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Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Deutschland "zurückgefallen"

BDI-Chef warnt vor Verlust der Innovationskraft

Berlin - BDI-Präsident Grillo warnt die deutsche Industrie vor einem Verlust der Innovationskraft: "Wir sind zurückgefallen. Und wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch weiter zurückfallen."

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hat vor einem Bedeutungsverlust des Innovationsstandortes Deutschland gewarnt. „Wir sind zurückgefallen. Und wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch weiter zurückfallen“, sagte Grillo der Deutschen Presse-Agentur unmittelbar vor Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend. Er fügte hinzu: „Wir wollen nicht nur im Fußball Weltmeister werden, sondern gerade auch bei dem Thema Innovationen dürfen wir uns nicht zufriedengeben.“

Die Wirtschaft hat nach den Worten Grillos im vergangenen Jahr 54 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (F+E) gesteckt. „Das ist mehr als je zu vor. Aber wir brauchen mehr, um wieder an die Spitze zu kommen.“ Der Staat fördere derzeit Forschung und Entwicklung mit vier Prozent. In den wichtigsten Konkurrenzstandorten seien es im Schnitt 15 Prozent.

In zwei Dritteln der Staaten der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) werde Forschung und Entwicklung steuerlich gefördert. „Da muss mehr passieren, wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen will“, mahnte der BDI-Chef. International tätige Unternehmen bauten dort ihre Forschung und Entwicklung aus, wo es die beste Förderung gebe.

BDI-Innovationsindikator: Deutschland auf Platz 6

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrem neuen Video-Podcast, Deutschland stehe an einer industriellen Wegmarke. Die Frage sei, ob es gelinge, durch zeitgerechte Vereinigung mit den Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie Weltmarktführer in klassischen Bereichen zu bleiben. Die Bundesrepublik dürfe nicht den Anschluss verlieren. „Und deshalb sehe ich der Hannover Messe mit großer Hoffnung, aber auch mit großen Erwartungen an die deutsche Wirtschaft entgegen“, sagte die CDU-Politikerin.

Deutschland lag 2013 nach einem Innovationsindikator des BDI gesamtstaatlich auf dem sechsten Platz, mit Blick allein auf den Faktor Wirtschaft war es der dritte Platz hinter der Schweiz und Singapur.

Deutschland gehe es derzeit gut: Die Auslastung sei gut, die Produktion lege zu, die Auftragseingänge stiegen seit fünf Quartalen. Der BDI rechnet für dieses Jahr mit rund zwei Prozent Wachstum oder vielleicht auch ein bisschen mehr. Grillo mahnte jedoch: „Ich mache mir schon Sorgen, dass wir vor dem Hintergrund der guten jetzigen Situation die Zukunft vergessen.“ Und: „Innovation ist mittelfristige, langfristige Zukunft.“

Grillo: Digitalisierung muss vorangetrieben werden

Dringend notwendig sei auch eine weitere Digitalisierung der Wirtschaft. Dies wiederum hänge vom Ausbau der Breitbandnetze ab. Hier bestehe ein Investitionsbedarf von rund 20 Milliarden Euro bis 2018. „Das muss in die Hand genommen werden. Das kann nicht alles staatliches Geld sein, das kann auch privates Geld sein“, sagte Grillo.

Die Digitalisierung der Wirtschaft - Stichwort „Industrie 4.0“ - ist wie schon im vergangenen Jahr ein Kernthema der Hannover Messe. Die Kanzlerin wollte am Sonntagabend die weltgrößte Industrieschau eröffnen. Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des diesjährigen Partnerlandes Niederlande, Mark Rutte, gibt sie den Startschuss für die fünftägige Leitmesse.

dpa

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