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VW-US-Chef Michael Horn sagte unter Eid vor dem US-Kongress aus, doch der wollte ihm nicht so recht glauben.

Michael Horn vor US-Kongress

Betrugssoftware? VW-US-Chef: "Wusste von nichts!"

Washington - Fast zeitgleich zur Razzia gegen VW in Niedersachsen musste der US-Chef von Volkswagen gegenüber dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Es wurde ziemlich ungemütlich für ihn.

Michael Horn soll bereits im Frühjahr 2014 Probleme mit Abgaswerten von Dieselautos nach Wolfsburg gemeldet haben. Von einer betrügerischen Software in den Autos habe er aber erst vor wenigen Wochen erfahren, sagte er. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, hatte Horn 2014 den inzwischen beurlaubten VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer über mögliche Verstöße unterrichtet. Neußers Anwältin wollte dazu auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Horn hatte in einer vorab veröffentlichten Stellungnahme für die US-Anhörung erklärt, im Frühling vergangenen Jahres von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren zu haben. Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die US-Umweltbehörde EPA Strafen verhängen könnte. Horn betonte aber: „Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es einen „Defeat Device“ in unseren Autos gab.“ Erst kurz vor einem Treffen mit Vertretern der US-Umweltbehörde EPA am 3. September sei er über die Installation der „Defeat Device“ genannten Software zum Austricksen der Emissionstests informiert worden.

"Was zur Hölle haben Sie sich gedacht?"

Horn sagte, der Einbau der Betrugs-Software sei keine Unternehmensentscheidung gewesen: „Es hat kein Vorstandstreffen gegeben, auf dem das beschlossen wurde.“ Die Kongressabgeordneten blieben skeptisch. Er könne die Darstellung, es handele sich um „das Werk einiger verbrecherischer Ingenieure“ nicht akzeptieren, sagte der Republikaner Chris Collins. „Das ist nicht an einem Tag passiert.“ Andere Politiker äußerten sich noch deutlicher. „Was zur Hölle haben Sie sich gedacht - wie können Sie nachts schlafen?“, fragte der Demokrat Peter Welch.

Europas größter Autokonzern hatte vor drei Wochen eingeräumt, in Dieselfahrzeuge ein Computerprogramm eingebaut zu haben, mit dem die Abgaswerte manipuliert werden können. Von den weltweit rund elf Millionen betroffenen Fahrzeugen sind laut VW etwa acht Millionen in der EU zugelassen, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Dem Konzern drohen Straf- und Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe.

Hat VW wieder gelogen?

Unterdessen kommen jeden Tag neue Details ans Licht: VW räumte ein, die Steuerung zahlreicher Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 könne nicht nur den amerikanischen Abgastest erkennen, sondern auch den europäischen Prüfzyklus NEFZ. Dies berichteten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“.

Ein Unternehmenssprecher in Wolfsburg sagte dazu, ob und wie weit die Software tatsächlich unerlaubt eingreife, sei derzeit noch Gegenstand von internen und externen Prüfungen. „Auch ist rechtlich noch unklar, ob es sich überhaupt um eine verbotene Abschalteinrichtung im Sinne der europäischen Normen handelt.“ Bisher hatte VW mitgeteilt, bei der Mehrheit der betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit sei die Software zwar installiert, aber nicht eingeschaltet gewesen.

Razzia gegen VW

Bei einer groß angelegten Razzia haben Ermittler am Donnerstag in Wolfsburg und anderen Orten Akten und Computer sichergestellt. Es seien sowohl Geschäftsgebäude des Konzerns als auch Wohnungen von VW-Mitarbeitern durchsucht worden, sagte eine Sprecherin der Behörde.

dpa

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