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Flattert der Union Jack auch künftig im Verbund mit der Europa-Flagge? Wirtschafts-Experten sehen einen möglichen Brexit mit großer Sorge.

Vor EU-Gipfel am 18. und 19. Februar

„Brexit“: Für Unternehmer und Banker unkalkulierbares Risiko

London - Das britische Pfund kommt ins Trudeln, die Exporte sinken, Investitionen aus dem Ausland reißen ab - Horror-Szenarien im Falle eines EU-Austritts Großbritanniens. Doch wie wahrscheinlich sind sie?

Der „Brexit“, der Austritt Großbritanniens aus der EU, ist nicht mehr auszuschließen. Unternehmer und Finanzexperten in Großbritannien und der EU malen überwiegend Negativ-Szenarien an die Wand - bleiben aber gerne vage. Das Problem: Es gibt kein „historisches Vorbild“. Niemals zuvor hat ein Gemeinschaftsmitglied den Hut genommen. Und: Es kommt ganz darauf an, ob es einen „weichen“ oder einen „harten“ Austritt gibt. Doch grundsätzlich sind sich alle einig: Der Markt mag keinen „Brexit“. Hier einige Ängste, Vorhersagen und Bedenken vor dem EU-Gipfel am 18. und 19. Februar:

Das PFUND-STERLING: Die „Times“ berichtet jüngst, die Bank of England habe ihre „Kriegskasse“ kräftig auf 98 Milliarden Dollar (87,5 Mrd Euro) aufgestockt, um im Zweifel einem Währungskollaps zu begegnen. Die Londoner Analysten der Investmentbank Goldman Sachs schließen bis zu 20 Prozent Wertverlust nicht aus - sollte nach dem „Brexit“ ausländisches Kapital massiv ausbleiben.

Die CITY: Ein Bedeutungsverlust des Finanzplatzes London wäre der Super-„Gau“. Möglicherweise werde die City sogar unabhängiger, sagen manche. Die meisten Analysten sind sich aber einig: Wahrscheinlich ist dieser kaum aufzuhalten. Zumal, so die Banker, die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in der Vergangenheit starke Begehrlichkeiten gezeigt hat, in die Londoner Handelsdomäne einzubrechen. Ein Austritt Londons wäre die Chance, immer mehr Handel in Euro abzuwickeln. Britische Banken hätten zudem keinen Zugang mehr zu günstigen Finanzierungsbedingungen der EZB.

Erwartet  werden extrem schwierige Verhandlungen

"WEICHER ODER HARTER AUSTRITT": Alles kommt auf die vermutlich extrem komplizierten Verhandlungen an. Würde es für London einen Freihandelsstatus geben wie ihn Norwegen, Schweiz, Lichtenstein und Island genießen? Oder kommt eine Lösung wie etwa mit der Türkei und anderen Ländern der Welthandelsorganisation (WTO) mit wesentlich weniger Handelsvorteilen? Ohne ein Freihandelsabkommen müssten womöglich mit jedem EU-Land eigens Abkommen geschlossen werden - riesiger Verwaltungsaufwand, für Unternehmen ein Alptraum.

HANDEL: Es gibt Schätzungen von Exportverlusten bis zu 30 Milliarden Pfund (38,8 Mrd Euro) im Worst-Case-Szenario, falls London beim Austritt kein Freihandelsabkommen abschließt. Das wären rund acht Prozent der Exporte. Zurückhaltende Analysten gehen aber eher nicht von derart schweren Rückschlägen aus - denn auch die anderen EU-Länder möchten handeln und Geld verdienen. Dazu sind die Wirtschaften viel zu stark miteinander verwoben.

INVESTITIONEN: London gilt für Auslandsinvestoren als Eldorado. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet mit 210 Milliarden Pfund, die in den ersten vier Jahren verloren gehen könnten. Experten der Großbank HSBC rechnen eher nicht mit „plötzlicher und massiver Kapitalflucht“. Großbritannien dürfte weiterhin attraktiv für Gelder aus dem Ausland bleiben. Wunschdenken oder Realismus?

Der Markt mag keine Unsicherheiten

WIRTSCHAFTSWACHSTUM: Hochrechnungen, wonach sich das britische Bruttosozialprodukt auf rund einen Prozent halbieren könnte, sehen zurückhaltende Experten als Kaffeesatzleserei. Entscheidend seien die Austrittsbedingungen. Doch das einhellige Urteil: Die Unsicherheiten nehmen zu - und der Markt mag keine Unsicherheiten.

PRAKTISCHES: Ohne die EU oder ein Freihandelsabkommen dürfte für Unternehmen alles viel schwieriger werden. Die konkrete Furcht: Mehr Verwaltung, mehr Papierkram, höhere Ausgaben. Dann würde sich ein Mitarbeiter nicht mal mehr schnell und unbürokratisch für zwei Jahre nach Europa schicken lassen. Über viele Regeln und Reglementierungen müsste lange und mühsam gefeilscht werden. Besonders betroffen wären etwa die britische Autoindustrie und der Maschinenbau, die stark von EU-Zulieferern abhängen.

SCHOTTLAND: Als sicher gilt, dass die EU-freundlichen Schotten bei einem EU-Austritt Londons ein neues Unabhängigkeits-Referendum anpeilen. 2015 war es gescheitert, jetzt könnte es klappen - das wäre das Ende des Vereinigten Königreichs, mit weiteren unkalkulierbaren ökonomischen Folgekosten.

dpa

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