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Zum 100. Geburtstag präsentiert BMW die Studie "BMW Vision Next 100".

Feier in München

BMW-Jubiläum: Ein Zukunftsauto zum 100. Geburtstag

München - Bei der Jubiläumsfeier hat sich BMW den Blick in den Rückspiegel gespart. Stattdessen erfuhren die Gäste, wie sich der Autokonzern das Fahrzeug des Jahres 2046 vorstellt.

BMW sieht die Zukunft golden. Bei der Feier zum 100. Jahrestag der Unternehmensgründung zeigte Vorstandschef Harald Krüger den 2000 Gästen am Montag in München ein futuristisches, bronze- bis goldfarbenes Fahrzeug - den „BMW Vision Next 100“. Es werde autonom fahren und könnte in den nächsten 20 oder 30 Jahren auf den Markt kommen.

Den Blick so weit nach vorn zu richten, sei „so reizvoll wie schwierig“, sagte BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk. Vor 30 Jahren war Internet ein Fremdwort, Handys waren Autotelefone von Ministern und Managern. In ganz China waren gerade einmal 10 000 Autos zugelassen, der Außenhandel der Volksrepublik war halb so groß wie derjenige Belgiens. Aber „wenn man sich etwas vorstellen kann, ist der erste Schritt schon gemacht“, meinte Hooydonk.

Das Auto der Zukunft werde zum „digitalen Chauffeur“, ergänzte Krüger. Der Fahrer kann ihm das Steuer überlassen - muss es aber nicht. „Wir wollen jeden Fahrer zu einem besseren Fahrer machen“, sagte Hooydonk.

Die Technik zeigt ihm die Ideallinie und die optimale Geschwindigkeit. Auf der Windschutzscheibe erscheint ein digitales Abbild der Umgebung, das auch im Nebel die Straße zeigt und vor Hindernissen hinter der nächsten Kurve warnt. Auf dem Display erscheinen dagegen nur Informationen, die im Moment wichtig sind - alles andere wird ausgeblendet.

Im Stau, im Stop-and-go-Verkehr oder auf der Autobahn kann der Fahrer seine Zeit besser nutzen und das Steuer dem Computer übergeben. In Kalifornien akzeptiert der Gesetzgeber das bereits. Im „BMW Vision“ klappt das Lenkrad ein, die Sitze von Fahrer und Mitfahrer drehen sich schräg zueinander. Der Fahrer kann entspannen oder arbeiten.

Die Windschutzscheibe wird komplett zum Display, zeigt zum Beispiel ein Videobild des Menschen, mit dem der Fahrer jetzt telefoniert. „So stelle ich mir meine Zukunft auch vor“, sagte Hooydonk.

Äußerlich ist das Zukunftsauto an den abgedeckten Rädern zu erkennen - der Luftwiderstand ist so geringer, das spart Energie. Riesige Flügeltüren erleichtern das Einsteigen. Der nierenförmige Kühlergrill bleibt als Markenzeichen, enthält jetzt aber Sensoren und Kameras.

Auch die anderen Autokonzerne haben sich auf Digitalisierung, Urbanisierung und emissionsfreies Fahren eingestellt. Gemeinsam haben BMW, Audi und Daimler den Kartendienst Here gekauft, der mit stetigem Datenaustausch vernetzter Autos autonomes Fahren ermöglicht - und den Herstellern Daten und Ideen für völlig neue Dienstleistungen liefert.

VW-Digitalchef Johann Jungwirth hat auf dem Genfer Autosalon gerade einen ähnlichen Ausblick gewagt. Derzeit werden jedes Jahr 1,25 Millionen Menschen im Straßenverkehr getötet - Unfallursache ist meist menschliches Versagen. Die Digitalisierung mache das Autofahren viel sicherer, so Jungwirth.

Das autonome Auto werde allen Menschen in der Großstadt das Leben angenehmer machen. Wenn es sich selbst einen Parkplatz in der Tiefgarage oder am Stadtrand suche, gebe es weniger Verkehr zur Parkplatzsuche - und in der Innenstadt würden riesige Flächen frei.

Schon heute begrenzen oder sperren Städte wie Oslo, London oder Peking die Zufahrt für Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Ob BMW-Wagen in 30 Jahren von Batterien, einer Brennstoffzelle oder anders angetrieben werden, ließ Krüger ausdrücklich offen.

Mit dem seit 2013 verkauften i3 sind die Münchner ein Vorreiter bei Elektro-Autos. „BMW setzt Trends“, sagte Kanzlerin Angela Merkel per Videobotschaft. Aber bisher wurden nur rund 50 000 Stück verkauft.

Die Konkurrenz spottet. Audi-Chef Rupert Stadler sagte am vergangenen Donnerstag, Audi habe sich bewusst gegen „ein Schaufensterprojekt entschieden“ und wolle 2018 sein erstes E-Serienauto vorstellen - eines, „das auch Käufer findet“.

„Es ist ein Marathon, kein Sprint“, sagte Krüger am Montag. „Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir in der Lage sind, schnell zu lernen und mutig voranzugehen.“

Das Unternehmen war am 7. März 1916 in München zunächst als Fabrik für Flugzeugmotoren gegründet worden. 1923 baute BMW sein erstes Motorrad, 1928 sein erstes Auto. Nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg stand BMW vor dem Aus, 1959 drohte die Pleite, Ende der 1990er Jahre folgte das Milliardendebakel mit Rover.

Heute ist BMW Marktführer bei Oberklasseautos. Seine Strategie für die nächsten zehn Jahre will Krüger nächste Woche präsentieren.

Der BMW Vision Next 100

Der BMW Vision Next 100

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