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Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli um 61 000 auf 2,773 Millionen gestiegen. Foto: Julian Stratenschulte

Sommerflaute lässt Arbeitslosigkeit steigen

Trotz der üblichen Sommerpause zeigte sich der Arbeitsmarkt im Juni noch relativ robust. Für die kommenden Monate erwartet die Bundesagentur jedoch eine etwas verhaltenere Entwicklung als zuletzt. An ihrer Prognose für das Gesamtjahr hält die Behörde aber fest.

Nürnberg (dpa) - Nach einer unerwartet guten Entwicklung in den vergangenen Monaten könnte der Aufschwung auf dem deutschen Jobmarkt in den kommenden Monaten an Tempo verlieren.

Im Juli verpasste die übliche Sommerflaute dem Arbeitsmarkt mit einem Anstieg der Erwerbslosigkeit um 61 000 auf 2,773 Millionen bereits einen kleinen Dämpfer. Überraschend für Experten: Auch saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit deutlich an. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) beurteilte den Jobmarkt bei der Vorlage der jüngsten Statistiken in Nürnberg dennoch weiter als robust.

Für die nächsten drei Monate erwartet BA-Chef Frank-Jürgen Weise aber nur eine stabile und daher auch nicht wirklich verbesserte Arbeitsmarktlage. Auch die Forscher vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatten den Arbeitsmarkt zuletzt weiter "in ruhigem Fahrwasser" gesehen.

Umgekehrt bedeute dies jedoch, dass es für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit derzeit nicht reiche. Gerade Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte dürften es daher in den nächsten Monaten noch schwerer haben als bisher, einen Job zu finden.

Dennoch ist die Lage alles andere als schlecht: Für das Gesamtjahr erwartet die BA im Schnitt 2,79 Millionen Arbeitslose. Sollte es dabei bleiben, wäre es der beste Jahresdurchschnitts-Wert seit der Erhebung der gemeinsamen Zahlen nach der Wiedervereinigung.

Auch im Juli gab es trotz Sommerflaute und zahlreicher internationaler Krisen mit 2,773 Millionen so wenige Jobsucher wie zuletzt Anfang der 1990er-Jahre. Die Arbeitslosenquote legte zwar um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zu. Doch gemessen am Vorjahr sank die Zahl der Erwerbslosen um 99 000.

Hauptursache für den Anstieg im Vergleich zum Juni war laut Weise die Arbeitssuche junger Menschen, die sich nach abgeschlossener Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden. Zudem verschöben viele Betriebe Neueinstellungen traditionell auf den Herbst. Dann werde die Zahl der Jobsucher - wie in jedem Jahr - auch wieder deutlich zurückgehen, sagte Weise. Ein weiterer Grund für die Zunahme im Juli: Weniger Menschen waren in Förderprogrammen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beurteilte die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als gut und verwies auf die weiterhin hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Zahl der offenen Stellen war im Juli erneut auf nunmehr 589 000 gestiegen. "Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist sehr hoch", sagte auch BA-Chef Weise. Nahles teilte mit: "Das stärkt die Hoffnung vieler Menschen, die noch nicht in Beschäftigung sind."

Auch die Zahl der Menschen mit regulärem Job ist zuletzt auf hohem Niveau weiter gewachsen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte jedoch, die "relativ stabile Arbeitsmarktlage" dürfe kein politisches Ruhekissen sein. Die Regierungskoalition sollte gerade jetzt sinnvolle Änderungen in der Arbeitsförderung auf den Weg bringen, forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Dazu zähle eine bessere Absicherung von kurzzeitig Beschäftigten in der Arbeitslosenversicherung.

Und auch für die Weiterbildung von Menschen im Hartz-IV-Bezug müsse die Bundesregierung deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen, forderte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Wer sich hier für eine zweijährige Weiterbildung entscheide, sei finanziell oft schlechter gestellt als ein Ein-Euro-Jobber. "Zudem muss die Verzahnung der beruflichen Hilfen der Jobcenter und der sozialen Hilfen der Kommunen verbessert werden - wie etwa die Schuldner- und die psychosoziale Beratung." Adamy forderte Durchhalte- und Abschlussprämien auch bei Weiterbildungen von Hartz-IV-Beziehern.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, sagte, der "stabile Arbeitsmarkt" sei nur eine geschönte Formulierung. Die wirklichen Probleme wie die unverändert hohe Zahl von etwa einer Million Langzeiterwerbslosen, die hohe Zahl von Jobs mit geringer Bezahlung sowie ungenügende Angebote zur Qualifizierung Arbeitsloser würden nicht angegangen.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, kritisierte, auch beim Arbeitsmarktzugang von Asylbewerbern tue Nahles zu wenig. Die Entscheidung des Kabinetts vom Vortag, dass Praktika nicht mehr genehmigt werden müssen, reiche bei weitem nicht aus. Denn anschließende Ausbildungsverhältnisse scheiterten nach wie vor an einer unsicheren Bleiberechtsregelung, kritisierte Pothmer.

Die Wirtschaft forderte ebenfalls einen besseren Zugang für ausländische Fachkräfte zum deutschen Arbeitsmarkt. Auch unter den Asylbewerbern seien viele, die kaum Chancen auf Asyl hätten, aber am Arbeitsmarkt gebraucht würden, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

BA-Mitteilung

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