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Fahrgäste warten am 01.09.2014 in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs in Hannover (Niedersachsen). Ein erster Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Montag in Norddeutschland für erhebliche Probleme im Zugverkehr gesorgt.

Von 21 bis 6 Uhr

Bundesweiter Bahn-Streik ab Dienstagabend

Frankfurt - Die Züge der Deutschen Bahn (DB) werden ab Dienstagabend bundesweit flächendeckend für die Dauer von neun Stunden bestreikt. Das teilte die Gewerkschaft GDL am Dienstag mit.

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will den Zugverkehr in ganz Deutschland von Dienstagabend an für neun Stunden komplett lahmlegen. Die GDL rief ihre Mitglieder im Tarifstreit mit der Bahn zu einem bundesweiten und flächendeckenden Streik von Dienstagabend 21 Uhr bis Mittwochmorgen 6 Uhr auf. Das teilte GDL-Sprecherin Gerda Seibert am frühen Dienstagmorgen mit. Bei der Deutschen Bahn sollen Fern- und Regionalzüge ebenso stillstehen wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen.

Zu dem Ausstand aufgerufen sind die Lokomotivführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten in allen Eisenbahnverkehrsunternehmen der Deutschen Bahn. Die Bahn will erst die genauen Pläne der GDL abwarten und dann versuchen, mit dem verfügbaren Personal Chaos zu verhindern, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. GDL-Chef Claus Weselsky betonte im Radiosender hr-Info die Streikbereitschaft der Gewerkschafter: „Sie haben das an den beiden Warnstreiks gesehen. Es soll niemand darauf setzen, dass das Zugpersonal einknickt.“

Diese Forderungen stellt die GDL an die Deutsche Bahn

Die Lokführer fordern fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Zu den weiteren Forderungen der Gewerkschaft zählt eine Senkung der Belastung mit einer Stunde weniger maximaler Fahrzeit auf dem Triebfahrzeug. Zudem soll es nach dem Willen der GDL nur noch 50 statt wie bisher unbegrenzte Überstunden im Jahr sowie 50 Prozent Zeitzuschlag bei Schichtverlängerungen geben. Verhandlungen darüber scheiterten jedoch daran, dass die GDL auch für das übrige Personal im Zug verhandeln will, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab. Die GDL rivalisiert dabei mit der größeren der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In der vergangenen Woche war nach den bisherigen Warnstreiks eine Urabstimmung über reguläre Streiks zu Ende gegangen. 91 Prozent stimmten für den Arbeitskampf.

Der Streik war bereits angekündigt gewesen, am Montag stand aber noch kein Termin fest. Anfang September hatten die Lokführer bereits zweimal für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt.

Bahn: "GDL nimmt Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf"

Die Bahn nannte die Streikandrohung schon im Vorfeld völlig überflüssig. Personalvorstand Ulrich Weber wies den Vorwurf zurück, die Bahn verweigere Verhandlungen und treibe die Gewerkschaft in den Konflikt. „Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf.“

Die Bahn hatte in der vergangenen Woche ein neues Angebot gemacht, um Streiks noch abzuwenden. Demnach sollten die Verhandlungen ruhen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten. In einem Brief von Gewerkschaftschef Claus Weselsky an die Arbeitgeber vom Montag hieß es dazu: „Übersetzt heißt das: „Nehmt die Brosamen des Arbeitgebers, bevor euch die Regierung mit einem Gesetz zur Tarifeinheit endgültig den Garaus macht!“

Darum dreht sich der Streit zwischen Bahn und GDL

Bei der Bahn regelte bisher ein Grundlagentarifvertrag, welche Gewerkschaft für welche Berufsgruppe zuständig war. Dieser lief aber Ende Juni aus. Seitdem ist ein Konkurrenzkampf zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) entbrannt. Dieser Konflikt belastet nach Angaben des Konzernbetriebsrats auch das Arbeitsklima bei der Deutschen Bahn.

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, eine neue gesetzliche Regelung zur Tarifeinheit zu finden. Mit dem Gesetz wollen sie den Einfluss kleiner, aber durchsetzungsstarker Gewerkschaften begrenzen. Ein erstes Eckpunktepapier wurde im Sommer verworfen. Wann ein Entwurf ins Kabinett kommt, ist unklar.

Auch bei der Lufthansa wird gestreikt

Auch bei der Lufthansa hat die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) neue Streiks angekündigt, allerdings ausschließlich für Frachtflüge. Passagierflüge sind der Lufthansa zufolge von dem Aufruf nicht betroffen. Von Mittwochmorgen 3.00 Uhr bis Donnerstag 22.30 Uhr sollen keine Flüge der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen starten. Nach Angaben der Lufthansa sind 21 Flüge betroffen. Das Unternehmen kündigte einen Sonderflugplan an.

dpa/AFP

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