Nach Rekordjahr

Daimler schwimmt auf Erfolgswelle: Bringt 2016 einen Dämpfer?

Stuttgart - 2015 dürfte bei Daimler längst als Rekordjahr verbucht worden sein. Ob China oder VW-Skandal, keine Hiobsbotschaft in der Autobranche konnten den Stuttgartern etwas anhaben. Doch 2015 ist Vergangenheit.

Daimlers Erfolgssträhne ist im vergangenen Jahr nicht abgerissen. Die Autoverkäufe stiegen selbst in China, der VW-Abgasskandal ließ den schwäbischen Konkurrenten bislang kalt - und Daimler dürfte seine Wettbewerber in einigen wichtigen Kennzahlen überrundet haben. Am Donnerstag (4. Februar) legt der Autokonzern seine Bilanz für 2015 vor. Die große Frage ist: Bleibt es so?

Der Zulieferer Bosch hatte vergangene Woche kein einfaches Jahr für die Autobranche prognostiziert. Die Folgen des VW-Skandals seien final nicht abzuschätzen, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner.

In den Daimler-Absatzzahlen für 2015 sind die noch nicht abzulesen. Die Stuttgarter verkauften 1,99 Millionen Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart - 14,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausgerechnet auf dem schwächelnden chinesischen Markt wuchs Daimler am stärksten: Die Marke Mercedes legte dort um 32,6 Prozent zu und verkaufte rund 373 000 Wagen.

Der Konzerngewinn dürfte entsprechend hoch ausfallen. Auf mehr als 13 Milliarden Euro schätzen Analysten das operative Ergebnis (Ebit). Doch bleibt alles so rosig? Der Gewinn des Pkw-Geschäfts dürfte nach Einschätzung von Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, durch die Einführung der neuen E-Klasse geschmälert werden, die im April kommt. Teure Werbeanzeigen und Vertriebsaktionen werden notwendig.

Hinzu kommt die Unsicherheit in China. Daimler habe zuletzt Geschick bewiesen, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass die Wachstumsraten so hoch wie zuletzt ausfielen. Auch die Lage im Lkw-Geschäft dürfte sich angesichts der Konjunkturprobleme in wichtigen Märkten wie Brasilien nicht entspannen.

Hinzu kommt die Unsicherheit aus der Abgasdiskussion. Konzernchef Dieter Zetsche hatte wiederholt klargestellt: „Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert.“ Auch offizielle Nachmessungen ließen den Konzern bislang kalt. „Die Vertreter des Kraftfahrt-Bundesamtes waren zwei Tage bei uns und es wurden Autos getestet. Dabei sind nach meiner Kenntnis keine auffälligen Abgaswerte gemessen worden“, sagte Zetsche jüngst. Doch das Thema beschäftigt nicht nur deutsche Behörden. Vergangenen Donnerstag musste Daimler französischen Behörden wegen hoher Abgaswerte bei Tests im Realbetrieb Rede und Antwort stehen.

Zumindest einer Sache kann sich der Daimler-Chef sicher sein. Sein Vertrag dürfte um drei Jahre verlängert werden. Es wird wohl die letzte Vertragsverlängerung für den 62-Jährigen werden, denn bei Daimler gilt bereits das 62. Lebensjahr „als Orientierung“ für den Abschied aus dem Vorstand. Das wird eine der größten Aufgaben für die kommenden Jahre: Einen geeigneten Nachfolger für Zetsche zu finden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Meistgelesene Artikel

Fragen und Antworten zum Mindestlohn-Urteil

Erfurt - Mindestens 8,50 Euro pro Stunde müssen es sein - so will es das Mindestlohngesetz. Eigentlich soll es Millionen von Arbeitnehmern mehr Geld bringen. Ein …
Fragen und Antworten zum Mindestlohn-Urteil

Aufwärtstrend bei Konsumklima

Noch Ende 2015 sah alles nach einer stärkeren Eintrübung der Verbraucherstimmung aus. Inzwischen herrscht in vielen deutschen Haushalten wieder Optimismus. Der …
Aufwärtstrend bei Konsumklima

Schreibt Microsoft den Smartphone-Markt jetzt komplett ab?

Redmond/Espoo - Der Windows-Riese Microsoft hat sich mit der teuren Nokia-Übernahme keine starke Position im Smartphone-Markt erkaufen können. Jetzt wird die …
Schreibt Microsoft den Smartphone-Markt jetzt komplett ab?

Arbeitgeber können Urlaubsgeld mit Mindestlohn verrechnen

Erfurt - Zehntausende Geringverdiener wurden enttäuscht. Laut Bundesarbeitsgerichts können Sonderzahlungen auf den Mindestlohn angerechnet werden. Die Verbesserungen …
Arbeitgeber können Urlaubsgeld mit Mindestlohn verrechnen

Kommentare