Deutsche Exportschlager in der Krise

München - Erst Daimler, dann BMW, jetzt auch Toyota und Nissan. Immer mehr bislang erfolgreiche Autobauer rutschen in die Krise. Droht einer ganzen Branche der Niedergang?

Es war einmal die amerikanische Krankheit: Chrysler, Ford und General Motors kamen mit ihren veralteten Modellen bei der heimischen Kundschaft nicht so recht an. Toyota und Nissan, Porsche und BMW rangen ihnen Marktanteile ab. Die US-Hersteller reagierten mit einer beispiellosen Rabattschlacht und rangen sich zu spät zu Kapazitätsanpassungen durch. Horrende Verluste häuften sich auf.

Der schwache Dollar

Doch nun haben auch die scheinbar gegen alle Krisen immunen deutschen Premium-Hersteller Sorgen. Nach Daimler schockierte auch BMW mit einem Gewinneinbruch. Beide Marken leiden am schwachen Dollar, der die Gewinne fast völlig verzehrt. Dabei rächt sich der große Erfolg teurer deutscher Autos in den USA. Denn die dort aufgebauten Werke hinken in ihren Stückzahlen den US-Verkäufen weit hinterher. Das zehrt an den Margen.

Kurssicherungsgeschäfte konnten dies in den ersten Jahren noch ausgleichen. Aber diese werden immer teurer, je länger der Dollar schwächelt. Mit Nissan und Toyota leiden auch Hersteller, die riesige Fabriken in den USA oder Kanada betreiben. Der Dollar allein ist also nicht schuld.

Ölpreis unterschätzt

Die Ölpreisexplosion hat zunächst die US-Hersteller kalt erwischt. Ihre Modellpaletten mit durstigen Trucks und Vans waren auf billigen Sprit ausgerichtet. Sie litten als erste unter Preisen, die sich mehr als verdoppelt haben. Doch auch die Modellpolitik der deutschen Autobauer war nicht glücklich. Diese setzten vor allem auf ihre Schwergewichte. So machten in die Japaner mit ihren Kleinwagen das Rennen. Dies, zumal sie sich recht schnell mit Hybrid-Modellen einen zusätzlichen Vorteil in der öffentlichen Wahrnehmung sicherten. Der europäische Konter mit hocheffizienten Dieselmotoren fällt nun ausgerechnet in eine Zeit, in der die Preise für Diesel denen für Benzin vorauseilen.

Überraschende Erfolge haben deutsche Hersteller übrigens mittlerweile mit Kleinfahrzeugen, Mini und Smart wurden zum Verkaufserfolg. Dabei hatten sich BMW und Daimler nur mit Mühe durchgerungen, diese Fahrzeuge auf den US-Markt zu bringen.

Risiko Leasing

Ein in den letzten Jahren stark gewachsenes Standbein aller Fahrzeugbauer, das Geschäft mit der Finanzierung durch eigene Banken, macht sie nun zusätzlich krisenanfällig. Weil die Gebrauchtwagenpreise in den USA verfallen, geht die Kalkulation bei zurückgegebenen Leasing-Autos nicht mehr auf. Das drückte bei BMW bereits den Gewinn.

Teure Rohstoffe

Was den Autobauern langfristig wohl die meisten Probleme bereiten wird, sind hohe Rohstoffpreise. Die Kosten für Stahl haben in diesem Jahr um 50 Prozent zugelegt. Dabei wirkt der schwache Dollar noch preisdämpfend. Erholt sich die US-Währung, hätten die europäischen Hersteller entprechend mehr zu bezahlen. Entspannung ist nicht in Sicht. Der Aufschwung der Schwellenländer sorgt für Dauer-Knappheit.

Ausweg: Größe

Eine Folge dürfte die Bildung neuer, immer größerer Autokonzerne sein. Das Strickmuster stammt ausgerechnet vom Autozwerg Porsche. Mit der Machtübernahme bei Volkswagen bildete sich ein Verbund, zu dem neben Porsche und VW mit Audi, Seat, Skoda und einigen Luxusmarken nun auch die Nutzfahrzeughersteller Scania und MAN gehören. Die erhöhte Marktmacht beim Einkauf ist eines der wichtigsten Argumente für die erwachte Lust an großen Konglomeraten.

BMW und Mercedes, die sich von verlustbringenden Engagements mit Massenherstellern gelöst haben, könnten sich bald in neuen Konzernverbünden ganz ähnlicher Art wiederfinden. Die Zusammenarbeit beider Konzerne bei vielen Entwicklungsprojekten und die nun offensichtlich geplante Einkaufskooperation muss nicht das letzte Wort sein.

Nicht alle Autohersteller darben. Volkswagen meldet noch eine prächtige Entwicklung. Der Aufkauf von Anteilen durch den neuen Hauptaktionär Porsche und das nach einer Durststrecke mittlerweile wieder erfolgreichere Engagement in China hat die Aktien bis heute beflügelt. Und auch Porsche profitiert. Den bei weitemgrößten Teil des enormen Gewinns steuert heute schon das geschickt gemanagte VW-Engagement bei.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Studie: Opel lässt fast jedes zweite Auto selbst zu

Als junge Gebrauchte oder Tageszulassungen stehen immer mehr Autos in den Schauräumen der Händler. Mit dem süßen Gift Rabatt schönen viele Hersteller ihre …
Studie: Opel lässt fast jedes zweite Auto selbst zu

150.000 Euro Bußgeld wegen aggressiver Telefonwerbung verhängt

Berlin - Wegen unerlaubter aggressiver Telefonwerbung hat die Bundesnetzagentur gegen eine Firma für den Vertrieb von Tierfutter ein hohes Bußgeld verhängt. Die Strafe: …
150.000 Euro Bußgeld wegen aggressiver Telefonwerbung verhängt

Modebranche spürt Zurückhaltung der Verbraucher

Düsseldorf (dpa) - Terrorangst und wirtschaftliche Unsicherheit haben die Lust der Verbraucher auf Mode in diesem Jahr weltweit gedämpft.
Modebranche spürt Zurückhaltung der Verbraucher

Italienisches Nein zur Reform lässt Anleger kalt

Frankfurt - Das befürchtete Börsen-Beben an den deutschen Aktienmärkten ist nach dem gescheiterten Italien-Referendum ausgeblieben. Ganz im Gegenteil: Viele Anleger …
Italienisches Nein zur Reform lässt Anleger kalt

Kommentare