Zusammenschluss auf Augenhöhe

Deutsche Börse und LSE machen Ernst mit Fusionsplänen

Frankfurt/Main - Die Deutsche Börse und die Londoner LSE machen Ernst mit ihren Fusionsplänen. Klappt der Deal, soll die neue Superbörse ihren Sitz  in London haben.

Der Vorstand der Deutsche Börse habe mit Zustimmung des Aufsichtsrates eine Vereinbarung über einen Zusammenschluss auf Augenhöhe abgeschlossen, teilte der Dax-Konzern mit. Nun müssen Aktionäre und Aufseher entscheiden.

Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) seien überzeugt, dass der Zusammenschluss beide Seiten stärke und die Chance biete, "einen führenden europäischen Anbieter für globale Marktinfrastruktur zu schaffen". Die beiden Unternehmen erwarten von dem Zusammenschluss Kosteneinsparungen von jährlich 450 Millionen Euro.

Beide Seiten werben mit großen Wachstumschancen und hohem Einsparpotenzial. Die Kosten könnten - ab dem dritten Jahr nach Vollzug des Deals - pro Jahr um 450 Millionen Euro gedrückt werden, das entspreche rund einem Fünftel des jährlichen Aufwands der Konzerne. Vorteile gebe es auch für Kunden.

„Das ist der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. LSE-Chef Xavier Rolet bekräftigte: „Ich unterstütze den Zusammenschluss zu 100 Prozent.“ Das Gemeinschaftsunternehmen werde in vielen Handelsfeldern wie Optionen, Aktien, Anleihen, Devisen und Energie eine führende Position einnehmen. Nach Erlösen entstünde der weltgrößte Börsenbetreiber mit einem Gesamtumsatz von 4,7 Milliarden Euro. Die beiden Partner kalkulieren mit Einmalkosten von 600 Millionen Euro. Details zu möglichen Stellenstreichungen stehen noch nicht fest.

Auch ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“) soll die Pläne nicht durchkreuzen. „Das kombinierte Unternehmen wird unabhängig vom Ausgang des britischen Referendums erfolgreich sein“, sagte Kengeter. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob das Land weiter Mitglied in der Europäischen Union bleibt. Kengeter betonte, auch bei einem negativen Votum werde nicht an den Bedingungen für die Fusion gerüttelt. Ein „Brexit“ könnte allerdings zu einer Umverteilung der Geschäfte in der neuen Gruppe führen.

Die neue europäische Superbörse soll ihren rechtlichen Sitz in London und Hauptsitze in der britischen Hauptstadt sowie in Frankfurt haben. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter soll das Gemeinschaftsunternehmen führen. Angestrebt ist, dass nach dem Umtausch der Aktien die Anteilseigner der Deutschen Börse mit 54,4 Prozent eine Mehrheit an der fusionierten Börse halten.

dpa

Rubriklistenbild: © Andy Rain

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