Daimler will Milliarden sparen

Berlin/Stuttgart - Im Kampf um die Spitzenposition in der Oberklasse macht der Autobauer Daimler Tempo. Dabei sollen neue Modelle und Hunderte weitere Händler in China helfen - auch den Rotstift will der Dax-Konzern wieder ansetzen.

Bei der Aufholjagd um die Spitze in der Oberklasse will der Autobauer Daimler sein milliardenschweres Sparprogramm ausweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. „Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen.“ Den Aktionären versprach er ein erfolgreiches Jahr.

Bislang hat der Dax-Konzern bereits bis Ende 2014 Einsparungen von insgesamt rund vier Milliarden Euro angekündigt. „Die Erntezeit hat gerade erst angefangen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Daimler ist derzeit hinter BMW und Audi bei Absatz und Rendite die Nummer drei in der Oberklasse, will bis 2020 aber die Pole Position einnehmen.

Auch aus den Reihen der Aktionäre kamen Nachfragen zu dem Thema. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte etwa, wann das Programm in der Weise zum Tragen komme, dass es auch merklich auf das Ergebnis durchschlage. Daimler zufolge sollen die Sparmaßnahmen 2015 voll wirksam werden.

Die Aktionäre sollen das indes nicht zu spüren bekommen: Die Dividende steigt auf 2,25 Euro je Aktie. Das entspricht einem Volumen von 2,4 Milliarden Euro.

Viel Geld nehmen die Schwaben derzeit in die Entwicklung von völlig neuen Modellen in die Hand, mit denen sie weitere Zielgruppen erreichen wollen. „Wir wollen auch neue Kunden gewinnen, indem wir für Mercedes-Benz neue Segmente erschließen“, kündigte Zetsche an. Demnach will der Dax-Konzern auf der Automesse in Peking einen Entwurf für eine Mischung aus Geländewagen und Coupé vorstellen. Bislang ist der Erzrivale BMW in dem Bereich in der Oberklasse mit dem X6 allein auf weiter Flur.

Im März hatten die Schwaben mit dem GLA bereits einen kompakten Geländewagen auf den Markt gebracht. Im gleichen Monat wurde zudem eine neue C-Klasse eingeführt, ebenso wie die Großraum-Limousine V-Klasse. Bis 2020 will Daimler noch zwölf Modelle auf den Markt bringen, die bisher noch keinen Vorgänger haben.

„Wir beginnen 2014 mit demselben Tempo, mit dem wir 2013 beendet haben“, sagte Zetsche. Zwar hätten sich die Märkte in den ersten drei Monaten uneinheitlich gezeigt, dennoch habe Daimler im ersten Quartal mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum. Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte der Dax-Konzern. Demnach sollen Umsatz, Absatz und operativer Gewinn deutlich gesteigert werden.

Vor allem auf dem größten Automarkt China, auf dem die Konkurrenten BMW und Audi bislang die Nase vorn haben, will Daimler zulegen. Allein in diesem Jahr wachse das Händlernetz in dem Riesenreich um hundert neue Betriebe. Insgesamt will Daimler dort Zetsche zufolge auf 400 Händler kommen.

Auf dem größten Pkw-Markt China war Daimler kräftig gewachsen - die Konkurrenz ist den Schwaben dort aber noch immer um Längen voraus. Im März war der Absatz dort im Vergleich zum Vorjahresmonat um 34 Prozent auf 24 937 Mercedes-Benz geklettert. Die Volkswagen-Tochter Audi etwa wuchs ebenfalls um ein Drittel - verkaufte allerdings bereits 47 600 Fahrzeuge.

Zetsches Doppelrolle als Vorstandschef von Daimler und der wichtigen Autosparte Mercedes-Benz Cars hatten einzelne Aktionäre bereits im Vorfeld der Hauptversammlung bemängelt. Das sahen am Mittwoch jedoch nicht alle Investoren so: „Dieser Kritik würde ich mich nur dann anschließen, wenn sich bei Mercedes-Benz Cars nichts tun würde“, sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, „und das ist nicht der Fall.“

Mehr Auto- und Industriekompetenz kommt künftig zudem aus den Reihen des Aufsichtsrats: Auf der Hauptversammlung wurden der frühere BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, der einstige Bosch-Manager Bernd Bohr und Siemens-Chef Joe Kaeser für fünf Jahre in das Gremium gewählt. An deren Bezahlung will Daimler nicht sparen: Aufsichtsratsmitglieder sollen künftig nach Ablauf des Geschäftsjahres 20 Prozent mehr Geld - also 120.000 Euro Vergütung - bekommen.

dpa

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