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Die Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen fusionieren.

Wird bereits geprüft

Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen fusionieren

Frankfurt/London - Die Deutsche Börse sucht schon länger Partnerschaften mit anderen großen Handelsplätzen. Nun gibt es nun Fusionsgespräche mit den Kollegen in London. Vorstandschef Kengeter hofft auf den großen Wurf.

Die Deutsche Börse will sich mit der Londoner Börse zur Nummer eins der Branche in Europa zusammenschließen. Beide Marktbetreiber machten am Dienstag überraschend konkrete Gespräche über eine Fusion bekannt. Offiziell soll es sich um ein Zusammengehen auf Augenhöhe handeln.

Allerdings sollen die Aktionäre der Deutschen Börse künftig mit 54,4 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit halten. Auf die Anteilseigner der London Stock Exchange (LSE) sollen die übrigen 45,6 Prozent entfallen.

Beide Seiten sehen nach eigenen Angaben in dem möglichen Zusammenschluss „eine überzeugende Möglichkeit“, sich gegenseitig zu stärken und einen führenden europäischen Anbieter zu schaffen. Zusammen gebe es deutlich größere Wachstumschancen und umfangreiche Kostenvorteile. Zudem würden sie gemeinsam auch wieder zur starken Konkurrenz aus den USA und Hongkong aufschließen.

Ziel: Gemeinsame Dachgesellschaft

Die Nachricht ließ den Börsenkurs beider Unternehmen steil nach oben schießen. Die Papiere der Deutschen Börse stiegen zwischenzeitlich um mehr als 8 Prozent und lagen gegen Handelsende noch um rund 5 Prozent im Plus. Die Papiere der LSE legten zunächst um rund 20 Prozent zu und notierten gegen Abend noch um gut 13 Prozent höher als am Vortag. Zum Börsenschluss am Montag wurde die LSE mit gut 8 Milliarden Pfund (10,3 Milliarden Euro) bewertet, die Deutsche Börse kam auf einen Wert von knapp 15 Milliarden Euro.

Beide Konzerne wollen eine Dachgesellschaft zu bilden. Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, sollen die Anteilseigner der britischen und der deutschen Börse ihre Aktien gegen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen. Ein Aufsichtsrat soll zu gleichen Teilen aus Mitgliedern der Deutschen Börse und der LSE bestehen. Nach britischen Fusionsregeln hat die Deutsche Börse nun genau einen Monat Zeit, ein offizielles Übernahmeangebot vorzulegen.

Ihr Kerngeschäft wollen die Partner unter den bisherigen Marken fortführen. Der Aktienhandel in Frankfurt soll also weiter unabhängig von demjenigen in London laufen. Zur LSE gehört darüber hinaus auch noch die italienische Börse in Mailand.

An die Weltspitze

Die Konzerne ergänzen sich nach eigener Darstellung gut. So ist die LSE im Aktienhandel deutlich stärker als die Deutsche Börse, die wiederum vor allem mit ihrer Terminbörse Eurex punktet. Zudem sind die Deutschen das größte Abwicklungshaus für sogenannte Derivate. Die LSE ist dagegen das globale führende Clearinghaus für Zins-Swaps - also Wetten auf Zinsänderungen. Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hatte erst in der vergangenen Woche angekündigt, sein Haus künftig in allen Geschäftsfeldern an die Weltspitze führen zu wollen.

Börsenbetreiber gelten als Profiteure der verschärften Regeln auf den Finanzmärkten seit der Finanzkrise. Handelsgeschäfte sollen seitdem verstärkt an öffentlich einsehbare Handelsplätze verlagert werden oder zumindest über neutrale Zwischenhändler laufen.

Die Deutsche Börse hatte sich in der Vergangenheit mehrfach vergeblich an Großübernahmen versucht. In den Jahren 2000 und 2005 scheiterten bereits Zusammenschlüsse mit der LSE, vor vier Jahren platzte eine Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE).

Europas oberste Wettbewerbshüter hatten im Februar 2012 den geplanten Zusammenschluss mit der NYSE wegen kartellrechtlicher Bedenken untersagt. Die Deutsche Börse hatte sich seitdem anders orientiert und ihr Heil eher in kleineren Partnerschaften in Asien gesucht.

International aber drehte sich das Fusionskarussell weiter. So übernahm die US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) Ende 2012 die NYSE. Im gleichen Jahr kaufte die Hongkonger Börse die Londoner Metallbörse. Die weltgrößte Terminbörse - die CME aus Chicago - wiederum soll vor Jahren auch schon bei der Deutschen Böse vorgefühlt, sich dabei aber ein deutliche Abfuhr eingehandelt haben.

Nachdem Kengeter Anfang Juni 2015 das Amt von Reto Francioni übernommen hatte, schaltete die Börse wieder auf Angriff. Im Sommer zog Kengeter zwei Übernahmen für insgesamt 1,3 Milliarden Euro durch.

dpa

Deutsche Börse erfreut die Anleger mit höherer Dividende

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