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Marktanalyst Robert Halver (r) von der Baader Bank steht am 16.10.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) im Handelssaal der Börse vor der Anzeigetafel für den DAX.

Dax vorübergehend auf Talfahrt

Börsen in Aufruhr: Kurssturz am Donnerstag

Frankfurt - Die Sorge um die weltweite Konjunktur und um die Lage in Griechenland hat an den europäischen Börsen am Donnerstag erneut für Nervosität gesorgt. Der Dax verlor zwischenzeitig gut 2,5 Prozent.

Der Dax hat nach einem kräftigen Kursrutsch am Donnerstag doch noch im Plus geschlossen. Der Auftrieb kam aus den USA. Mit einem Aufschlag von 0,13 Prozent bei 8582,90 Punkten ging der deutsche Leitindex aus dem Handel, nachdem er zeitweise deutlich unter 8400 Punkte gefallen war und den tiefsten Stand seit etwas mehr als einem Jahr erreicht hatte. Der MDax ging mit minus 0,14 Prozent bei 14 733,19 Punkten aus dem Tag. Der TecDax sank um 0,66 Prozent auf 1112,91 Punkte.

Sorgen um die Wirtschaft in der Eurozone hatten zunächst dazu geführt, dass die Aktienkurse erneut auf Talfahrt gingen. Die ohnehin kaum spürbare Inflation im Euroraum hatte sich weiter abgeschwächt und der Überschuss in der Leistungsbilanz des Euroraums war im August gesunken. Das bedrohe vor allem die zaghafte Erholung in Ländern wie Griechenland und Italien, da inzwischen zunehmend auch die Wirtschaftsmotoren Nordeuropa oder Deutschland kräftig zu kämpfen hätten, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black.

Am Nachmittag brachten vor allem Aussagen von James Bullard, regionaler Notenbankchef von St. Louis, in den USA die Wende. Dieser empfahl der US-Notenbank (Fed), das Ende der lockeren Geldpolitik zu verschieben, auch wenn die Fundamentaldaten weiterhin Stärke zeigten. Der Großteil der US-Konjunkturdaten an diesem Tag, allen voran diejenigen zur Industrieproduktion und zum Geschäftsklima in der Region Philadelphia, waren besser als erwartet ausgefallen.

Die Aktien der Lufthansa, aber auch von Autowerten wie VW und Daimler, legten um 1,59 bis 2,75 Prozent zu. Sie profitierten laut Händlern vor allem von der Nachricht, dass die Opec trotz des stark fallenden Ölpreises keine Pläne hat, weniger Öl zu produzieren. Ein positiver Analystenkommentar verhalf den Continental-Titeln an die Dax-Spitze mit plus 3,45 Prozent.

Besonders schwach waren die Aktien der Deutschen Bank, die 3,07 Prozent einbüßten. Sie litten unter einer negativen Branchenstimmung. Die ersten Berichte von US-Banken zum dritten Quartal hatten die Anleger überwiegend enttäuscht.

Die Papiere des Essener Versorgers RWE litten unter Sorgen über eine Blockade des Verkaufs der Tochter Dea durch Großbritannien. Sie gaben um 1,79 Prozent nach. Wie die „Financial Times“ berichtete, droht der Verkauf der Öl- und Gasfördertochter nach Russland am Widerstand der britischen Regierung zu scheitern.

Im TecDax sackte der Kurs der QSC-Titel nach einem schwachen Quartal und gesenkten Jahreszielen des IT-Dienstleisters um 8,09 Prozent ab. Auch der Technologiekonzern Jenoptik hatte unter anderem wegen schwächelnder Nachfrage seine Umsatz- sowie Gewinnziele gekappt, was den Aktien ein Minus von 0,90 Prozent einbrockte.

Europaweit war der Dax eine Ausnahme, denn die anderen großen Börsen schlossen mit Verlusten. Der EuroStoxx beendete den Tag mit minus 0,62 Prozent auf 2874,65 Punkte. Besonders kräftige Verluste wurden etwa in Italien verbucht. In den USA gab der Leitindex Dow Jones um 0,5 Prozent nach, die Nasdaq-Börsen standen noch etwas tiefer im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,67 Prozent am Vortag auf 0,61 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,19 Prozent auf 138,96 Punkte. Der Bund Future verlor 0,28 Prozent auf 151,13 Punkte. Der Kurs des Euro legte zu und stand zuletzt bei 1,2816 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,2749 (Mittwoch: 1,2666) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7844 (0,7895) Euro.

Die Angst vor der nächsten Krise geht um

Die Furcht vor einem wirtschaftlichen Abschwung schickt die Börsen weltweit auf Talfahrt. Manche sehen darin eine längst überfällige Korrektur nach den Rekordständen der vergangenen Monate, andere bereits Anzeichen für eine neue Wirtschaftskrise.

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

dpa/AFP

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