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Pünktlich zum Jahresbeginn treten auch 2016 wieder neue Gesetze und Regelungen in Kraft – und viele von ihnen haben Einfluss auf die Finanzen der Bürger.

Alle Neuerungen im Überblick

Das ändert sich 2016 bei Ihren Finanzen

München - Wir bringen Licht in den Dschungel der Neuregelungen 2016: Von der Iban-Pflicht über Entlastungen bei der Steuer bis zur Rekord-Rentenerhöhung im neuen Jahr.

Neues Jahr, neue Regeln. Pünktlich zum Jahresbeginn treten auch 2016 wieder neue Gesetze und Regelungen in Kraft – und viele von ihnen haben Einfluss auf die Finanzen der Bürger. Dabei spülen einige der Änderungen bares Geld in die Taschen der Verbraucher – andere wiederum sind ärgerlich und teuer. Die tz hat die Änderungen in den verschiedensten Bereichen zusammengestellt und sie auf dieser Doppelseite zusammengefasst – damit Sie zu Jahresbeginn nicht den Überblick verlieren.

Finanzen 2016: Rund ums Konto

Iban wird Pflicht: Hand aufs Herz – wer kennt schon seine Iban-Nummer auswendig. Viele Deutsche haben bisher weiterhin nur ihre Kontonummer und die Bankleitzahl im Kopf, doch jetzt müssen sie umdenken. Bei der Umstellung auf die neuen europaweiten Kontonummern Iban endet bald die letzte Schonfrist für Verbraucher. Ab 1. Februar müssen sie die Iban bei Überweisungen zwingend benutzen. Bis dahin ist dies optional und Banken ermitteln aus den alten Kontonummern und Bankleitzahlen als Service übergangsweise noch die Iban der Empfänger für Kunden. Ist die Iban nach dem 1. Februar nicht auf dem Überweisungsträger eingetragen, dürfen Banken den Auftrag nicht ausführen. Bei bereits bestehenden Dauer­aufträgen müssen Bankkunden übrigens nichts unternehmen. Wer einen neuen Auftrag einrichtet, muss dafür ab 1. Februar ebenfalls zwingend die Iban nutzen.

BIC fällt weg: Ein anderer lästiger Code verschwindet. Der BIC (Bank Identifier Code) war eine internationale Version der Bankleitzahl. Der Code muss bereits seit Februar 2014 bei Zahlungen innerhalb Deutschlands nicht mehr angegeben werden. Ab dem 1. Februar 2016 entfällt er auch bei grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb des Sepa-Raums.

Konto für jedermann: Spätestens ab Mitte 2016 soll in Deutschland jeder das Recht auf ein Bankkonto haben – auch Obdachlose und Flüchtlinge. Banken dürfen künftig niemandem mehr die Eröffnung eines Girokontos verwehren. Das Recht auf ein Konto gilt für jeden Menschen, der sich legal in einem EU-Land aufhält. Bisher gab es in Deutschland nur eine freiwillige Selbstverpflichtung für Banken. Die Beratungen von Bundestag und Bundesrat könnten im Frühjahr 2016 abgeschlossen sein. Die EU-Zahlungskonten-Richtlinie muss bis 18. September 2016 in nationales Recht umgesetzt sein.

Dispozinsen: Sie sind ein Riesen­ärgernis – jetzt sollen Verbraucher besser vor hohen Dispozinsen geschützt werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht, aber noch nicht endgültig verabschiedet. Vorgesehen ist, dass Banken und Sparkassen ein Gespräch über kostengünstigere Alternativen anbieten müssen, wenn jemand seinen Dispokredit ein halbes Jahr lang zu durchschnittlich mehr als 75 Prozent ausschöpft oder sein Konto stark überzieht. Die aktuellen Zinssätze müssen im Internet veröffentlicht werden.

Finanzen 2016: Rund um Steuern

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist nicht dafür bekannt, dass ihm der Euro besonders locker in der Tasche sitzt – doch heuer hat der Minister die Spendierhosen an. Fünf Milliarden Euro spendiert Schäuble den Steuerzahlern durch verschiedene Entlastungen. Ein Schwerpunkt: Die leichte Abmilderung der kalten Progression. Die Änderungen im Einzelnen:

Grundfreibetrag steigt: Gute Nachrichten für Arbeitnehmer: Der Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer steigt um 180 Euro auf 8652 Euro. Bei einem Ledigen werden also erst ab diesem Betrag Steuern fällig, bei Verheirateten bei dem doppelten Betrag, also ab 17 304 Euro.

Eckwerte verschoben: Gleichzeitig werden auch die Eckwerte des Einkommenssteuertarifs leicht angehoben, um die sogenannte kalte Progression – die Mehrbelastungen der Steuerzahler durch das Zusammenspiel von Lohnsteigerungen, höheren Steuersätzen und Preiserhöhungen – einzudämmen. Die Folge: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent ist künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 53 666 (Ehepaare 107 332) Euro fällig. In diesem Jahr liegt die Grenze bei 52 882 (Ehepaare 105 764) Euro. Bei Arbeitnehmern wird dies automatisch beim monatlichen Abzug der Lohnsteuer berücksichtigt. Diese Entlastung ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft rechnet vor: Ein Lediger mit einem Bruttoeinkommen von 50 000 Euro im Jahr hat dank der anstehenden Korrektur 2016 etwa 118 Euro mehr im Geld­beutel. Für einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression seit 2010 – damals waren die Werte zuletzt angepasst worden – wären aber 477 Euro erforderlich. Ein Paar mit einem Einkommen von 60 000 Euro wird um 122 Euro entlastet, notwendig wären 428 Euro.

Mehr absetzbar: Ein Effekt der Anhebung des Existenzminimums: Gleichzeitig sind 180 Euro mehr Unterhalt als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Laut Steuerzahlerbund können Unterhaltszahlungen von bis zu 13 805 Euro pro Jahr abgesetzt werden. Auch Vorsorgeaufwendungen für das Alter können künftig besser abgesetzt werden. Maximal 82 Prozent der Ausgaben werden 2016 berücksichtigt – 2015 waren es noch 80 Prozent. Der Höchstbetrag beläuft sich auf 22 767 Euro, bisher lag er bei 22 172 Euro.

Freistellungsauftrag prüfen: Haben Sie Ihrer Bank schon seit Längerem einen Freistellungsauftrag erteilt, damit erst gar keine Kapitalertragsteuer abgeführt werden muss? Kontrollieren Sie diesen Auftrag, denn ab diesem Jahr ist er nur noch im Zusammenhang mit der Steuer-ID gültig. Betroffen sind vor allem vor 2011 erteilte Aufträge. In der Regel ist es nicht notwendig, einen neuen Freistellungsauftrag zu erstellen – es reicht, der Bank die Steuer-ID mitzuteilen.

Finanzen 2016: Rund um die Familie:

Mehr Kindergeld: Zwei Euro mehr gibt es heuer pro Monat und Kind. Damit beträgt das Kindergeld für das erste und das zweite Kind monatlich jeweils 190 Euro, für das dritte Kind 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 221 Euro. Wichtig: Vom kommenden Jahr an muss die Steuer-ID des Kindes sowie des Elternteils, das Kindergeld erhält, angegeben werden. Keine Panik, wenn Sie nicht genau wissen, ob diese Daten bei der Familienkasse vorliegen. Wenn die Steuer-ID fehlt, wird sich die Behörde im Laufe des Jahres schriftlich bei Ihnen melden.

Kinderfreibetrag: Auch hier geht’s aufwärts, allerdings kommt diese Verbesserung eher höheren Einkommen zugute. Der Freibetrag wird 2016 auf 4608 Euro im Jahr angehoben. Der Kinderfreibetrag steigt um 96 Euro pro Kind, 48 Euro für jeden Elternteil. Der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung bleibt dagegen unverändert. Die Summe der Freibeträge beträgt damit 2016 pro Kind und Jahr 7248 Euro.

Finanzen 2016: Rund um die Geldanlage:

2015 war ein schwieriges Jahr für den sicherheitsbewussten Sparer – es spricht wenig dafür, dass 2016 besser wird. Die tz hat dennoch gemeinsam mit Max Herbst von der FMH Finanzberatung (www.fmh.de) einen Blick auf die aktuellen Konditionen bei Sparanlagen geworfen.

Tagesgeld: Für Kurzfrist-Sparer sieht Herbst schwarz. Der tz erklärt er: „Die EZB hält die Leitzinsen noch längere Zeit niedrig und erhöht sogar den Strafzins, den die Banken bei der EZB bezahlen müssen. Die Folge: Kurzfristige Geldanlagezinsen werden weiterhin niedrig bleiben und sogar noch weiter sinken.“ Betroffen davon sind die Tagesgeld- und Festgeldzinsen bis zu einem Jahr. „Wer also sein Geld kurzfristig parken will, um in einigen Monaten oder Jahren von steigenden Zinsen zu profitieren, wird vermutlich weiterhin mit Minizinsen leben müssen“, urteilt Herbst. Trotzdem: Ein gewisses Polster an schnell verfügbarem Geld sollte jeder Sparer zur Verfügung haben. Was nützt schließlich die lukrativste Geldanlage, wenn die Waschmaschine kaputtgeht und man schnell an sein Geld kommen muss? Zwei bis drei Monatsgehälter sollten am besten auf dem Tagesgeldkonto liegen. Wo die Zinsen zumindest nicht ganz so schlecht sind, sehen Sie in unserer Tabelle links.

Festgeld: Beim Festgeld sieht’s auch nicht gerade rosig aus. Sein Geld für ein Jahr fest anzulegen kann man sich eigentlich getrost sparen – 0,05 Prozentpunkte mehr Zins machen diese Variante im Vergleich zum Tagesgeld nicht gerade attraktiv. Anders schätzt Herbst die Situation für Festgeld von zwei oder drei Jahren ein: „Einen Teil des Geldes kann man so anlegen, um die Niedrigzinsphase vielleicht zu überstehen.“

Kombimodelle: Wer sich nicht zwischen Fest- und Tagesgeld entscheiden kann, sollte über die Kombiangebote einiger Banken nachdenken. „Die können eine Alternative sein“, so Herbst. Er erklärt: „Bei der NIBC Direct schließt man zum Beispiel ein Festgeld für zwei oder drei Jahre ab und kann 50 Prozent des Anlagebetrages wie bei einem Tagesgeld jederzeit abrufen. Der Zinssatz ist sehr attraktiv mit 1,3 Prozent für zwei Jahre. Somit wird auch das Tagesgeld garantiert die nächsten Jahre zu diesem hohen Zinssatz verzinst. Bei der VTB Direktbank bekommt man den gleichen Zinssatz für drei Jahre und kann aber nur 20 Prozent des Anlagebetrages nutzen, dann aber wie ein Tagesgeldkonto mit Ein- und Auszahlungen.“

Finanzen 2016: Rund um die Bildung

Meister-Bafög: Gute Nachricht für Handwerker: Für sie erhöht sich das Meister-Bafög recht deutlich. Ab dem 1. August bekommen Alleinstehende dann bis zu 760 Euro im Monat – bisher lag der Höchstbetrag bei 697 Euro.

Bafög: Auch Schüler und Studenten dürfen sich über etwas mehr Knete im Geldbeutel freuen. Zum Wintersemester 2016/17 wird das Bafög angehoben – um über sieben Prozent. Ebenfalls um sieben Prozent steigen die Freibeträge auf das Elterneinkommen – dadurch sind mehr Schüler und Studenten anspruchsberechtigt.

Finanzen 2016: Rund um Sozialabgaben

Krankenkassen: Der Grundbeitrag von 14,6 Prozent, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam zahlen, bleibt stabil. Zugleich steigen aber bei vielen Kassen die Zusatzbeiträge, die die Arbeitnehmer alleine schultern müssen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag steigt um 0,2 Punkte auf 1,1 Prozent. Damit erhöht sich der durchschnittliche Gesamtbeitrag auf 15,7 Prozent. Wie hoch der Zusatzbeitragssatz tatsächlich ausfällt, legt jede Krankenkasse für ihre Mitglieder selbst fest – ein Vergleich lohnt sich also (siehe Tabelle).

Beitragsbemessungsgrenzen: Für gut verdienende Arbeitnehmer werden etwas höhere Sozialabgaben fällig. Die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der Sozialbeiträge aufs Gehalt fällig werden, steigt bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von derzeit 4125 Euro auf dann 4237,50 Euro im Monat. Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung wird sie im Westen von 6050 auf 6200 Euro angehoben, im Osten von 5200 auf 5400 Euro.

Finanzen 2016: Rund um Post und Telekommunikation

Höheres Briefporto: Diese Erhöhung ist schon dreist! Das Briefporto steigt von 62 auf 70 Cent – ein Anstieg von immerhin fast 13 Prozent! Das Porto für Postkarten sowie Groß- und Kompaktbriefe im Inland bleibt zwar gleich, Standardbriefe und Postkarten ins Ausland kosten jetzt allerdings 90 statt 80 Cent!

Günstigeres Roaming: Ab 30. April 2016 wird das Telefonieren und Surfen im europäischen Ausland billiger. Es treten EU-Vorschriften in Kraft, die die Höhe der Roaming-Gebühren begrenzen. Anbieter dürfen für Verbindungen im Ausland dann zusätzlich zum Heimtarif höchstens fünf Cent pro Minute bei Telefonaten sowie zwei Cent pro SMS fordern. Bei Internetnutzung ist der Roaming-Aufschlag auf fünf Cent pro Megabyte begrenzt. Hinzu kommt jeweils noch die Mehrwertsteuer.

Finanzen 2016: Rund um die Rente

Rekord-Erhöhung: Ruheständler können sich im Sommer wohl endlich mal wieder freuen: Die Renten sollen im Westen um knapp 4,4 Prozent steigen, im Osten sogar um fünf Prozent – das gab’s seit 20 Jahren nicht mehr. Bei einer Monatsrente von 1200 Euro bedeuten fünf Prozent mehr zum Beispiel 60 Euro brutto, bei vier Prozent sind es immer noch 48 Euro. Die exakte Höhe der Rentenanpassung wird im Frühjahr bekannt gegeben.

Rentenbesteuerung: Der steuerpflichtige Rentenanteil steigt 2016 von 70 auf 72 Prozent – die Kehrseite der besseren Absetzbarkeit von Vorsorgeaufwendungen fürs Alter bei Arbeitnehmern. Somit bleiben nur noch 28 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Anteil gilt für im Jahr 2016 neu hinzukommende Rentnerjahrgänge. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bestehen. Das Zusammenspiel aus der deutlichen Rentenerhöhung und der stärkeren Besteuerung von Rentnern rechnet sich für den Bund. Die Regierung rechnet mit Mehreinnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro in zwei Jahren.

Finanzen 2016: Rund um Geringverdiener

Mehr Hartz IV: Der Regelsatz für Alleinstehende steigt von derzeit 399 Euro auf 404 Euro. Leben zwei Erwachsene als Ehepaar oder Partner in einem Haushalt, einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft, sollen sie jeweils 364 statt bisher 360 Euro erhalten.

Wohngeld steigt: Haushalte mit geringem Einkommen erhalten vom 1. Januar an mehr Mietzuschuss. Während an einen Zwei-Personen-Haushalt mit Wohngeldanspruch im Jahr 2012 noch durchschnittlich 112 Euro pro Monat gezahlt wurden, steigt dieser Betrag jetzt auf durchschnittlich 186 Euro. Auch die Zahl der Anspruchsberechtigten steigt.

Marc Kniepkamp

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