Ludwigshafen - Der Chemieriese BASF setzt erneut den Rotstift an. Ein möglicher Stellenabbau soll über die natürliche Fluktuation aufgefangen werden.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF antwortet mit einem neuen Milliarden-Sparprogramm auf die abgekühlte Konjunktur. Es soll im kommenden Jahr starten und ab Ende 2018 eine Milliarde Euro zum Ergebnis beisteuern.

"Alle Bereiche, alle Regionen sind in irgendeiner Form betroffen", sagte Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel am Montag. Er schloss einen Stellenabbau nicht aus, allerdings werde dieser über die natürliche Fluktuation aufgefangen werden. "Die Wirtschaft boomt derzeit nicht", sagte Vorstandschef Kurt Bock. "Wir sehen schon einige Bremsspuren."

BASF verabschiedete sich auch von der 2011 ausgegebenen Parole, den Umsatz pro Jahr im Schnitt um sechs Prozent auf 115 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu steigern und den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis dahin auf rund 23 Milliarden Euro zu verdoppeln. Diese Ziele seien "nicht mehr gültig", sagte Bock. Als Gründe nannte er neben der langsamer als erwartet wachsenden Weltchemie und dem niedrigen Ölpreis die Abgabe des Gashandelsgeschäfts an den russischen Energieriesen Gazprom im Zuge eines Tauschs. Das ursprüngliche Umsatzziel für 2015 hatte BASF schon 2014 kassiert.

Zur Frage, welche Folgen die VW-Krise für den Katalysatorenlieferanten BASF haben könne, sagte Bock, damit gingen "Chancen für mehr Technologie" einher. "Das sollte kein Nachteil sein für einen Katalysatorenhersteller." Der Markt wachse und sei sehr attraktiv. BASF habe die nötige Technologie, um die Standards einzuhalten. VW ist nach seinen Angaben ein großer Kunde.

Der BASF-Chef nennt folgende Ziele für den Konzern: Der Umsatz soll nun etwas stärker steigen als die globale Chemieproduktion, die nach BASF-Einschätzung jährlich um 3,9 Prozent zulegen wird. Auch dieses Ziel sei durchaus anspruchsvoll, sagte Bock. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll deutlich stärker als der Markt wachsen. 2011 war BASF bei der Chemieproduktion noch von einem vierprozentigen Wachstums-Plus ausgegangen.

Zum Spar- und Effizienzprogramm "Drive" sagte Engel, es sei "ein bunter Strauß an Maßnahmen". Die Spanne kann laut BASF von der höheren Kapazitätsausbeute bei vorhandenen Anlagen bis zur Optimierung von Produktionsprozessen reichen. Ein anderes Sparprogramm läuft Ende dieses Jahres aus.

Nicht wie erhofft läuft es für die BASF derzeit bei ihren großen Hoffnungsträgern China und Brasilien. "In Asien gibt es auch im dritten Quartal mehr Gegenwind als Rückenwind", sagte Engel. Das Umfeld sei nicht leicht. Vor allem der große Chemiemarkt China sei nicht mehr so kraftvoll wie noch vor vier Jahren, sagte Bock. Und Brasilien stecke noch in einer Rezession. Bock betonte auch, BASF wolle im Iran Fuß fassen. Wie sich die Chemieproduktion dort entwickele, sei aber derzeit schwer abzuschätzen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Spanien statt Türkei: Tui fürchtet Krise am Bosporus nicht

Terroranschläge in der Türkei, Nordafrika und Europa halten die Reisebranche in Atem. Kunden sind verunsichert, die Buchungen in deutschen Reisebüros brachen zuletzt …
Spanien statt Türkei: Tui fürchtet Krise am Bosporus nicht

Hotels und Gaststätten fürchten deutliche Mindestlohn-Erhöhung

Berlin (dpa) - Vor der Entscheidung über einen höheren Mindestlohn warnen Hoteliers und Gastronomen vor übermäßigen Steigerungen. Nach dem Tarifindex des Statistischen …
Hotels und Gaststätten fürchten deutliche Mindestlohn-Erhöhung

Heizkosten sinken weiter - Öl deutlich billiger als Gas

Die Energiekosten für die privaten Verbraucher gehen seit zwei Jahren zurück. Auch die abgelaufene Heizperiode brachte eine Entlastung für Mieter und Hausbesitzer - vor …
Heizkosten sinken weiter - Öl deutlich billiger als Gas

Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die …
Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Kommentare